Die Einführung der elektronischen Patientenakte (ePA) ist ein wichtiger Schritt bei der Digitalisierung im Gesundheitssektor. Doch damit die ePA erfolgreich wird, ist es entscheidend, dass die Gesundheitsdaten sicher und vertrauenswürdig in der Cloud gespeichert werden.
(Bild: Borin / Adobe Stock)
Die Digitalisierung im Gesundheitssektor gehört zu den großen Zielen der Bundesregierung. So ist im März dieses Jahres hierfür das „Gesetz zur Beschleunigung der Digitalisierung des Gesundheitswesens“ in Kraft getreten. Die flächendeckende Einführung der Elektronischen Patientenakte (ePA) für alle gesetzlich Versicherten im kommenden Jahr ist ein weiterer wichtiger Schritt vorwärts bei der Digitalisierung des Gesundheitssektors in Deutschland.
Diese digitale Akte soll Vorerkrankungen und Befunde speichern, um in Krankenhäusern und Praxen bessere und schnellere Diagnosen zu ermöglichen. Damit die ePA erfolgreich wird, ist es jedoch entscheidend, dass die Gesundheitsdaten sicher und vertrauenswürdig in der Cloud gespeichert werden. Der Standort der Daten spielt dabei eine zentrale Rolle.
Digitalisierung im Gesundheitssektor erfordert besondere IT-Sicherheit beim Hosting
Der Umgang mit sensiblen Gesundheits- und Sozialdaten von Patienten erfordert besonders hohe Anforderungen an den Datenschutz und die IT-Sicherheit. Es ist entscheidend, dass diese Daten in Europa und von einem europäischen Unternehmen gehostet werden, um sicherzustellen, dass sie ausschließlich der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) unterliegen.
Wenn Daten außerhalb der EU gehostet werden, können sie unter extra-territoriale Gesetze fallen – beispielsweise den US-amerikanischen Cloud Act. Er verpflichtet Cloud-Anbieter, US-Sicherheitsbehörden auf Anfrage die von ihnen gehosteten Daten offenzulegen, selbst wenn diese physisch außerhalb der USA liegen. Dies kann zu Konflikten mit europäischen Datenschutzstandards führen.
Der Umgang mit sensiblen Gesundheits- und Sozialdaten von Patienten erfordert besonders hohe Anforderungen an den Datenschutz und die IT-Sicherheit.
Falk Weinreich, OVHcloud
Praxisbeispiel ITSC: Krankenkassen digitalisieren sich und ziehen in die Cloud
Ein praktisches Beispiel für die Bedeutung des Datenstandorts liefert das Unternehmen ITSC, das sich auf IT-Dienstleistungen für gesetzliche Krankenkassen spezialisiert hat. Das ITSC entschied sich, die Gesundheitsdaten von über 40 betrieblichen Krankenkassen in die Cloud-Umgebung des europäischen Anbieters OVHcloud zu verlagern.
Die Krankenkassen betreiben schon jetzt viele verschiedene IT-Anwendungen und Services für Patienten. In Zukunft bekommen sie mit einer sicheren und leistungsfähigen Cloud-Infrastruktur sowie der ePa noch mehr Möglichkeiten, diese IT-Anwendungen weiterzuentwickeln und auszuweiten.
Die Migration bietet Vorteile für das ITSC, wie beispielsweise erhöhte IT-Sicherheit, Skalierbarkeit und die Einhaltung europäischer Datenschutzstandards. Zuvor hat das ITSC die Daten in einem Rechenzentrum selbst gehostet. Mit der zunehmenden Menge an Daten und einem immer größeren Arbeitsaufwand für das Hosting der Daten, war der Schritt in die Cloud eine sinnvolle Entscheidung. OVHcloud betreibt seine Rechenzentren in Europa und gewährleistet somit, dass die Daten allein nach europäischen Datenschutzgesetzen verarbeitet werden.
Welche Cloud-Zertifizierungen Krankenkassen bei der Digitalisierung im Gesundheitssektor beachten müssen
Neben dem Standort der Daten sind Zertifizierungen ein wichtiges Kriterium, auf das Krankenkassen und andere Gesundheitseinrichtungen bei einem Wechsel in die Cloud achten sollten. In Deutschland steht insbesondere der Kriterienkatalog C5 (Cloud Computing Compliance Criteria Catalogue) des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) für die höchsten Anforderungen an Sicherheit und Datenschutz. Dieser Katalog spezifiziert die Mindestanforderungen an sicheres Cloud Computing und dient sowohl Cloud-Anbietern als auch deren Kunden als Orientierungshilfe.
Es reicht also nicht allein, einen europäischen Anbieter zu wählen – dieser muss auch über die richtigen Zertifizierungen verfügen. Neben einer C5-Konformität können dies zum Beispiel Zertifizierungen nach ISO 27001, 27017, 27018 und 27701 sein. Diese Standards gewährleisten ein Managementsystem für Informationssicherheit und eine hohe Vertraulichkeit von Informationen. Durch ihre Einhaltung können Gesundheitseinrichtungen und Versicherungen sicherstellen, dass ihre Gesundheitsdaten sicher gehostet werden.
Ausblick: Sichere Cloud-Dienste als erster Schritt zur Digitalisierung
Der Bedarf an sicheren Cloud-Lösungen im deutschen Gesundheitssektor wird in den kommenden Jahren weiter steigen. Faktoren wie die Einführung von E-Rezepten und modernen IT-Anwendungen im Gesundheitswesen sowie die Nutzung der Cloud zur Kostensenkung und erhöhten Skalierbarkeit und Flexibilität treiben dieses Wachstum voran. Die Digitalisierung des Gesundheitswesens erfordert daher eine sorgfältige Auswahl der Cloud-Anbieter.
Stand: 16.12.2025
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Der Standort der Daten ist entscheidend für die Sicherheit und den Datenschutz im Cloud-Hosting von Gesundheitsdaten. Europäische Cloud-Anbieter bieten durch die Einhaltung der DSGVO und zusätzliche Zertifizierungen wie den C5-Kriterienkatalog des BSI eine verlässliche Grundlage für das Hosting sensibler Gesundheitsdaten. Gesundheitseinrichtungen und Krankenkassen sollten daher den Standort und die Sicherheitszertifizierungen ihrer Cloud-Anbieter sorgfältig prüfen, um den Schutz der Patientendaten zu gewährleisten.
Falk Weinreich ist General Manager Central Europe bei OVHcloud