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Risikomanagement KRITIS-Dachgesetz: Informationszwillinge fördern Resilienz

Ein Gastbeitrag von Hans Karl Preuß 3 min Lesedauer

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Aktuell verschärft das KRITIS-Dachgesetz die Anforderungen an Betreiber kritischer Infrastrukturen. Digitale Informationszwillinge bilden dabei die Basis für eine kontinuierliche Risikoanalyse und stärken die Resilienz komplex vernetzter Systeme nachhaltig. 

(Bild:  © leowolfert/stock.adobe.com)
(Bild: © leowolfert/stock.adobe.com)

Darum geht’s:

Digitale Informationszwillinge verknüpfen technische Anlagen, Dokumente auf Basis des Kennzeichensystems und der kennzeichenführenden Dokumentation (R&Is, SILs, CAE-Systeme). Abhängigkeiten werden in einem fortlaufend aktualisierten Modell dargestellt und schaffen so eine belastbare Grundlage für operative und strategische Entscheidungen.

Komplexe Wechselwirkungen zwischen Sektoren werden transparent, wodurch sich Kaskadeneffekte frühzeitig erkennen, und Schutz- sowie Notfallmaßnahmen gezielt priorisieren lassen. 

Durch eine strukturierte und nachvollziehbare Datenhaltung verbessern die Informationszwillinge Auditfähigkeit, Haftungssicherheit und die Qualität von Entscheidungen im Krisenfall.

Im Umgang mit kritischen Infrastrukturen markiert das KRITIS-Dachgesetz einen Paradigmenwechsel: Weg von punktuellen, formalisierten Risikoanalysen hin zu einem dauerhaft wirksamen Resilienz-Management. In diesem Kontext gewinnen digitale Informationszwillinge eine zentrale Bedeutung, weil sie genau jene Dynamik und Tiefe bereitstellen, die das Gesetz implizit einfordert. Sie machen komplexe Infrastrukturen nicht nur sichtbar, sondern dauerhaft steuerbar.

Digitale Informationszwillinge unterscheiden sich grundlegend von klassischen Dokumentations- oder Analysewerkzeugen: Statt Informationen aus Plänen, Tabellen oder Berichten, fragmentiert in File-Ablagen, ERP- oder ECM-Systemen abzulegen, bündeln sie technische Anlagen, räumliche Strukturen, Betriebsdaten und sicherheitsrelevante Dokumente technischer Anlagen in einem konsistenten, fortlaufend aktualisierten Modell. Dadurch entsteht ein lebendiges Abbild der Realität, das Veränderungen im Betrieb unmittelbar widerspiegelt. Für Betreiber kritischer Infrastrukturen entwickelt sich das Risikomanagement so zu einem kontinuierlichen Prozess, der nicht erst bei der nächsten formalen Überprüfung ansetzt.

KRITIS-Dachgesetz fordert Risiko- und Resilienzanalyse

Gerade im Hinblick auf die im KRITIS-Dachgesetz geforderte Risiko- und Resilienzanalyse entfalten digitale Informationszwillinge ihren Mehrwert. Risiken lassen sich nicht nur beschreiben, sondern in ihren Auswirkungen konkret durchspielen. Technische Abhängigkeiten, räumliche Nähe oder funktionale Wechselwirkungen werden im Modell nachvollziehbar und erlauben es, Störfälle realitätsnah zu simulieren. Auf dieser Basis entstehen gezielt priorisierte Schutzmaßnahmen und praxisnahe Notfallkonzepte, die nicht auf abstrakten Annahmen beruhen.

Als ein weiterer entscheidender Aspekt erweist sich die zunehmende Vernetzung kritischer Infrastrukturen über einzelne Sektoren hinweg. Energieversorgung, Wasserwirtschaft, Telekommunikation oder Verkehrssysteme stehen in engen Wechselbeziehungen, in denen Ausfälle schnell kaskadieren können. Digitale Informationszwillinge ermöglichen es, diese Abhängigkeiten transparent abzubilden und ihre Auswirkungen systematisch zu analysieren. Damit unterstützen sie ein zentrales Ziel des KRITIS-Dachgesetzes: die frühzeitige Erkennung und Begrenzung von Kettenreaktionen, die weit über einzelne Anlagen hinausreichen.

KRITIS-Gesetz: Sicherheitsmaßnahmen als Grundlage

Auch die Anforderungen an Nachvollziehbarkeit und Verantwortlichkeit lassen sich mit digitalen Informationszwillingen besser erfüllen. Entscheidungen im Krisenfall müssen auf einer belastbaren Datenbasis beruhen und im Nachhinein erklärbar sein. Indem technische Dokumentationen, Prüfberichte und sicherheitsrelevante Informationen strukturiert den jeweiligen Anlagen zugeordnet sind, entsteht eine konsolidierte Wissensgrundlage. Diese Transparenz zählt nicht nur für interne Entscheidungsprozesse, sondern auch für externe Prüfungen und mögliche haftungsrechtliche Bewertungen.

Gleichzeitig erfordert der Einsatz digitaler Informationszwillinge ein hohes Maß an Sensibilität. Da sie detaillierte Informationen über kritische Systeme und potenzielle Schwachstellen enthalten, gilt es Zugriff und Nutzung klar zu regeln. Es braucht rollenbasierte Berechtigungskonzepte und angemessene Sicherheitsmaßnahmen, um zu verhindern, dass sich der Informationszwilling selbst zum Risiko entwickelt. Richtig umgesetzt stärkt er die operative Sicherheit und fungiert als strategisches Instrument, das die Zielsetzung, die hinter dem KRITIS-Dachgesetz steht, praktisch unterstützt: die nachhaltige Erhöhung der Resilienz kritischer Infrastrukturen in einer zunehmend vernetzten und störanfälligen Welt.

KRITIS-DachgesetzHans Karl Preuß 
ist geschäftsführender Gesellschafter der Gabo IDM mit Sitz in Erlangen. Er leitet das Unternehmen seit über einem Jahrzehnt und ist Experte für die Digitalisierung kritischer Infrastrukturen. Er ist spezialisiert auf Wissensmanagement und die Erstellung von digitalen Informationszwillingen. Zudem vertritt er Gabo IDM seit 2014 im Branchenverband vgbe und ist Mitglied des Kongress-Komitees sowie Experte für Kennzeichnungssysteme.

Bildquelle: Gabo IDM

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