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KI-Strategie

KI made in Bayern – zwischen Bäckerei und Big-Tech-Konzern

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Positionierung von Bayern als "Talent Valley"

Wie planen Sie, den Fachkräftemangel im Digitalbereich anzugehen und Bayern als "Talent Valley" zu positionieren?

Dr. Fabian Mehring: Dazu haben wir die Digitalinitiative NextGen4Bavaria gestartet. Das ist ein Netzwerk von aktuell rund 200 jungen Unternehmensnachfolgern, über das wir Digitalexpertise unter anderem zu disruptiven Technologiesprüngen in die bayerische Wirtschaft bringen – und zwar genau dann, wenn ohnehin schon ein Umbruch durch die Nachfolge stattfindet. Auch hierfür ein ganz konkretes Beispiel: Matthias Bechtold von der Günter Bechtold GmbH hat durch Impulse aus dem Netzwerk und der Initiative KI-Transfer Plus eine umfassende KI-Strategie für sein Unternehmen entwickelt und direkt mit der Umsetzung begonnen. Dazu zählen die Einführung von KI-Managern in den Abteilungen, ein unternehmensinterner KI-Stammtisch sowie ein Prompt-Protokoll zur effektiven Nutzung von KI-Tools. Ein besonders erfolgreicher Anwendungsfall ist der KI-gestützte Versand personalisierter E-Mails im Vertrieb, der täglich rund 200 automatisierte Kontakte ermöglicht. So wurde die Unternehmensübergabe mit unserer Unterstützung zu einem echten KI-Turbo für Herrn Bechtolds Firma.

Neben NextGen4Bavaria setzen wir auf unser BayFiD-Programm für die weiblichen Talente auf dem Tech-Sektor. Bislang gibt es nämlich erst 20 Prozent weibliche Führungskräfte in der IT. Mit unserer Initiative bringen wir Bayerns Women in Tech Frauen zusammen und in Kontakt mit hochkarätigen Top-Entscheiderinnen. Zuletzt konnte ich zum Beispiel Agnes Heftberger, die Chefin von Microsoft, als neue Patin hierfür gewinnen. Schließlich müssen wir auch Schule neu denken. Das beginnt mit unserer Goldie-App für die Kleinsten und reicht bis zu kostenlosen Programmierkursen im Rahmen von BayCode unter der Schirmherrschaft von Torwartlegende Manuel Neuer. Hiermit versuchen wir, Begeisterung für die MINT-Fächer bei Bayerns Kids zu schüren. Denn: Wer das Silicon Valley der Zukunft werden will, muss erst einmal das Talent Valley der Gegenwart sein!

Wie wollen Sie Bayern als Premiumstandort für Zukunftstechnologien im Herzen Europas etablieren?

Das gelingt uns einerseits mit ganz konkreten politischen Maßnahmen: Mit unserer Hightech-Agenda, dem neuen Super-Risikokapitalfonds für die Start-ups im Freistaat, einem KI-Strompreis, einem Regulierungsmoratorium und vielem mehr. Am wichtigsten ist aber eine fundamentale Veränderung im Mindset von Wirtschaft, Staat und Gesellschaft: Wir brauchen wieder mehr Mutbürger und weniger Wutbürger. Weniger Bürokratielust und Regulierungsfrust – und wieder mehr Machermentalität. Nicht so viel German Angst und mehr bayerischen Mut. Dann kann uns ein zweites (KI-)Wirtschaftswunder gelingen.

Welche Herausforderungen sehen Sie bei der Umsetzung Ihrer digitalen Agenda für Bayern und darüber hinaus?

Am meisten Sorge bereitet mir aktuell die Überregulierung aus Brüssel in Gestalt der neuen KI-Verordnung. Um im Wettbewerb mit Asien und den USA bestehen zu können, brauchen wir dringend ein Regulierungsmoratorium. Geht es nach mir, sollte es vorerst kein einziges neues Gesetz mehr für den digitalen Raum geben, bevor nicht alle bestehenden Gesetze EU-weit miteinander homogenisiert worden sind. Europa verzwergt sich selbst, wenn etwa bei der Datenschutzgrundverordnung in jedem Mitgliedsstaat andere Regeln gelten – und in Deutschland bereits in jedem Bundesland eigene Interpretationen angelegt werden.

Zeitgleich brauchen wir dringend digitale Souveränität auf europäischem Niveau. Europa braucht eigene Champions des KI-Zeitalters und darf sich nicht erpressbar durch Hyperscaler aus Übersee machen. Wohin das führt, erleben wir angesichts unserer über Jahrzehnte gewachsenen Abhängigkeit von billiger Energie aus Russland leider gerade in der Ukraine. Diesen Fehler sollten wir auf den digitalen Zukunftsmärkten nicht wiederholen, sondern auf eigenen europäischen Beinen stehen lernen, wenn es um unsere kritische IT-Infrastruktur geht.

Wie sieht Ihre Vision für ein digitales Bayern im Jahr 2030 aus?

Mein Zielbild steht auf drei Säulen: Einerseits soll Bayern 2030 zu einem modernen Digitalstaat mit einer effektiven, innovativen und bürokratiearmen Verwaltung gereift sein. Andererseits arbeite ich dafür, unseren Freistaat zu einem Top-Standort für Zukunftstechnologien im Herzen von Europa zu entwickeln. Und als Drittes müssen wir uns auf die Hinterbeine stellen, was die öffentliche Meinungsbildung über die sozialen Medien angeht und im digitalen Raum die Spielregeln von Demokratie etablieren. Das zu schaffen, ist von existentieller Bedeutung für die Wehrfähigkeit unseres Staates und die Zukunftsfähigkeit unseres politischen Systems.

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