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Sam Altmans „World“ World-ID: Überwachung durch Innovation? Nein, danke!

Ein Gastkommentar von Ismet Koyun 4 min Lesedauer

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Sam Altmanns „World“ bietet eine World-ID via Iris-Scan – ein Zugang für alles. Das ist beeindruckend, birgt aber ethische und sicherheitskritische Risiken. Doch wie kann eine vertrauenswürdige ID aussehen?

(Bild:  © Wittawit/stock.adobe.com)
(Bild: © Wittawit/stock.adobe.com)

Die Idee von Sam Altmann, CEO von OpenAI, dem Unternehmen hinter dem Chatbot ChatGPT, klingt erst einmal beeindruckend: Mit „World“ erhalten Menschen über einen Iris-Scan eine World-ID und damit einen Zugang für alles. Das ist sicherlich ein technologisches Meisterwerk, aber ethisch und in puncto Sicherheit gefährlich.

‚World‘ ist kein ID-Projekt, sondern ein Kontrollsystem, das Menschen in eine neue digitale Abhängigkeit treibt.

Ismet Koyun, CEO und Gründer der Kobil Gruppe

Bedeutung einer globalen digitalen Identitätsinfrastruktur

Eine globale Infrastruktur zur Identitätsverifikation zu schaffen, ist technologisch beeindruckend. Aber dies wirft ethische und sicherheitstechnische Fragen auf. Denn eine World-ID, wie sie sich Altmann vorstellt, greift massiv in Datenschutz und Persönlichkeitsrechte ein. Eine einzelne Organisation hätte potenziell das digitale Leben von Milliarden von Menschen unter Kontrolle. 

Technische Innovation versus Überwachungssystem

Die Iris jedes Menschen ist einzigartig, sodass sich jeder über Biometrie eindeutig identifizieren lässt. Dies schafft Sicherheit, Verbindlichkeit und die Gewissheit, dass wir es nicht mit Bots zu tun haben. Zugleich entstehen Herausforderungen. Passwörter oder Ausweise lassen sich verändern, ein menschliches Auge nicht. Ein Missbrauch hätte schwerwiegende Folgen für die Betroffenen und ihre Daten. 

World ist kein ID-Projekt, sondern ein Kontrollsystem, das Menschen in eine neue digitale Abhängigkeit treibt. Nicht umsonst wurde World in Brasilien und Hongkong noch vor dem Launch gestoppt. In Deutschland ist die bayerische Finanzaufsicht nach eingehender Untersuchung zu dem Schluss gekommen, dass World gegen die DSGVO verstößt. 

Dennoch ist die grundlegende Idee sinnvoll: Wir brauchen eine ganzheitliche Lösung für das Identitätsmanagement.

IDs müssen dezentral und demokratisch sein

Digitale Identitäten müssen geschützt werden und den Menschen gehören – nicht einer Plattform. Sie sollten so gestaltet sein, dass der Einzelne sie selbstbestimmt, transparent und dezentral verwalten kann. Eine digitale Identität darf niemals zur Eintrittskarte in eine neue Datenökonomie werden, in der biometrische Informationen als Preis für digitale Teilhabe gehandelt werden. Vertrauenswürdige Identitätsinfrastrukturen müssen reguliert, nachvollziehbar und demokratisch kontrolliert sein.

Vertrauensvolle IDs durch smarte Sicherheitstechnologien

Das Dilemma zwischen Persönlichkeitsschutz und nahtlosem Nutzererlebnis lösen wir nicht durch noch mehr Daten – sondern durch kluge Sicherheitstechnologien. Zero-Trust-Architekturen schützen digitale Identitäten durch starke Authentifizierung, Device-Bindung, sichere Kommunikationskanäle und echte Identitätsprüfung. Dabei braucht es nachvollziehbare, datensparsame und datenschutzkonforme Lösungen. Und vor allem: Die digitale Identität bleibt beim Nutzer – nicht in einem globalen Konzern, der wirtschaftliche Interessen mit gesellschaftlicher Infrastruktur vermischt.

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