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Kommentar Künstliche Intelligenz verantwortungsvoll gestalten: Werte und Chancen vereinen

Ein Gastkommentar von Ismet Koyun 2 min Lesedauer

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Weihnachten ist eine gute Gelegenheit, um Dinge zu reflektieren und auf den Prüfstand zu stellen, etwa künstliche Intelligenz. Sie bietet vielen Chancen, braucht aber Verantwortung – mit klaren Identitäten, Governance und technischer Kontrolle.

(Bild:  © VictoriaEmerson/stock.adobe.com)
(Bild: © VictoriaEmerson/stock.adobe.com)

Wenn sich das Jahr dem Ende zuneigt und in der Adventszeit ab und zu ein Moment der Ruhe im Alltag einkehrt, ist das eine gute Gelegenheit, innezuhalten, Dinge zu reflektieren und auf den Prüfstand zu stellen. Das Jahr Revue passieren zu lassen. Mir ist es wichtig, regelmäßig einen Schritt zurückzutreten und aus der Distanz zu prüfen, ob das, was ich tue, noch mit meinen Zielen, Werten und Überzeugungen übereinstimmt. Allzu leicht weichen wir vom Kurs ab, wenn wir tagtäglich in operative Abläufe eingebunden sind.

Wir tragen die Verantwortung dafür, wohin die Reise mit KI geht – blind vertrauen dürfen wir ihr dabei nicht.

Ismet Koyun, CEO und Gründer der Kobil Gruppe

Mein Jahr 2025 war, wie wahrscheinlich auch das Ihre, stark geprägt von künstlicher Intelligenz. Wie kann KI echte Wertschöpfung für Unternehmen schaffen? Wie lassen sich KI-Anwendungen technologisch und organisatorisch einbinden? Wie fördern wir die Akzeptanz bei Mitarbeitern, ohne Ängste zu schüren? Diese Fragen beschäftigen viele Führungskräfte im Rahmen der digitalen Transformation.

Die Advents- und Weihnachtszeit ist zudem emotional aufgeladen: Familie, Nächstenliebe, Zusammenhalt. Dann richtet sich der Fokus stärker auf Menschen als auf Zahlen. Umso schmerzlicher sind Berichte über Fälle, in denen KI die Schattenseite ihres Potenzials zeigt – etwa der tragische Fall einer 13-Jährigen aus Colorado, die sich nach monatelanger Interaktion mit Chatbots das Leben nahm. In solch sensiblen Kontexten kann KI schädliche Überzeugungen verstärken, statt Nutzer zu unterstützen.

Ich bin kein Gegner von KI. Im Gegenteil: Ich sehe die enormen Chancen, die digitale Assistenten, Analysealgorithmen oder automatisierte Entscheidungsunterstützung bieten. Doch die Geschwindigkeit, mit der Modelle weiterentwickelt werden, übertrifft oft unsere moralische Reflexion und organisatorische Vorbereitung. Verantwortung darf nicht allein auf Technik oder Regulierung abgewälzt werden.

Verantwortungsvolle KI baut auf drei Grundpfeilern auf:

  • 1. Eindeutige digitale Identitäten: Jede KI, jedes System, jeder Akteur muss identifizierbar sein. Nur so lassen sich Aktionen und Entscheidungen nachvollziehen.
  • 2. Klare Regeln und Governance: Handlungen und Entscheidungen müssen überprüfbar bleiben. Organisationen benötigen Richtlinien, Schulungen und klare Eskalationspfade, um Risiken früh zu erkennen.
  • 3. Technische Kontrolle: Durchgängige Verschlüsselung, revisionssichere Protokollierung und Monitoring sind notwendig, um KI-Systeme seriös zu betreiben.

Diese Maßnahmen sind kein ethischer Luxus, sondern eine Voraussetzung für vertrauenswürdige KI. Unternehmen, die künstliche Intelligenz implementieren, müssen sie von Beginn an in bestehende IT- und Sicherheitsarchitekturen einbetten und Prozesse für menschliche Kontrolle und Verantwortlichkeit definieren. Nur so können KI-Systeme die beabsichtigten Vorteile liefern und gleichzeitig Risiken minimieren.

Der europäische Gesetzgeber erkennt dies zunehmend an, etwa mit der geplanten KI-Verordnung. Doch auch hier gilt: Regulierung alleine reicht nicht. Verantwortung muss in Technologie und Organisation verankert sein. KI kann Orientierung, Effizienz und Innovation fördern – oder, ohne klare Rahmenbedingungen, Schaden anrichten.

Die Adventszeit erinnert uns daran, innezuhalten, ethische Fragen zu stellen und unsere Handlungen zu reflektieren. Dieses Prinzip gilt gerade für KI: Wir tragen die Verantwortung dafür, wohin die Reise mit KI geht – blind vertrauen dürfen wir ihr dabei nicht.

Künstliche Intelligenz – KI – WeihnachtenIsmet Koyun
ist CEO und Gründer der Kobil Gruppe.

Bildquelle: Kobil

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