Im Gespräch erklärt Damir Bogdan, CEO von QuantumBasel, wie das Kompetenzzentrum neue Technologien wie Quantencomputing vorantreibt, welche Rolle die Nachhaltigkeit bei der Revolution der Rechenzentren spielt und wie Unternehmen der technologische Sprung in die Zukunft gelingt.
Herr Bogdan, Sie haben einen äußerst spannenden Berufsweg genommen. Was ist ihr fachlicher Hintergrund?
Damir Bogdan: Ich begann meine Karriere Ende der 80er Jahre als Wirtschaftsinformatiker. Damals arbeitete ich mit alten Mainframe-Systemen. In den 90er Jahren fokussierte ich mich hauptsächlich auf Informatik in der Finanzbranche. Hier war ich in verschiedenen Rollen tätig, von der Leitung komplexer Netzwerkumstellungen bis zur Softwareentwicklung. Ich half beim Aufbau eines Nearshore Development Centers für Schweizer Banken in Südeuropa. Parallel dazu leitete ich Initiativen, die letztlich zur Gründung der Swisscom IT Services führten. Mit rund 3000 Mitarbeitenden übernahm ich eine führende Rolle in der Entwicklung neuer Technologien, insbesondere in der Elektronik und im Mobile Commerce. Diese Dinge führten dazu, dass ich zum CIO und später COO der drittgrößten Bankengruppe in der Schweiz ernannt wurde. Dort war ich über zehn Jahre in der Geschäftsleitung tätig.
DER GESPRÄCHSPARTNER
Damir Bogdan ist CEO von QuantumBasel und ein anerkannter Experte im Bereich Quantencomputing. Er begann seine Karriere als Wirtschaftsinformatiker und sammelte umfassende Erfahrung in der IT-Branche, insbesondere im Finanzsektor. Mit seinem visionären Ansatz fördert er die Demokratisierung von Quantentechnologien und treibt deren Integration in Industrie und Bildung voran.
(Bild: QuantumBasel)
Wann und wie sind Sie schließlich in das Thema Quantencomputing eingetaucht?
2014 entschied ich, meinen Fokus auf Innovation zu verlagern. Ich ging ins Silicon Valley, baute eine Unternehmensberatung auf und engagierte mich in der strategischen Beratung von Technologiekonzernen. Der Kontakt mit Start-ups im Valley brachte mich an den Punkt, an dem ich die Grenzen des Moore‘schen Gesetzes bewusst wahrnahm. Die über 30 Jahre geltende Faustregel, wonach sich die Rechenleistung durch Verdoppelung der Transistorenzahl etwa alle 18 Monate steigert, stieß zunehmend an physikalische und technologische Grenzen. Die Transistoren auf Chips werden immer kleiner, und bei sieben Nanometern war eine Grenze erreicht.
Hier begann mein Interesse am Quantencomputing, das sich als potenzielle Ergänzung zu traditionellen Rechnerarchitekturen herausstellte, da es die Problemlösungsfähigkeit in exponentiellen Größendimensionen erweitern könnte. Ein Auftrag eines großen multinationalen Kunden führte mich nach Basel, wo ich in die Entstehung des Innnovationscampus „uptownBasel“ eingebunden wurde. Monique und Dr. Thomas Staehelin, die Investoren von uptownBasel suchten jemanden, der die technologische Strategie entwickeln konnte - insbesondere im Bereich Quantencomputing -, um die Region als Innovationsstandort zu positionieren. Und so begann vor zweieinhalb Jahren meine Reise als CEO von QuantumBasel – der eigens dafür gegründeten Tochtergesellschaft von uptownBasel.
Was ist QuantumBasel und welche Vision verfolgen Sie mit diesem Technologie-Hub?
QuantumBasel ist ein Kompetenzzentrum für Quantencomputing und künstliche Intelligenz, das Innovationen in diesen Bereichen fördert und demokratisieren will. Unsere Vision ist es, den Zugang zu Quantencomputern für Unternehmen weltweit zu erleichtern und die Anwendungen dieser Technologien zu verbreiten. Die Thematik Quantencomputing mag viele Menschen im ersten Moment abschrecken, weil sie komplex wirkt. Deshalb setzen wir auf Aufklärung und Training.
Aufklärung zum Thema Quantencomputing
Wo setzen Sie mit Ihrer Aufklärungsarbeit für Quantencomputing an?
Wir arbeiten eng mit Aufsichtsräten und Unternehmensleitungen zusammen, um ihnen verständlich zu machen, welche Auswirkungen das auf ihre jeweilige Industrie haben könnte. Dabei helfen wir, die richtigen Fragen zu stellen: Warum und wie ist Quantencomputing für meine Branche relevant? Welche Probleme lassen sich damit lösen? Dafür bieten wir Trainingsformate und Projekte an, schulen bestehende Teams im Bereich Quantum und AI und bereiten neue Mitarbeitende gezielt auf diese Themen vor.
Demokratisierung bedeutet für uns auch, Menschen und Unternehmen eine Brücke zu diesen neuen Technologien zu bauen - ohne dass sie selbst immense Erstinvestitionen tätigen müssen. Daher erhalten sie bei uns Zugang zu verschiedenen Quantensystemen und -architekturen, ohne sich auf eine einzelne Lösung oder Anbieter festlegen zu müssen. Wir pflegen aktive Partnerschaften mit führenden Quanten-Technologieanbietern wie IBM, D-Wave und IONQ sowie weiteren spezialisierten Hardwareherstellern.
Was bewirken diese Partnerschaften?
Diese Partnerschaften sollen sicherstellen, dass wir flexibel auf die schnelllebigen technologischen Fortschritte reagieren und die besten Lösungen für unsere Kunden bereitstellen können. Quantum Basel ist mehr als nur ein Technologie-Hub; wir sehen uns als Enabler, der Unternehmen auf ihrem Weg zu nachhaltigen, technologischen Lösungen begleitet und ihnen hilft, Quantentechnologien in praktikable Geschäftsstrategien umzuwandeln.
Neutrale Positionierung von QuantumBasel
Wie positionieren Sie sich mit QuantumBasel gegenüber anderen Zentren für Quantencomputing weltweit?
Unser Alleinstellungsmerkmal ist die neutrale Positionierung zwischen den verschiedenen Quantencomputing-Architekturen. Im Gegensatz zu vielen anderen Institutionen sind wir nicht darauf beschränkt, nur eine Architektur oder eine bestimmte Technologieplattform zu unterstützen. QuantumBasel ist das einzige europäische Unternehmen, das sowohl Zugang zu Ionenfallen-Computern als auch supraleitenden Systemen anbietet, und das einzige Unternehmen weltweit, das Zugang zu gate-basierten und annealing-basierten Quantencomputern bietet.
Auf diese Weise können wir den besten Ansatz für das jeweilige Problem liefern. Damit bieten wir bei Quantum Basel eine einzigartige und unabhängige Beratung an, um die am besten geeignete Technologie für die spezifischen Herausforderungen unserer Kunden zu ermitteln. Unsere Unabhängigkeit ermöglicht es uns zudem, ein Netzwerk von Partnerschaften zu pflegen, das Zugang zu den neuesten Entwicklungen und der gesamten Bandbreite verfügbarer Hardware bietet.
Stand: 16.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die WIN-Verlag GmbH & Co. KG, Chiemgaustraße 148, 81549 München einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von redaktionellen Newslettern nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://kontakt.vogel.de/de/win abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung, Abschnitt Redaktionelle Newsletter.
Kollaborieren Sie auch mit anderen Wissenschaftlern zusammen?
Auf akademischer Seite arbeiten wir eng mit Universitätspartnerschaften und Fachhochschulen zusammen, um die nächste Generation an Quantenfachkräften auszubilden. Diese Zusammenarbeit im Bildungsbereich ist entscheidend, denn der Fachkräftemangel stellt eine erhebliche Herausforderung in unserer Branche dar. Durch die Anbindung an lokale, spezialisierte Ausbildungsangebote bleibt unser Näherungsansatz gewährleistet und sichert den Zugang zu einem talentierten, wissensstarken Nachwuchs.
Neben unseren Kooperationen verstehen wir uns auch als Innovatoren beim Aufbau einer nachhaltigen Technologieplattform. Der Energieverbrauch herkömmlicher Rechnerarchitekturen nimmt exponentiell zu, nicht zuletzt durch die zunehmende Verbreitung von KI-Technologien. Quantenrechner bieten durch ihren deutlichen geringeren Energiebedarf bei komplexen Rechenoperationen das Potenzial für ressourcenschonendere Lösungen. Mittelfristig verfolgen wir das Ziel, das Konzept von Quantum Basel auf andere internationale Märkte zu übertragen und weiterzuentwickeln.
Der zunehmende Energieverbrauch, der durch den Einsatz von KI-Technologien entsteht, ist alarmierend. Quantenrechner bieten durch ihren deutlich geringeren Energiebedarf bei komplexen Rechenoperationen das Potenzial nachhaltigerer Lösungen.