DB Podcast

Neue Messverfahren Rechenzentren: Vorausschauende Überwachung als Erfolgsfaktor

Das Gespräch führte Heiner Sieger 7 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Die Anforderungen an Rechenzentren steigen permanent – sowohl von der Netzbelastung her als auch hinsichtlich der Versorgungssicherheit. Schon kleine Unterbrechungen oder Qualitätsmängel können  wirtschaftliche Schäden verursachen. Präzise Messverfahren sind der beste Schutz für Rechenzentren. 

(Bild:  ©  Real/stock.adobe.com)
(Bild: © Real/stock.adobe.com)

Im Interview erläutern Lutz Beyer und Jens Schübel von PQ Plus, weshalb präzise und kontinuierliche Messverfahren der beste Schutz für Rechenzentren und Industrie sind – und warum die Netzqualität zur unternehmerischen Überlebensfrage wird.

Herr Beyer, Sie gelten mit PQ Plus als Vorreiter bei der Netzqualitätsmessung. Was unterscheidet Ihr Unternehmen von klassischen Anbietern?

Lutz Beyer: Unser Ansatz war von Beginn an darauf ausgerichtet, mit flexiblen, anwenderfreundlichen und dennoch hochpräzisen Messgeräten kritische Infrastrukturen wie Rechenzentren oder Krankenhäuser zu unterstützen. Während andere Anbieter früher nur sehr teure Anlagen verkauft haben, die oft lediglich Momentaufnahmen lieferten und deren Daten den Kunden wenig nutzten, haben wir mit innovativen Firmware-Lösungen eine neue Richtung eingeschlagen.

Unsere Systeme sind so entwickelt, dass Power Quality-Messungen zum Standard und erschwinglich wurden. Ein besonderer Meilenstein war die Einführung unseres 333 mV-Signals – es hat sich inzwischen zum Industriestandard etabliert und wird mittlerweile sogar von früheren Platzhirschen kopiert. Ein PQ Plus Klasse-S-Gerät kostet heute zwischen 600 und 700 Euro, was früher für viele Projekte schlicht unbezahlbar war. Und auch unsere Klasse-A-Messgeräte bieten mit etwa 2.000 Euro ein ausgezeichnetes Preis-Leistungs-Verhältnis, bei gleichzeitig höchster Messgenauigkeit.

Steigende Herausforderungen an moderne Rechenzentren

Wie gelingt Ihnen als vergleichsweise schlankes Unternehmen die Entwicklung und Produktion solcher Systemlösungen in großen Stückzahlen?

Lutz Beyer: Die Antwort liegt in unserer agilen Firmenkultur und in starken Partnerschaften. Mit unserer hochspezialisierten Produktionsfirma in Tschechien – einem sogenannten EMS, also einem Electronic Manufacturing Service – sind wir extrem flexibel, was Planung, Anpassung und Herstellung angeht. 

Wir produzieren jährlich rund 100.000 Messgeräte und können schnell auf Marktentwicklungen oder Kundenwünsche reagieren, weil die Produktion eng mit unserer Entwicklung verzahnt ist. Diese Flexibilität ist ein großer Vorteil gegenüber den manchmal trägen Strukturen von Konzernen. Gleichzeitig ist unsere Entwicklung immer am Puls der Praxis, weil wir sehr eng mit Endanwendern und Installateuren zusammenarbeiten.

Der Gesprächspartner

Lutz Beyer ist Generalmanager von PQ Plus und seit mehr als einem Jahrzehnt Innovationstreiber im Bereich der Netzqualitätsanalytik. Gemeinsam mit Prokurist Jens Schübel führt er PQ Plus in der Branche für Energie- und Netzqualitäts-Überwachung. Beide kombinieren ihre praxisnahe Expertise mit technologischem Weitblick, um kritische Infrastrukturen in Deutschland und Europa sicherer zu machen.

Lutz Beyer PQ Plus Rechenzentren
(Bild: PQ Plus)

Welche Herausforderungen sehen Sie heute speziell bei modernen Rechenzentren in Sachen Verfügbarkeit und Ausfallsicherheit?

Lutz Beyer: Die Anforderungen an Rechenzentren steigen permanent – sowohl von der Netzbelastung her als auch hinsichtlich der Versorgungssicherheit. Schon kleinste Unterbrechungen oder Qualitätsmängel können massive wirtschaftliche Schäden verursachen. Die IT-Lasten schwanken zudem durch Virtualisierung oder dynamische Zunahme von KI-Anwendungen extrem und sind sehr komplex. Entscheidend ist, die Qualität und Kontinuität der Stromversorgung auf höchstem Niveau zu halten, gerade weil Fehler nicht nur in der eigenen Infrastruktur, sondern auch durch Rückwirkungen von außen entstehen können. Wir helfen Betreibern, dieses Gleichgewicht zu bewahren: Mit unseren präzisen Messgeräten können Spannungseinbrüche, Oberschwingungen, Ableitströme und andere Störfaktoren sofort erkannt und dokumentiert werden.

Welche Bedeutung besitzt die kontinuierliche Überwachung der Netzqualität in der Praxis?

Lutz Beyer: Sie ist unerlässlich – besonders in kritischen Infrastrukturen, wo jede Störung fatale Auswirkungen haben kann. Kontinuierliches Power Quality Monitoring erlaubt es, problematische Veränderungen schon im Ansatz zu erkennen. Zum Beispiel führen moderne Leistungselektroniken zu neuen Arten von Rückwirkungen – etwa zu unerwünschten Ableitströmen, die Schäden verursachen können, an die man zunächst gar nicht denkt. Ich erinnere mich an einen Industriekunden mit mehreren tausend Mitarbeitenden: Nach kurzer Zeit waren alle Wasserversorgungsleitungen korrodiert, weil diffundierende Ströme aus der in der Anlage eingesetzten Leistungselektronik mithalfen, die Leitungen zu schädigen. Unsere Systeme haben schnell den Grund gefunden und so geholfen, erhebliche Kosten und Folgeschäden zu vermeiden.

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung