Im Rahmen seiner neuen Multi-Cloud-Strategie möchte sich der frühere Hosting-Anbieter plusserver als vierter Hyperscaler am deutschen Cloud-Markt etablieren. Mit deutscher Rechenzentrumsarchitektur und einem Cloud Native Offering hält der neue CEO Alexander Wallner das Portfolio der transformierten Cloud Company für unique und vielversprechend, wie er im exklusiven Interview sagt.
(Quelle: behindlens/Adobe Stock)
Multi-Cloud-Strategie: Der Kölner Provider Plusserver ist bisher der einzige deutsche Anbieter mit einem Gaia-X-kompatiblen Public-Cloud-Angebot, das vollständig auf dem Sovereign Cloud Stack (SCS) basiert. Neben der Open-Source-Cloud bietet das Kölner Unternehmen unter dem Namen Pluscloud auch Infrastrukturservices, die klassisch auf einer VMware-Plattform basieren. Der Provider betreibt die Infrastruktur für Pluscloud und Pluscloud open in vier Rechenzentren an den Standorten Düsseldorf, Hamburg und Köln. Gerade unterzieht sich das Unternehmen einer Transformation zum Technologieanbieter.
Multi-Cloud-Strategie: Die Herausforderungen an plusserver
Was waren für Sie beim Amtsantritt die größten Herausforderungen?
Alexander Wallner: Ich habe 20 Jahre US-Kultur im Blut, das ist ein großer Unterschied zu meinem jetzigen Arbeitgeber. Aber es war auch ein Entscheidungskriterium - ich wollte bewusst in eine deutsche Firma, hier gibt es in dem Bereich auch noch sehr viel zu tun. Wir sind dabei, plusserver vom Provider zum Technologieanbieter zu wandeln, da spielt auch die Kultur eine wichtige Rolle, wenn man sich von einer Hosting- zu einer Native Cloud Company wandelt.
Was bedeutet das im Geschäftsalltag?
Wallner: Das betrifft zum einen die Qualitätsprozesse. Man muss in ganz anderer Art und Weise Themen aufbereiten und mit wesentlich höherer Geschwindigkeit arbeiten, insbesondere bei den Innovationen. Daher haben wir als erstes unsere 350 Mitarbeiter auf eine agile Arbeitsweise umgestellt. Wir sind Schritt für Schritt Veränderungsprozesse angegangen und haben als Führungsteam den Grund dafür erklärt. Man muss ja auf einzelne Bereiche herunterbrechen, was die Themen für die Arbeit für unterschiedliche Hierarchien bedeuten. Dahinter steckt eine Methodik, die gut für eine Technologiefirma funktioniert.
Wo stehen Sie damit nach den ersten drei bis vier Monaten?
Wallner: Inzwischen sind wir schon sehr weit und am Markt als Native Cloud Company etabliert. Dank der Innovationskraft unseres Portfolios sind wir auch schnell in den Markt gekommen und zu einer ernstzunehmenden Cloud-Alternative geworden. Plusserver möchte sich im Rahmen einer Multi Cloud-Strategie als vierter Hyperscaler am deutschen Cloud-Markt etablieren. Mit deutscher Rechenzentrumsarchitektur und einem Cloud Native Offering ist das Portfolio der Cloud Company extrem unique und vielversprechend.
Der Markt der Cloud-Anbieter
Welche Marktberechtigung sehen Sie in diesem Feld für plusserver? Neben AWS, Google und Microsoft tummeln sich ja auch einige europäische Player wie Deutschlands größter Hosting-Anbieter Ionos, der französische Provider OVHcloud oder der österreichische Dienstleister A1 Digital am Markt …
Wallner: … da sehe ich drei relevante Aspekte. Der erste: AWS etwa stellt heute einen sehr breiten Technologiestack zur Verfügung; da wird jeder Kunde ‚als born in the cloud‘ wie ein Uber oder Spotify behandelt. Wir hingegen holen den Kunden mit einer sauberen Datenklassifizierung da ab, wo er steht bei seiner Legacy: Wie kann er seine Architektur modernisieren und effizienter gestalten, welche Applikationen will er in die Cloud packen und wo kann er darüber hinaus noch Hyperscaler-Angebote nutzen?
Zweitens das Multi-Cloud-Management: Wenn wir über die Daten geschaut haben, legen wir gemeinsam fest, wo die Daten liegen sollen. Und dann überlegen wir, wie er die Innovation aus der Cloud heben kann. Nicht jeder Kunde hat unbegrenzt Cloud-Ressourcen zur Verfügung, daher helfen wir ihm dabei, diesen Technologiestack zu bespielen.
Drittens bieten wir einen souveränen DSGVO-konformen Datenhafen. Es gibt sehr viele Kunden, die sagen, wir wollen Cloud – aber die Daten dürfen Deutschland nicht verlassen. Für die sind wir die Alternative. Datensouveränität ist ein Thema, das gerade immer mehr Awareness bekommt.
Viele Kunden fühlen sich nicht mehr wohl mit den Daten, die irgendwo an verschiedenen Stellen in der Welt liegen. Bei uns liegen sie in den Rechenzentren in Köln, Düsseldorf und Hamburg. Es macht daher für viele deutsche Firmen Sinn, hier auch mit einer deutschen Firma zu interagieren.
Das Wagnis der Multi-Cloud-Strategie
Ist eine Multi-Cloud-Strategie nicht eher eine Gratwanderung?
Wallner: Das ist halt die heutige Realität. Die unterschiedlichen Hyperscaler haben auch manche Vorteile, die die Kunden benötigen. Es braucht aber eine Balance: Da es sich um ein Spiel mit Daten handelt, müssen die Kunden sehr gut unterscheiden, wo welche Daten liegen sollten. Wir helfen den Kunden, diese Ressourcen auch gezielt zu nutzen. Wir wollen keine DSGVO-Panikmache, nicht alle Daten müssen in Deutschland liegen. Aber Banken, Handel und Hersteller haben eben unterschiedliche Ansprüche. Lokale Maschinendaten sind sehr sensibel, aber Daten, die etwa über Microsoft Team laufen eher weniger.
Stand: 16.12.2025
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Wer hat sich denn die Transformation der plusserver vom Hosting-Anbieter zur „Multi Cloud Data Services Company“ ausgedacht?
Wallner: Die Multi-Cloud-Strategie habe ich als umfassendes Konzept ausgebrütet. Da das klassische Hosting ist kein wachsendes Geschäft mehr ist, hat eine deutsche Multi Cloud Data Services Company viele Pluspunkte. Unser Versprechen bezüglich Daten ist, dass wir Schutz und Sicherheit gewährleisten und maximale Flexibilität bieten. Wer mit Daten Geld verdient, generiert auch Wettbewerbsvorteile. Da übernehmen wir die Rolle des Enablers.
(Alexander Wallner: Der neue CEO von plusserver wandelt das Unternehmen vom reinen Hoster zu einer Native Cloud Company. Bild: Plusserver)
Sie pflegen auch zunehmend Partnerschaften mit Beratungshäusern. Welche Rolle spielen diese Channel in der plusserver-Strategie?
Wallner: Ich mag den Begriff Channel in dem Zusammenhang nicht. Die Zusammenarbeit geht über den reinen Wiederverkauf hinaus, weil diese Partner unser Produkt anreichern und Dienstleistungen erbringen, die wir nicht mehr anbieten. Systemhäuser agieren in Deutschland also eher als Trusted Advisor unserer Kunden. Die können dort Awareness schaffen: Viele Kunden gehen etwa zu Accenture und fragen, welche Lösungen es gibt. Diese beraten die Kunden und machen bestenfalls auf uns aufmerksam. Mit 15 bis 20 solcher Anbieter haben wir da schon regelmäßiges Geschäft, sind aber auch noch auf Partnerakquise unterwegs.
Was haben Sie für 2022 noch vor?
Wallner: Wir werden weitere wettbewerbsfähige Angebote aufbauen, noch bedarfsgerechter und noch stärker selber wachsen. Da ist noch Einiges zu tun. Der Markt versteht und akzeptiert aber schon das, was wir jetzt machen. Als plusserver blicke ich optimistisch ins Jahr 2022. In der Pandemie laufen innovationsgetriebene Projekte zwar langsamer, aber das wird hoffentlich wieder Fahrt aufnehmen, damit die deutschen Unternehmen nicht an Wettbewerbsfähigkeit verlieren.