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KI-Strategie

KI made in Bayern – zwischen Bäckerei und Big-Tech-Konzern

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Beispiele für die erfolgreiche KI-Einführung

Können Sie Erfolgsbeispiele nennen, die anderen Unternehmen Mut und Schub geben?

Dr. Fabian Mehring: Damit könnte ich inzwischen erfreulicherweise viele Seiten füllen. Im Rahmen der ersten Programmrunde von KI-Transfer Plus 2024 wurden in Bayern nämlich bereits zahlreiche innovative KI-Anwendungsfälle in kleinen und mittleren Unternehmen erfolgreich umgesetzt. Ich nenne exemplarisch drei Beispiele, um die gewaltige Breite der Anwendungsfälle zu zeigen: Der Buchhändler Hugendubel entwickelte einen KI-gestützten Buchberater, der rund um die Uhr personalisierte Buchempfehlungen geben kann. Diese Anwendung verbessert das Kundenerlebnis durch individuelle Empfehlungen basierend auf Nutzerpräferenzen. 

Truma, ein Hersteller von Heiz- und Klimasystemen für Freizeitfahrzeuge, setzt einen KI-gestützten Assistenten ein, der mithilfe interner, vielfältiger Wissensquellen Antwortentwürfe für Kundenanfragen generiert. Service-Anrufe werden bei Zustimmung automatisch transkribiert und zusammengefasst, was die Bearbeitung gängiger Anfragen erheblich beschleunigt. So profitieren das Unternehmen und seine Kunden gleichermaßen. Die Schwarzer Reise- und Verkehrsbüro GmbH optimierte mit künstlicher Intelligenz die Bündelung seiner Fahrten, was zu höherer Effizienz und gesteigerter Kundenzufriedenheit geführt hat.

Welche konkreten Ziele verfolgen Sie mit dem Projekt "KI-Transfer Plus" und wie messen Sie dessen Erfolg?

Das Programm wird derzeit derart überrannt, dass sich der Erfolg des Programmes von selbst erklärt. Wir scheinen damit einen echten Nerv im Herzen des bayerischen Mittelstands getroffen zu haben. Deshalb will ich bei den Haushaltsberatungen auch versuchen, noch mehr Mittel vom Finanzminister zu bekommen, um noch mehr Unternehmen bei der digitalen Zeitenwende begleiten zu können. Leider sind wir durch Haushaltsmittel limitiert – die Nachfrage ist derzeit um ein Vielfaches höher als wir befriedigen können. 

Das Potenzial des Programms ist quasi nach oben offen, denn die KI-Revolution, die da draußen tobt, ist gigantisch, und Deutschland muss insgesamt ordentlich Gas geben, statt weiter von der Seitenlinie aus zu beobachten, wie Player aus Asien und USA den Wohlstand der Zukunft untereinander verteilen. Wir wollen in Bayern raus aus dem deutschen Digital-Dornröschenschlaf, statt dabei zuzusehen, wie unser Wohlstand zerrieben wird, während künstliche Intelligenz und Co. die globale Wirtschaftskraft neu verteilt.  

Wie viel zu spät sind wir denn dran und können wir noch aufholen?

Das hängt davon ob und wann wir verstehen, dass wir ein Alleinstellungsmerkmal auf den neuen Märkten der Digitalwirtschaft benötigen. Unsere Leitfrage muss lauten: Was kann Deutschlands Beitrag zur digitalen Zeitenwende sein? Es ist verlorene Liebesmüh, wenn wir versuchen, OpenAI oder ChatGPT nachzubauen. Stattdessen können wir aber Weltmarktführer in anderen Bereichen werden, die wir besser können als andere Länder. Wenn andere die großen Sprachmodelle gebaut haben, können wir vielleicht bei spezialisierten Industriedaten-Modellen die Nase vorne haben. 

Zusätzlich sollten wir uns überlegen, ob zum Beispiel GovTech – also die Digitalisierung der Verwaltung – nicht eine gute Chance sein kann, mit der wir die Weltmärkte erobern können. Schließlich gilt die preußische Staatsorganisationskunst weltweit als legendär und auf diesen Milliardenmärkten hat noch niemand echte Duftmarken gesetzt. Von der Innovationskraft solcher, neuer Lösungen auf unbeackerten Sektoren wird es abhängen, ob wir noch ins Rennen kommen. Wenn wir stattdessen weiter in der Zuschauerrolle an der Seitenlinie verbleinen, drohen uns gewaltige Wohlstandsverluste und gravierende geopolitische Abhängigkeiten. Wir dürfen den Weckruf des KI-Zeitalters also nicht länger überhören.

Wie kann der Mittelstand selbst das Thema vorantreiben?

Wir sind ein Land mit wenigen natürlichen Ressourcen, hohen Arbeitslöhnen und Energiepreisen und einer schwindelerregenden Demographie. In den nächsten zehn Jahren werden sich hierzulande 15 Millionen Babyboomer in den Ruhestand verabschieden. Dieser toxische Mix an strukturellen Herausforderungen gefährdet die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Mittelstands im Freistaat. Unsere Antwort darauf kann nur sein: Wir müssen spitze bei Innovation sein und stets an der Spitze des Fortschritts stehen. 

Ein konkretes Beispiel dafür sind die schon erwähnten Industriedaten-Modelle – etwa bei der IFTA GmbH. IFTA setzt KI zur vorausschauenden Instandhaltung von Gasturbinen ein. Dazu überwacht die von IFTA entwickelte KI Verbrennungsschwingungen in den Gasturbinen. Die KI kann Defekte nicht nur häufiger, sondern vor allem bereits in der Entstehung entdecken. Dies ermöglicht ein frühzeitiges Handeln, um eine Notabschaltung sowie die damit verbundenen hohen Kosten zu vermeiden. Damit hat das Unternehmen – Zukunftstechnologien sei Dank – trotz der vorbeschriebenen Standortnachteile im globalen Wettbewerb wieder die Nase vorne.

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