KI-Agenten sind auf dem Vormarsch, aber es gibt kein blindes Vertrauen seitens der Anwender. Wie eine neue Umfrage des eco e.V. zeigt, nutzen oder testen bereits 54 Prozent der Unternehmen KI-Agenten, doch nur fünf Prozent würden ihnen vollständig autonome Entscheidungen erlauben.
Warnungen vor Kontrollverlust und Forderungen nach stärkeren Sicherheitsmechanismen prägen derzeit die Debatte über leistungsfähige KI-Systeme. Im Mittelpunkt steht dabei zunehmend die Frage, wie sich die Chancen immer leistungsfähigerer KI-Agenten nutzen lassen, ohne Kontrolle und Verantwortung aus der Hand zu geben. Eine aktuelle Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey bei 500 Unternehmen im Auftrag von eco – Verband der Internetwirtschaft e. V. zeigt: Unternehmen begegnen dieser Herausforderung beim praktischen Einsatz bereits mit klaren Grenzen und Sicherheitsmechanismen. Mehr als jedes zweite Unternehmen setzt autonome KI-Agenten bereits ein oder erprobt sie.
40 Prozent der Unternehmen wollen Agenten nur für unterstützende Zuarbeit einsetzen.
(Bild: eco - Verband der Internetwirtschaft e.V.)
Gleichzeitig begrenzen Unternehmen deren Handlungsspielraum deutlich: So würden 74 Prozent KI-Agenten höchstens unterstützende Zuarbeit oder eigenständiges Arbeiten unter menschlicher Kontrolle erlauben. Vollständig autonome Entscheidungen kämen lediglich für fünf Prozent infrage. Oliver Süme, Vorstandsvorsitzender von eco – Verband der Internetwirtschaft e.V. ist überzeugt: „Die aktuell weitverbreiteten Dystopien rund um KI-Agenten gehen an der Realität deutscher Unternehmen vorbei. Unternehmen in Deutschland wollen KI nutzen, aber sie lassen sie nicht blind entscheiden. So sieht verantwortungsvoller Umgang mit der Technologie der Zukunft aus.“
Einsatz von KI-Agenten bei mehr als die Hälfte der Unternehmen
Der Einsatz von KI-Agenten ist in vielen Unternehmen bereits Realität. 25 Prozent der befragten Unternehmen setzen sie in einzelnen Abteilungen ein, weitere elf Prozent bereits flächendeckend. 18 Prozent befinden sich in einer Testphase oder führen Pilotprojekte durch. Damit setzen insgesamt 54 Prozent der befragten Unternehmen Agentic AI bereits ein oder erproben sie. Weitere sieben Prozent planen den Einsatz konkret. Bei 33 Prozent ist derzeit kein Einsatz geplant.
13 Prozent der Unternehmen sind bereits Opfer KI-generierte Angriffe geworden.
(Bild: eco – Verband der Internetwirtschaft e.V.)
Gleichzeitig unterscheiden die Unternehmen deutlich zwischen dem Einsatz von KI und der Abgabe von Entscheidungshoheit. 40 Prozent würden KI-Agenten maximal für unterstützende Zuarbeit einsetzen. Weitere 34 Prozent können sich eigenständiges Arbeiten vorstellen, solange eine menschliche Kontrolle bestehen bleibt. Autonome Entscheidungen in einzelnen Teilprozessen würden 13 Prozent zulassen. Nur fünf Prozent wären bereit, Agenten vollständig autonom entscheiden zu lassen.
Oliver Süme ist Vorstandsvorsitzender von eco – Verband der Internetwirtschaft e.V.
(Bild: eco – Verband der Internetwirtschaft e.V.)
„Die Zahlen zeigen: Unternehmen in Deutschland wollen die Potenziale von KI-Agenten nutzen und gehen dabei zugleich verantwortungsvoll vor. Sie sammeln praktische Erfahrungen, schaffen verlässliche Kontrollmechanismen und machen KI so Schritt für Schritt zu einem festen Bestandteil ihrer Geschäftsprozesse. Genau dieser praxisnahe Umgang bringt Innovation und Vertrauen zusammen“, kommentirt Oliver Süme.
Unternehmen bauen Sicherheitsmechanismen ein
47 Prozent der Unternehmen wollen als Sicherheitsvorkehrung die automatisierte Not-Abschaltung verwenden.
(Bild: eco – Verband der Internetwirtschaft e.V.)
Auch bei den Sicherheitsvorkehrungen setzen die befragten Unternehmen auf konkrete Kontrollmöglichkeiten. 47 Prozent würden für den Einsatz von Agenten eine automatisierte Notabschaltung vorsehen. 45 Prozent nennen eine strikte Vergabe von Rechten und Rollen. Regelmäßige Sicherheitsaudits kommen für 37 Prozent infrage, ein kontinuierliches Monitoring der KI-Ausgaben für 32 Prozent und transparente Handlungsprotokolle für 31 Prozent. Mehrfachantworten waren möglich.
Die Ergebnisse zeigen aus Sicht des eco e.V., dass Unternehmen Risiken von KI-Agenten nicht ignorieren, sondern Sicherheitsmechanismen von Beginn an mitdenken. Dabei geht es nicht darum, die Leistungsfähigkeit der Technologie künstlich zu begrenzen, sondern ihren Einsatz kontrollierbar zu gestalten.
KI-Agenten: Verantwortungsvoller Einsatz statt pauschaler Verlangsamung
Aus Sicht von eco sollten die Ergebnisse auch in die aktuelle Debatte über Geschwindigkeit und Grenzen der KI-Entwicklung einfließen. Vorsicht beim konkreten Einsatz ist nicht mit grundsätzlicher Technologieskepsis gleichzusetzen. Unternehmen führen neue Systeme schrittweise ein, testen Anwendungen und begrenzen deren Handlungsspielräume dort, wo sie Verantwortung nicht vollständig an Maschinen übertragen wollen.
Stand: 16.12.2025
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Sichere KI entsteht vor allem durch verantwortungsvolle Anwendung, klare Kontrollmechanismen und praktische Erfahrung. Je mehr Unternehmen KI sinnvoll einsetzen und aus der Anwendung lernen, desto besser können wir Chancen nutzen und Risiken beherrschbar machen. Diese Lernkurve sollten wir beschleunigen.
Oliver Süme, eco e.V.
Zur Methodik der Umfrage: Das Meinungsforschungsinstitut Civey hat im Auftrag von eco vom 18.09. bis 3.10.2026 online 500 Unternehmen befragt. Die Ergebnisse sind aufgrund von Quotierungen und Gewichtungen repräsentativ unter Berücksichtigung des statistischen Fehlers. Dieser liegt bei den hier dargestellten Gesamtergebnissen je nach Frage zwischen 9,1 und 9,4 Prozentpunkten. Mit rund 1.000 Mitgliedsunternehmen ist der eco – Verband der Internetwirtschaft e.V. der führende Verband der Internetwirtschaft in Europa. Seit 1995 gestaltet eco das Internet, fördert neue Technologien, schafft Rahmenbedingungen und vertritt die Interessen seiner Mitglieder gegenüber der Politik und in internationalen Gremien.