DB Podcast

IT-Infrastruktur Digitale Souveränität: Für Europa kommt die Stunde der Wahrheit

Ein Gastkommentar von Martin Hager 2 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Die Rückkehr von Donald Trump auf die weltpolitische Bühne bleibt für Europas digitale Infrastruktur nicht folgenlos. Wie die FAZ analysierte, wirken dessen wirtschaftspolitische Maßnahmen wie ein Weckruf für die digitale Souveränität Europas.

(Bild: © Antto-AI/stock.adobe.com - generiert mit KI)
(Bild: © Antto-AI/stock.adobe.com - generiert mit KI)

Maßnahmen wie Zölle auf europäische Schlüsselindustrien, verschärfte Einfuhrbedingungen und gezielte industriepolitische Eingriffe verdeutlichen, wie verletzlich die EU im Bereich digitale Souveränität ist. Die dadurch entstandenen, wirtschaftspolitischen Spannungen zwischen den USA und Europa rücken ein lange verdrängtes Thema in den Fokus der IT-Branche: die Abhängigkeit von US-Plattformen und -Services und die digitale Souveränität.

Wenn zentrale Infrastrukturen, Kommunikationsdienste oder Datenverarbeitung in der Hand von Anbietern liegen, die der Rechtsprechung einer zunehmend erratischen US-Politik unterliegen, entsteht ein ernst zu nehmendes strukturelles Risiko für europäische Unternehmen. Spätestens jetzt zeigt sich, dass digitale Souveränität kein politisches Buzzword, sondern eine operative Notwendigkeit ist. Es geht um die Kontrolle über kritische Systeme, Ausfallsicherheit, Revisionssicherheit – und darum, wie belastbar die eigene digitale Architektur in einem volatilen Umfeld tatsächlich ist.

Digitale Souveränität: Kritische Bestandteile der IT-Landschaft

Gerade im Enterprise-Umfeld ist jetzt eine strategische Neubewertung nötig: Welche Bestandteile der IT-Landschaft sind austauschbar, welche sind kritisch? Welche Prozesse lassen sich ohne funktionierende API-Anbindung oder Cloudverfügbarkeit absichern? Und wie lassen sich europäische Alternativen so integrieren, dass sie Compliance, Performance und langfristige Skalierbarkeit garantieren?

Über Jahre hinweg war es bequem, mit wenigen großen IT-Anbietern zusammenzuarbeiten – doch diese Bequemlichkeit rächt sich. Für ein solides Risikomanagement braucht es mehr Diversität in der Providerlandschaft. Nur so lässt sich verhindern, dass Unternehmen in eine strukturelle Erpressbarkeit geraten, sei es politisch, regulatorisch oder finanziell. Gleichzeitig gilt: Balance ist entscheidend. Wer auf zu viele kleinteilige Lösungen setzt, riskiert operative Komplexität. Der bessere Weg führt über mittelgroße, europäische Dienstleister, die Spezialisierung mit Flexibilität verbinden. „Buy local“ gilt auch für die IT. Anbieter dafür gibt es.

 Wer auf zu viele kleinteilige Lösungen setzt, riskiert operative Komplexität. Der bessere Weg führt über europäische Dienstleister, die Spezialisierung mit Flexibilität verbinden.

Martin Hager, Retarus

Europäische Anbieter für Messaging und Infrastruktur-Services

Europa hat im Bereich Messaging, Infrastruktur-Services und Plattformintegration leistungsfähige Lösungen aufzuweisen. Obwohl auf EU-Ebene bereits diskutiert wird, Cloud- und Sicherheitsdienste künftig gezielt und ausschließlich bei europäischen Anbietern zu beziehen, werden sie nach wie vor noch viel zu selten als ernsthafte Option in Entscheidungen zur IT-Architektur einbezogen. Das muss sich ändern – nicht aus Prinzip, sondern aus technischer und wirtschaftlicher Vernunft. Digitale Resilienz entsteht durch konsequente Entscheidungen für die richtigen Architekturen. Wer Wahlfreiheit will, muss seine Abhängigkeiten kennen – und sie aktiv reduzieren. Das bedeutet nicht Abschottung, sondern echte digitale Souveränität.

Digitale SouveränitätMartin Hager
ist CEO von Retarus, einem Anbieter von APIs, Gateways und Applikationen für Messaging, E-Mail Management und den Austausch strukturierter Daten für Geschäftsprozesse.

Bildquelle: Retarus

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung