Sophia Peterseim, Expertin Interne Revision bei Cancom, über die Rolle als Frau in einem IT-Security-Unternehmen, Frauen in der IT allgemein und die Bedeutung von Einfühlungsvermögen und Empathie.
(Bild: pch.vector / Freepik)
Was genau ist Ihre Aufgabe bei Cancom?
Ich bin seit knapp vier Jahren im Unternehmen, seit ca. drei Jahren arbeite ich in der internen Revision und bin dort für unsere internen Audits zuständig. Dazu führe ich mit den Kolleginnen und Kollegen Interviews, welche sowohl persönlich als auch online stattfinden. Hierbei beleuchte ich gemeinsam mit den Verantwortlichen den aktuellen Ist-Zustand des jeweiligen Bereichs, bezogen auf die existierenden Prozesse sowie Themen bezüglich dem Tool- und Mitarbeitereinsatz. Dabei wird die aktuelle Prozessdokumentation gemeinsam besprochen und wesentliche Prozesse untersucht, ob und wie diese funktionieren. In diesem Zusammenhang identifiziere ich dann den Handlungs- bzw. Optimierungsbedarf.
IT-Sicherheit und Qualität sichern
Wo liegen die Berührungspunkte in Richtung IT und IT-Security?
Im Unternehmen bin ich gestartet im Team Information Security Governance & Compliance (ISGC), welches unsere regulierten Kunden, also die beispielsweise von der BaFin reguliert und überwacht werden, in Bezug auf die Informationssicherheit betreut und berät. Über diese Tätigkeit bin ich zur IT gekommen. Anschließend habe ich mich entlang meiner persönlichen Interessen hin zur internen Revision entwickelt, wo ich heute tätig bin. Für uns als IT-Dienstleister ist dies sehr wichtig, da wir so Compliance gewährleisten, Risiken identifizieren, Prozesse optimieren, IT-Sicherheit überprüfen und Qualitätsstandards sichern.
Was gefällt Ihnen an dieser Aufgabe?
Es war mir ein Anliegen, eine Funktion im Unternehmen auszuüben, in welcher ich dazu beitragen kann, etwas zu verbessern. Die IT ist eine bekanntermaßen sehr dynamische Branche. Damit geht folglich einher, dass sowohl die Anforderungen unserer Kunden als auch unsere Produkte und Dienstleistungen, rechtliche Rahmenbedingungen sowie interne Prozesse einer kontinuierlichen Änderung unterliegen. Nichts ist so beständig wie der Wandel, sagte einst Heraklit. Dadurch ist es erforderlich, sich regelmäßig die existierenden Prozesse und Richtlinien anzusehen und zu evaluieren, ob Anpassungen erforderlich sind. Eine konstruktive, zielführende und offene Kommunikation ist hier von zentraler Bedeutung. Einfühlungsvermögen und Empathie sind äußerst hilfreiche Attribute, welche mir helfen, mich in die Herausforderungen der Kolleginnen und Kollegen hineinzudenken, um gemeinsam Lösungen zu erarbeiten. Mir ist es wichtig, den Weg zur Auflösung der Probleme sauber zu gestalten, um folglich auch den Kolleginnen und Kollegen den Arbeitsalltag zu erleichtern und Mehrwerte für sie zu schaffen.
Wie wichtig ist das Thema IT-Security in Ihrem Unternehmen?
Es ist eines unserer Fokus-Themen und hat bei uns zwei Dimensionen: Einerseits realisieren wir als ein führender IT-Dienstleister in der DACH-Region maßgeschneiderte und ganzheitliche Security-Lösungen und unterstützen unsere Kunden beim sicheren Betrieb ihrer IT-Infrastrukturen – bis hin zur vollständigen Betriebsübernahme. Es ist denke ich hinreichend bekannt, dass die IT-Sicherheitsvorfälle in den unterschiedlichsten Branchen stark zugenommen haben und der Bedarf nach IT-Sicherheitslösungen bei unseren Kunden immer größer wird. Das Thema ist vor allem dann besonders wichtig, wenn Unternehmen mit sensiblen Daten arbeiten. Gerade Banken und Versicherungen werden immer öfter Opfer von Cyberattacken, da können wir sehr gut unterstützen.
Andererseits hat IT-Security auch bei uns intern höchste Priorität, da digitales Vertrauen für uns und unsere Kunden von größter Bedeutung ist. Wie bereits angesprochen, haben wir zahlreiche Kunden im Banken- und Versicherungsumfeld sowie im Bereich öffentlicher Auftraggeber und Healthcare. Aus diesem Grund müssen wir selbst auch ganzheitlich abgesichert sein, interne Schwachstellen minimieren und alle Einfallstore schließen.
Frauen in der IT: Viele spannende Aufgaben
Arbeiten noch andere Frauen bei Cancom im Bereich IT oder IT-Security?
Ja bereits einige, aber wir würden gerne noch mehr Frauen für die IT begeistern. Bei uns ist der Quereinstieg ohne weiteres möglich! Es gibt viele spannende Aufgabenbereiche mit und ohne IT-spezifischem Fachwissen. Und Letzteres kann man sich aneignen – unterstützt und geschult vom Arbeitgeber. Viele denken, man braucht Programmierkenntnisse oder muss technischer Spezialist sein, um in der IT zu arbeiten, und das schreckt natürlich ab. Aber es gibt so viel mehr. Besonders Frauen möchten wir ermutigen, den Quereinstieg in die IT zu wagen und neue berufliche Wege zu entdecken. Ich habe beispielsweise eine Berufsausbildung als Kauffrau für Versicherungen und Finanzen abgeschlossen und war im Anschluss für einen Distributor und anschließend für ein Cyberversicherungsunternehmen im Außendienst tätig. Hierbei konnte ich erste Erfahrungen im IT-Security-Bereich sammeln. Und da ich dieses Thema spannend fand, bin ich in die IT gewechselt. Meine bisherigen Erfahrungen habe ich dort sehr gut einbringen und weiter ausbauen können.
Wie konnten Sie sich für die Aufgabe fachlich vorbereiten bzw. aus- und weiterbilden? Ist das besonders schwierig?
Die Aus- und Weiterbildung im Bereich IT-Security ist zwar eine Herausforderung, aber nicht unmöglich. Es war auch für mich als Quereinsteigerin zu Beginn ein neues Themenfeld. Es ist jedoch gut machbar, vor allem, wenn einen das Thema sehr interessiert. Ich habe bei der Deutschen Gesellschaft für Informationssicherheit (DGI) in Berlin den Lehrgang zum Chief Information Security Officer, sowie den Riskmanager absolviert und in Frankfurt zusätzlich den Kurs zum Internal Audit Expert absolviert. Wenn man es können möchte, fleißig und zielstrebig ist, ist das durchaus möglich. Das Interesse am Thema ist eine wichtige Voraussetzung. Auch wenn es sich immer noch um eine Männerdomäne handelt, sollten Frauen sich nicht scheuen, diesen Berufsweg zu wählen. Einer erfolgreichen Karriere in diesem Berufsfeld steht nichts im Wege – man muss es nur machen.
Der Weg zu mehr Frauen in der IT
Frauen in der IT und IT-Security sind stark unterrepräsentiert. Wie könnte sich das ändern?
Mit dem Mut, sich auch neuen Dingen zuzuwenden. Aus Unternehmenssicht ist es wichtig, großen Wert auf die Ansprache und Unterstützung von jungen Menschen und Berufsanfängerinnen und -anfängern zu legen. Zum Beispiel sollte auf Berufs-Messen und in Schulen ein noch größerer Wert darauf gelegt werden, jungen Menschen und speziell jungen Frauen, schon früh mehr Informationen zu diesem spannenden Berufsfeld zu geben. Das kann dann das Interesse wecken und Frauen anregen, sich diesem Bereich zuzuwenden. Es geht letztendlich um das Interesse am Tätigkeitsfeld und das Fachwissen, welches man sich aneignen kann, wie in anderen Bereichen auch. Auch eine verstärkte Sichtbarkeit von Frauen, die bereits in der IT-Security tätig sind, kann dies unterstützen. Daher habe ich auch sehr gerne dieses Gespräch mit Ihnen geführt.
Sophia Peterseim Expertin Interne Revision bei Cancom
Bildquelle: Cancom
Stand: 16.12.2025
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