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Zukunft der KI Innovative Technologie: „Unternehmen müssen sich Zeit für die Zukunft nehmen!“

Das Gespräch führten Heiner Sieger und Sven Göth 5 min Lesedauer

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Ist KI die innovative Technologie, die Unternehmen noch fehlt? Business Futurist und KI-Experte Sven Göth über die Bedeutung der intensiven Auseinandersetzung mit diesem Thema.

(Bild:  rawpixel.com/Freepik)
(Bild: rawpixel.com/Freepik)

Was macht ein Business Futurist?

Sven Göth: Mein Kernpotenzial liegt darin Wachstumspotenziale und Veränderungsfaktoren für Unternehmen und deren Märkte zu definieren und zu gestalten. Immer basierend auf den Themen, die die Unternehmen jeweils belegen. Damit einher gehen Fragen wie: Was hat großes disruptives Potenzial und beeinflusst deren Geschäft in der Zukunft? Das können auch übergreifende Stakeholder-Themen sein. Daraus lässt sich am Ende nachvollziehen, wie wesentlich bestimmte Themen in der Zukunft für die eigenen Entwicklungen werden. Zum Beispiel KI – muss ich das jetzt sofort einsetzen oder kann ich noch warten?

Zeit für innovative Technologie muss da sein

Was sind basierend auf Ihrer Erfahrung drei wesentlichen Empfehlungen an Unternehmen Richtung Zukunft?

Göth: Erstens: Unternehmen müssen sich Zeit für die Zukunft nehmen und ihr Aufmerksamkeit schenken, abseits vom Tagesgeschäft. Je kleiner Unternehmen sind, desto wichtiger ist das, da dort die Personen oft noch tiefer im Unternehmen mitarbeiten. Zweitens: Es braucht die Offenheit, über die Relevanz des eigenen Geschäftsmodells für die Zukunft nachzudenken. Drittens ist Mut erforderlich, sich mit diesen Themen auch wirklich auseinanderzusetzen.

Wie wurden Sie zum KI-Experten?

Göth: Ich habe schon immer einen sehr hohen technologischen Fokus gehabt, mit Programmieren und Ausprobieren auch in Zusammenarbeit mit großen Techhäusern wie Google Microsoft oder SAP. KI interessiert mich in dem Zusammenhang schon viele Jahre. Es ergaben sich dann immer mehr Projekte im Umfeld der KI-Entwicklung von Machine Learning über Predictive Analytics bis jetzt zu Generative KI. Ich wollte das Thema immer besser verstehen. inzwischen bin ich ein sehr guter KI-Generalist, der aber auch einzelne Aspekte und Potenziale sehr gut versteht. Meine Perspektive ist eher strategisch und ist in Richtung Geschäftsmodell-Entwicklung gerichtet. Meine Kernfrage ist immer: Wie kann KI nützlich sein und für Veränderungen eingesetzt werden?

Welche KI-Business-Anwendungen überzeugen Sie aktuell besonders und sollen von Unternehmen in den Fokus genommen werden?

Göth: es gibt hunderte von spannenden Anwendungen, die allerdings jeweils einen relevanten Kontext benötigen. Ich würde daher Unternehmen empfehlen, sich mit der Generativen KI und der Analytischen KI auseinanderzusetzen. Generative KI hilft bei gestalterischen Themen und zur Inspiration. Die Analytische KI kann bestehende Daten auswerten, analysieren und bewerten. Hier können später Vorhersagen, Empfehlungen und Ergebnisse erzielt werden, die wir Menschen oftmals nicht anhand der Daten Menge und Komplexität nicht mehr verarbeiten können.

Ebenso schaue ich oft darauf, welche Themen wir mit externen Daten bereits angehen können, ohne im ersten Schritt auf die internen Unternehmensdaten zugreifen zu müssen. Viele Fragen lassen sich bereits mit guten Lösungen und externen Datenbanken beantworten. Zum Beispiel ob es sich lohnt in einen Messestand zu investieren oder wie vegane Produkte in der Bevölkerung ankommen.

Zukunft der KI

Wo geht die Reise hin mit KI?

Göth: Vier Faktoren sind da in Zukunft entscheidend: Daten, Energie, Chips und Algorithmen. In Deutschland und Europa sollte der Faktor auf B2B legen, da wir unfassbar viele Daten in der Industrie haben. Wenn dort die richtige Algorithmik eingesetzt wird, haben wir enorme Wettbewerbsvorteile. Die Schwarz-Gruppe macht das im E-Commerce bereits beispielhaft vor. Die große Chance liegt darin, eigene Geschäfts-Modelle für andere Industriepartner anzubieten. Da sehe ich das größte Potential mithalten zu können. Im B2C-Bereich ist die Infrastruktur schon festgezurrt durch die großen Technologie-Konzerne. Wo KI in den nächsten fünf bis sieben Jahren konkret hingeht, lässt sich seriös nicht sagen. Da verändert sich auch die Regulatorik wie etwa aktuell durch den AI EU ACT. Gesellschaftlich ist es aber eine riesengroße Herausforderung. Ich sage sehr oft, KI ist nicht Dein Freund. Unvoreingenommene Nähe der KI gegenüber ist kritisch zu sehe. Denn die Unternehmen, die gerade dahinter stehen, haben eigene wirtschaftliche Interessen. Daher ist das Thema Education bei jungen wie alten Zielgruppen wichtig.

Stichwort Schatten-KI: Welche Gefahren bringt innovative Technologie wie KI mit sich und wie können Unternehmen diesen begegnen?

Göth: Totale Transparenz ist durchaus gefährlich. Eine Dystopie mit KI aufzuzeigen, ist leicht möglich. Je mehr Unternehmen und Menschen sich mit der Technologie befassen, desto geringer wird die Chance für einzelne Stakeholder, zu viel Macht zu gewinnen. Man muss sich mit gewissen Risiken richtig gut auseinandersetzen, denn durch KI steigen die Möglichkeiten für Externe, Zugriff auf das Unternehmen zu bekommen. Cybersecurity und KI sind sehr nahe beieinander.

Ist für Unternehmen, die KI noch nicht nutzen, der Zug schon abgefahren?

Göth: Nein, definitiv nicht. Aber man muss ich dringend damit auseinandersetzen, da es eine ganzheit­liche Technologie ist, die alles von internen Prozessen bis zur Kundenentwicklung beeinflusst. Man muss wissen, wo man als Unternehmen in Bezug auf Daten steht, um sich von dort aus schrittweise nach vorne bewegen zu könne. Dann kann man auch im Rahmen der KI-Ralley noch eine gute Rolle spielen.

Innovative Technologie etablieren: So gelingt der Einstieg

Wie können kleine und mittelständische Unternehmen den Einstieg in eine innovative Technologie wie KI finden und von ersten Anwendungen profitieren?

Göth: Man schafft das Thema nicht alleine. Daraus ergibt sich die Frage: Wen benötige ich in meinem Umfeld - von einer Start-up-Factory über eine Hochschule bis zu einem externen Berater. Mit wem in meiner Region kann ich in eine Kommunikation oder Interaktion gehen? Wichtig ist es, Zugang zu Ideen zu bekommen. Und die Mitarbeiter muss man mitnehmen, indem man die Akzeptanz der Technologie fördert. Hier gilt es Klarheit zu schaffen was passiert: Dass KI der Unternehmensentwicklung dient, die Organisation nach vorne zu bringen und nicht der Kontrolle der Mitarbeiter.

Brauchen wir eine europäische KI-Guideline?

Göth: Ja, wir brauchen eine europäische Antwort auf die Frage, wie wir die Technologie sehen und wie wir Sie einsetzen und entwickeln wollen. Die konkrete Auseinandersetzung mit dem Thema ist das Gebot der Stunde - sowohl aus gesellschaftlicher als auch aus unternehmerischer Sicht. Der Einfluss ausländischer Technologien aus Arabien, Asien oder USA ist unfassbar groß. Steuern und Regulierung sind da zwei wesentliche Aspekte, aber auch die Ethik. Da brauchen wir eine europäische Antwort, was schwer ist, da es an der Homogenität fehlt. Aber es ist durchaus möglich, KI aus Europa zum Exportgut der Zukunft zu machen. Die zentrale Frage für mich ist: Wie positionieren wir uns im Weltgeschehen? Diese Frage muss in den nächsten drei bis fünf Jahren beantwortet werden. Politisch sehe ich nicht, dass wir uns da schon auf den Weg gemacht haben. Da sind wir eher noch das Fähnlein im Wind. Wichtig ist es, hier eine klare Positionierung gegenüber den genannten Wirtschaftsräumen zu entwickeln.

Innovative TechnologieSven Göth
ist Business Futurist und KI-Experte.

Bildquelle: Sven Göth

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