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Wechsel von Cloud-Anbietern

Digitale Souveränität: Warum Cloud-Exit-Strategien ein Muss sind

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Digitale Souveränität: Passende Angebote aus Europa

Workloads und Use Cases: Für welche Szenarien sind europäische Public-Cloud-Angebote heute erste Wahl, und wo haben Hyperscaler weiterhin Vorteile?

Europäische Anbieter sind heute eine starke Wahl für klassische IaaS- und Standard-PaaS-Szenarien, bei denen Compliance, Datenschutz und Governance im Vordergrund stehen. Dazu zählen:

  • Anwendungen im Finanzsektor mit hohen Prüfanforderungen 
  • Datenschutzsensible Prozesse im öffentlichen Sektor
  • Interne Verwaltungs- und ERP-Systeme
  • Digitalisierungsinitiativen mit Fokus auf EU-Förderfähigkeit, wie EuroStack

Hyperscaler bieten nach wie vor folgende Vorteile:

  • Global skalierende ApplikationenKI-/ML-Services und innovative Managed Services 
  • Edge-Computing und Low-Latency-Anwendungen
  • Komplexe Multi-Region-Setups
  • Für Workloads ohne spezifische Anforderungen an die digitale Souveränität sind Lösungen von Hyperscalern nach wie vor gut geeignet, weil sie in der Regel günstiger sind.

In der Praxis ist also oft eine hybride oder Multi-Cloud-Strategie sinnvoll, bei der Kritisches souverän und Innovatives performant platziert wird.

Welche Architekturprinzipien empfehlen Sie, um Abhängigkeiten zu minimieren?

Vendor-Lock-in ist keine neue Gefahr – aber in der Cloud ist er oft schwerer zu erkennen. Unsere Empfehlungen basieren auf drei Prinzipien:

  • Technologische Portabilität: Nutzt offene Standards wie Kubernetes, Terraform, OpenAPI etc. 
  • Prozessuale Klarheit: Definiert Exit-Szenarien und Governance-Strukturen frühzeitig.
  • Vertragliche Absicherung: Sichert Exit-Rechte und Datenexporte ausreichend ab.

Multi-Cloud kann funktionieren – aber nur mit einem hohen Maß an Standardisierung, Automatisierung und Governance. Wir empfehlen daher, Exit-Strategien schon in der Designphase zu definieren – idealerweise mit Proof-of-Concepts in Testumgebungen.

Wie schlagen sich europäische Anbieter in Bezug auf Wirtschaftlichkeit und Steuerung im TCO-Vergleich?

Viele Unternehmen unterschätzen die wahren Kosten der Cloud – insbesondere bei großen Hyperscalern. In unserer Beratungspraxis sehen wir regelmäßig übersehene Kostenpositionen:

  • Egress Charges/ Netzwerkkosten (für Datenexporte) 
  • Support-Tiers
  • Kosten für Security, Governance und Compliance-Prüfungen
  • Schulungs- und Migrationskosten

Dabei ist wichtig zu betonen: Die Portfolios souveräner Anbieter und Hyperscaler sind grundsätzlich nicht direkt vergleichbar. Sovereign-Cloud-Angebote richten sich primär an Workloads mit höherem Compliance-Bedarf und geringerem Bedarf an Skaleneffekten, während Hyperscaler auf maximale Funktionstiefe, Innovationsgeschwindigkeit und globale Skalierung ausgelegt sind. In unserer Beratungspraxis empfehlen wir daher, Workloads individuell zu analysieren: Welche regulatorischen Anforderungen bestehen? Wie hoch ist der Bedarf an spezifischen Funktionen? Welche Kontroll- und Exit-Anforderungen sind relevant?

Die europäische Public-Cloud-Landschaft ist heute deutlich vielfältiger und reifer als noch vor wenigen Jahren. Es hat sich ein Markt entwickelt, der zwar in der Breite nicht mit den US-Hyperscalern konkurrieren kann, aber in spezifischen Bereichen überzeugende Alternativen bietet.

Dr. Julia Pergande

Ein Kostenvergleich zwischen Sovereign-Cloud und Hyperscaler ist daher nur eingeschränkt sinnvoll – ein TCO-Vergleich sollte sich immer auf konkrete Plattformen und definierte Nutzungsszenarien beziehen.Eine weitere Herausforderung liegt in der exakten Schätzung der benötigten Mengeneinheiten, etwa für Speicher, Datenverkehr oder Transaktionen – hier entstehen häufig Unsicherheiten in der Kostenprognose.

Zudem ist die Unterstützung souveräner Anbieter im Bereich FinOps noch nicht so weit entwickelt wie bei den Hyperscalern. Funktionen wie detaillierte Kosten- und Nutzungsreports, automatisierte Analyse-Tools oder die Nutzung von Spot-VMs zur Kostenoptimierung stehen derzeit vielfach noch nicht zur Verfügung.

Vielen Dank für die Einblicke, Frau Dr.Pergande. Das Fazit lautet demnach: Wer digitale Datensouveränität will, muss auf Open Source setzen und frühzeitig Exit-Strategien planen.

Genau. Die vollständige Autonomie ist mit US-Hyperscalern nicht möglich. Unternehmen sollten sich der Risiken bewusst sein und strategisch vorgehen – vor allem, wenn es um sensible Daten geht. Wer regulatorische Anforderungen ernst nimmt, sollte nicht nur auf Labels vertrauen, sondern auf echte Kontrollmöglichkeiten, Exit-Management, nachvollziehbare Betriebsmodelle und vollständige Datenkontrolle.

Heiner SiegerHeiner Sieger
ist Chefredakteur der Fachpublikationen Digital Business Magazin und e-commerce magazin.

Bildquelle: Heiner Sieger

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