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Innovative Technologien Quantencomputing: Kopfüber in die Zukunft springen

Das Gespräch führte Heiner Sieger 13 min Lesedauer

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Im Gespräch erklärt Damir Bogdan, CEO von QuantumBasel, wie das Kompetenzzentrum neue Technologien wie Quantencomputing vorantreibt, welche Rolle die Nachhaltigkeit bei der Revolution der Rechenzentren spielt und wie Unternehmen der technologische Sprung in die Zukunft gelingt.

(Bild: © Patrick Helmholz/stock.adobe.com)
(Bild: © Patrick Helmholz/stock.adobe.com)

Herr Bogdan, Sie haben einen äußerst spannenden Berufsweg genommen. Was ist ihr fachlicher Hintergrund?

Damir Bogdan: Ich begann meine Karriere Ende der 80er Jahre als Wirtschaftsinformatiker. Damals arbeitete ich mit alten Mainframe-Systemen. In den 90er Jahren fokussierte ich mich hauptsächlich auf Informatik in der Finanzbranche. Hier war ich in verschiedenen Rollen tätig, von der Leitung komplexer Netzwerkumstellungen bis zur Softwareentwicklung. Ich half beim Aufbau eines Nearshore Development Centers für Schweizer Banken in Südeuropa. Parallel dazu leitete ich Initiativen, die letztlich zur Gründung der Swisscom IT Services führten. Mit rund 3000 Mitarbeitenden übernahm ich eine führende Rolle in der Entwicklung neuer Technologien, insbesondere in der Elektronik und im Mobile Commerce. Diese Dinge führten dazu, dass ich zum CIO und später COO der drittgrößten Bankengruppe in der Schweiz ernannt wurde. Dort war ich über zehn Jahre in der Geschäftsleitung tätig.

DER GESPRÄCHSPARTNER

Damir Bogdan ist CEO von QuantumBasel und ein anerkannter Experte im Bereich Quantencomputing. Er begann seine Karriere als Wirtschaftsinformatiker und sammelte umfassende Erfahrung in der IT-Branche, insbesondere im Finanzsektor. Mit seinem visionären Ansatz fördert er die Demokratisierung von Quantentechnologien und treibt deren Integration in Industrie und Bildung voran.

Quantencomputing
(Bild: QuantumBasel)

Wann und wie sind Sie schließlich in das Thema Quantencomputing eingetaucht?

2014 entschied ich, meinen Fokus auf Innovation zu verlagern. Ich ging ins Silicon Valley, baute eine Unternehmensberatung auf und engagierte mich in der strategischen Beratung von Technologiekonzernen. Der Kontakt mit Start-ups im Valley brachte mich an den Punkt, an dem ich die Grenzen des Moore‘schen Gesetzes bewusst wahrnahm. Die über 30 Jahre geltende Faustregel, wonach sich die Rechenleistung durch Verdoppelung der Transistorenzahl etwa alle 18 Monate steigert, stieß zunehmend an physikalische und technologische Grenzen. Die Transistoren auf Chips werden immer kleiner, und bei sieben Nanometern war eine Grenze erreicht. 

Hier begann mein Interesse am Quantencomputing, das sich als potenzielle Ergänzung zu traditionellen Rechnerarchitekturen herausstellte, da es die Problemlösungsfähigkeit in exponentiellen Größendimensionen erweitern könnte. Ein Auftrag eines großen multinationalen Kunden führte mich nach Basel, wo ich in die Entstehung des Innnovationscampus „uptownBasel“ eingebunden wurde. Monique und Dr. Thomas Staehelin, die Investoren von uptownBasel suchten jemanden, der die technologische Strategie entwickeln konnte - insbesondere im Bereich Quantencomputing -, um die Region als Innovationsstandort zu positionieren. Und so begann vor zweieinhalb Jahren meine Reise als CEO von QuantumBasel – der eigens dafür gegründeten Tochtergesellschaft von uptownBasel.

Was ist QuantumBasel und welche Vision verfolgen Sie mit diesem Technologie-Hub?

QuantumBasel ist ein Kompetenzzentrum für Quantencomputing und künstliche Intelligenz, das Innovationen in diesen Bereichen fördert und demokratisieren will. Unsere Vision ist es, den Zugang zu Quantencomputern für Unternehmen weltweit zu erleichtern und die Anwendungen dieser Technologien zu verbreiten. Die Thematik Quantencomputing mag viele Menschen im ersten Moment abschrecken, weil sie komplex wirkt. Deshalb setzen wir auf Aufklärung und Training.

Aufklärung zum Thema Quantencomputing 

Wo setzen Sie mit Ihrer Aufklärungsarbeit für Quantencomputing an?

Wir arbeiten eng mit Aufsichtsräten und Unternehmensleitungen zusammen, um ihnen verständlich zu machen, welche Auswirkungen das auf ihre jeweilige Industrie haben könnte. Dabei helfen wir, die richtigen Fragen zu stellen: Warum und wie ist Quantencomputing für meine Branche relevant? Welche Probleme lassen sich damit lösen? Dafür bieten wir Trainingsformate und Projekte an, schulen bestehende Teams im Bereich Quantum und AI und bereiten neue Mitarbeitende gezielt auf diese Themen vor. 

Demokratisierung bedeutet für uns auch, Menschen und Unternehmen eine Brücke zu diesen neuen Technologien zu bauen - ohne dass sie selbst immense Erstinvestitionen tätigen müssen. Daher erhalten sie bei uns Zugang zu verschiedenen Quantensystemen und -architekturen, ohne sich auf eine einzelne Lösung oder Anbieter festlegen zu müssen. Wir pflegen aktive Partnerschaften mit führenden Quanten-Technologieanbietern wie IBM, D-Wave und IONQ sowie weiteren spezialisierten Hardwareherstellern.

Was bewirken diese Partnerschaften?

Diese Partnerschaften sollen sicherstellen, dass wir flexibel auf die schnelllebigen technologischen Fortschritte reagieren und die besten Lösungen für unsere Kunden bereitstellen können. Quantum Basel ist mehr als nur ein Technologie-Hub; wir sehen uns als Enabler, der Unternehmen auf ihrem Weg zu nachhaltigen, technologischen Lösungen begleitet und ihnen hilft, Quantentechnologien in praktikable Geschäftsstrategien umzuwandeln.

Neutrale Positionierung von QuantumBasel 

Wie positionieren Sie sich mit QuantumBasel gegenüber anderen Zentren für Quantencomputing weltweit?

Unser Alleinstellungsmerkmal ist die neutrale Positionierung zwischen den verschiedenen Quantencomputing-Architekturen. Im Gegensatz zu vielen anderen Institutionen sind wir nicht darauf beschränkt, nur eine Architektur oder eine bestimmte Technologieplattform zu unterstützen. QuantumBasel ist das einzige europäische Unternehmen, das sowohl Zugang zu Ionenfallen-Computern als auch supraleitenden Systemen anbietet, und das einzige Unternehmen weltweit, das Zugang zu gate-basierten und annealing-basierten Quantencomputern bietet. 

Auf diese Weise können wir den besten Ansatz für das jeweilige Problem liefern. Damit bieten wir bei Quantum Basel eine einzigartige und unabhängige Beratung an, um die am besten geeignete Technologie für die spezifischen Herausforderungen unserer Kunden zu ermitteln. Unsere Unabhängigkeit ermöglicht es uns zudem, ein Netzwerk von Partnerschaften zu pflegen, das Zugang zu den neuesten Entwicklungen und der gesamten Bandbreite verfügbarer Hardware bietet.

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Auf akademischer Seite arbeiten wir eng mit Universitätspartnerschaften und Fachhochschulen zusammen, um die nächste Generation an Quantenfachkräften auszubilden. Diese Zusammenarbeit im Bildungsbereich ist entscheidend, denn der Fachkräftemangel stellt eine erhebliche Herausforderung in unserer Branche dar. Durch die Anbindung an lokale, spezialisierte Ausbildungsangebote bleibt unser Näherungsansatz gewährleistet und sichert den Zugang zu einem talentierten, wissensstarken Nachwuchs.

Neben unseren Kooperationen verstehen wir uns auch als Innovatoren beim Aufbau einer nachhaltigen Technologieplattform. Der Energieverbrauch herkömmlicher Rechnerarchitekturen nimmt exponentiell zu, nicht zuletzt durch die zunehmende Verbreitung von KI-Technologien. Quantenrechner bieten durch ihren deutlichen geringeren Energiebedarf bei komplexen Rechenoperationen das Potenzial für ressourcenschonendere Lösungen. Mittelfristig verfolgen wir das Ziel, das Konzept von Quantum Basel auf andere internationale Märkte zu übertragen und weiterzuentwickeln.

Der zunehmende Energieverbrauch, der durch den Einsatz von KI-Technologien entsteht, ist alarmierend. Quantenrechner bieten durch ihren deutlich geringeren Energiebedarf bei komplexen Rechenoperationen das Potenzial nachhaltigerer Lösungen.

Damir Bogdan, QuantumBasel