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Digital Humans: Wie KI eine interaktive Wissensvermittlung ermöglicht

Verantwortlicher Redakteur:in: Heiner Sieger 4 min Lesedauer

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Mithilfe von Digital Humans können realistische Gespräche mit historischen Persönlichkeiten über einen Chatbot geführt werden. Unterstützt wird die Interaktion durch generative KI, die mit Wissensdatenbanken trainiert wurde.

(Quelle:  sdecoret - Adobe Stock)
(Quelle: sdecoret - Adobe Stock)

Was wäre, wenn kulturell bedeutende Persönlichkeiten ein digitales Abbild ihrer selbst schaffen und so ihr kulturelles Erbe für nachkommende Generationen verewigen können? Der Digital Human ist keine Zukunftsmusik mehr. Er ist eine moderne Schnittstelle, die natürliche und einfühlsame Interaktionen zwischen Menschen und digitalen Ökosystemen ermöglicht. Digital Humans sind in Ästhetik, Verhalten und Kommunikation durch hochentwickelte 3D-Formen hyperrealistisch gestaltet. Dank generativer künstlicher Intelligenz, die mit Daten aus spezifischen Wissensdatenbanken trainiert wurde, können Digital Humans die Stimmung des Nutzers analysieren und den Tonfall entsprechend anpassen. Darüber hinaus erkennen KI-Algorithmen Emotionen, wodurch er kontextbezogene und kohärente Antworten geben kann. Auf diese Weise wird eine interaktive und empathische Beziehung erreicht.

Digital Humans sind bereit zum Gespräch

Im Rahmen eines wegweisenden Pilotprojekts wurde ein digitales Abbild einer historischen Persönlichkeit geschaffen. Der ganzheitliche Ansatz kombiniert historische und wirtschaftswissenschaftliche Forschung mit generativer KI und Echtzeit-3D-Technologien. Ziel des Projekts ist, das geistige Erbe einer kulturell bedeutenden Persönlichkeit der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Digital Humans repräsentieren nicht nur das äußere Erscheinungsbild, sondern auch die Gedankenwelt einer Person und steht jedem für ein Gespräch zur Verfügung. Das Pilotprojekt, eine Zusammenarbeit zwischen den Stiftungen Einaudi und Compagnia di San Paolo sowie des IT-Unternehmens Reply, wurde mit Luigi Einaudi, dem ersten italienischen Staatspräsidenten (1948 – 1955), durchgeführt. Das Modell lässt sich aber auch auf andere Persönlichkeiten übertragen.

KI-Modell für authentische Dialoge

Die Möglichkeit, in einen kohärenten Dialog mit den Gedanken einer historischen Person zu treten, lässt sich durch ein konversationelles KI-Modell erreichen, das auf einem von Reply entwickelten Framework basiert. Dieses Framework integriert eine proprietäre Datenbankanalysemethodik mit Tools zur Erstellung konversationeller generativer Modelle für spezifische Wissensbereiche. Im Pilotprojekt wurde eine Wissensdatenbank mit einem Korpus von über 250.000 Wörtern aus den Originalbüchern und -sammlungen von Luigi Einaudi verwendet. Dies war die Grundlage für das Training mit Large Language Models (LLM), um die Antworten des Digital Human zu validieren. Dieses Training ermöglicht einen kontextualisierten, bidirektionalen Dialog mit einem Antwortstil, der für alle verständlich ist.

(Dialog mit einem Digital Human (hier Luigi Einaudi) der dank KI zum Leben erweckt wurde und sein Wissen teilen kann. (Bild: Reply))
(Dialog mit einem Digital Human (hier Luigi Einaudi) der dank KI zum Leben erweckt wurde und sein Wissen teilen kann. (Bild: Reply))

MetaHuman Creator erstellt digitales Abbild

Die Schlüsselelemente des Erscheinungsbildes und der typischen Gesten von Luigi Einaudi lassen sich durch die Analyse historischer Fotografien und Filme ermitteln. Bei der Definition der Gesichtszüge unterstützt der MetaHuman Creator von Epic Games. Die Details somatischer Merkmale, wie zum Beispiel die Haare oder die Körperform, aber auch Aspekte wie Kleidung wurden mit dem MetaHuman Creator verfeinert. Mit dem 3D Creation Tool Unreal Engine werden Körper-, Gesichts- und Mundbewegungen animiert und in das KI-Modell integriert, damit Sprache, Mimik und Gestik mit den generierten KI-Reaktionen laufend synchronisieren werden. Das bedeutet Mimik und Gestik des Digital Human sind nicht vorprogrammiert, sondern werden in Echtzeit mit der Sprache synchronisiert. Besonderes Augenmerk liegt auf der Feinjustierung von Mikrogesten, Tonfall und Stil. So bietet die Technologie den Nutzern eine völlig neue Form der Interaktion mit einem Digital Human und somit eine neue Digital Experience.

Digital Humans: Nutzererfahrung und Kommunikation

Das Konzept des Projekts zu Digital Humans besteht darin, Wissen zu vermitteln. Darüber hinaus bietet es die Möglichkeit, die Denkweise durch einen zeitgemäßen Dialog mit dem digitalen Abbild von Luigi Einaudi zu erfahren. Diese Idee spiegelt sich in der immersiven Gestaltung der Nutzererfahrung wider. Ein Highlight der Lösung ist, dass der Chatbot fundierte Antworten gibt und keine frei erfundenen Aussagen trifft. Der Digital Human von Einaudi beantwortet Fragen zu Themen, die in der mündlichen und schriftlichen Produktion bereits vorhanden sind. Ziel ist es, die Aussagen von Einaudi kompetent, originalgetreu und präzise wiederzugeben und keine Vermutungen oder Prognosen abzugeben. Von dieser Vorgehensweise profitieren auch Unternehmen, die Wissen auf einem hohen Qualitätsniveau vermitteln wollen.

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Ein Gespräch mit Digital Humans

Auf der Website der Einaudi-Stiftung können Interessierte mit dem Politiker und Ökonomen in einen Dialog treten – auf Englisch oder Italienisch. Per Sprache oder Text können Nutzer mit Luigi Einaudi über Themen aus seinen Wirtschaftstexten wie Monopol, Wettbewerb, Geldpolitik, Währung, Steuerpolitik, Haushalt, Markt, Banken, Steuern und Inflation sprechen oder ihm Fragen zu seiner Biografie stellen. Die Antworten basieren auf digitalisierten Werken wie Büchern, Briefen oder Reden.

Der digitale Einaudi beantwortet die Fragen seines Gesprächspartners in der Form, die seiner Denkweise entspricht, und überwindet so geografische, physische und generationsbedingte Barrieren. Dieser Prototyp ist das erste Beispiel für eine neue Variante, Wissen aufzubereiten und zu verbreiten. Die Methode kann das Bildungswesen und die Art und Weise, wie wir lernen und Wissen vermitteln, radikal verändern. Hier wird KI mehr Diskontinuität schaffen, aber auch mehr Einfluss auf den Fortschritt haben. Die Plattform ist replizierbar, skalierbar und könnte sich zu einem wichtigen pädagogischen Instrument entwickeln.

(Guiscardo Pin ist Vorstand von Reply Deutschland. (Bild: Reply))
(Guiscardo Pin ist Vorstand von Reply Deutschland. (Bild: Reply))

Über den Autor: Guiscardo Pin ist Vorstand von Reply Deutschland. Reply ist spezialisiert auf die Entwicklung und Implementierung von Lösungen basierend auf neuen Kommunikationskanälen und digitalen Medien. Bestehend aus einem Netzwerk spezialisierter Tochtergesellschaften, unterstützt Reply Unternehmen bei der Definition und Entwicklung von Geschäftsmodellen. Zum Einsatz kommen hierbei neue Technologien wie KI, Big Data, Cloud Computing, digitalen Medien und Internet der Dinge. (sg)

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