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Blindflug mit Algorithmus KI-Literacy: Wenn fehlendes KI-Wissen zum Risiko wird

Ein Gastbeitrag von Melanie Ludolph 2 min Lesedauer

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In vielen Unternehmen fehlt das Verständnis dafür, was künstliche Intelligenz eigentlich tut. Mit der KI-Verordnung und einer neuen Pflicht zur KI-Literacy sollen Mitarbeiter lernen, Systeme kritisch zu hinterfragen.

(Bild:  © Pippin/stock.adobe.com)
(Bild: © Pippin/stock.adobe.com)

KI-Systeme sind längst keine reinen Tools mehr. Sie treffen Vorentscheidungen, priorisieren Aufgaben, filtern Informationen. Das Problem: Selbst gut geschulte Fachkräfte wissen oft nicht genau, nach welchen Regeln das passiert. Die Folge sind unbewusste Fehlerketten – von der Datenauswahl bis zur Ergebnisbewertung. Datenschutzrechtlich wird das brisant. Denn wer personenbezogene Daten in KI-Prozesse einspeist, trägt Verantwortung für deren Verarbeitung. Eine „automatische Entscheidung“ entbindet niemanden von der Pflicht, sie nachvollziehbar zu machen. Ohne technisches Verständnis wird Compliance zur Glückssache.

Künstliche Intelligenz kann viel, aber sie nimmt uns nicht das Denken ab. Wer Systeme blind nutzt, läuft Gefahr, Verantwortung auszulagern – an Software, die selbst keine Verantwortung kennt.

Melanie Ludolph, Rechtsanwältin bei Fieldfisher Deutschland

Kompetenz statt Kontrollillusion

Die EU-Kommission will, dass Unternehmen ihre Belegschaften für künstliche Intelligenz sensibilisieren – technisch, rechtlich und ethisch. KI-Literacy lautet das Schlagwort. Es geht nicht darum, dass alle programmieren können, sondern darum, Risiken zu erkennen: Woher stammen Trainingsdaten? Wie transparent ist ein Modell? Welche Informationen verlassen das Unternehmen? Fehlt dieses Wissen, entstehen unbemerkt Haftungsrisiken. Etwa wenn ein Chatbot sensible Kundendaten speichert oder eine Analyse-Software diskriminierende Muster übernimmt. Unternehmen, die nur auf die vermeintliche Neutralität von Algorithmen vertrauen, übersehen schnell, dass Verantwortung nicht automatisiert werden kann.

KI-Literacy: Schulung ist keine Kür

Die gute Nachricht: KI-Kompetenz lässt sich vermitteln. Workshops, interne Leitlinien und Schulungen schaffen Bewusstsein für Chancen und Grenzen. Wer seine Mitarbeiter befähigt, KI-Ergebnisse kritisch zu prüfen, gewinnt mehr als nur Rechtssicherheit – nämlich Qualität in den Entscheidungen.

Das gilt besonders für Datenschutzbeauftragte, Compliance-Teams und Marketingabteilungen, die zunehmend mit KI-Systemen arbeiten. Ein fundiertes Grundverständnis verhindert Fehlkonfigurationen, Datenlecks oder unzulässige Automatisierungen.

Verantwortung bleibt analog

So smart KI-Systeme auch sind – die Verantwortung bleibt beim Menschen. Ein Algorithmus kennt keine Ethik, kein Urheberrecht, kein Datenschutzrecht. Er folgt Mustern, nicht Werten. Deshalb braucht digitale Verantwortung beides: Technologiekompetenz und Urteilsfähigkeit. Unternehmen, die das erkennen, handeln nicht nur regelkonform, sondern zukunftssicher. Denn wer versteht, wie KI funktioniert, kann sie besser steuern – und vermeidet, dass Innovation zur Blackbox wird.

Wissen ist die beste Absicherung

Künstliche Intelligenz kann viel, aber sie nimmt uns nicht das Denken ab. Wer Systeme blind nutzt, läuft Gefahr, Verantwortung auszulagern – an Software, die selbst keine Verantwortung kennt. Der Weg aus dem Blindflug führt über Aufklärung, Schulung und Transparenz. Denn am Ende gilt: Wer KI verstehen will, muss sie nicht fürchten, nur beherrschen.

KI-LiteracyMelanie Ludolph
ist Rechtsanwältin bei der europäischen Wirtschaftskanzlei Fieldfisher. Seit fast zehn Jahren berät sie Unternehmen und internationale Konzerne aus verschiedenen Branchen zu allen Aspekten des Datenschutzrechts sowie angrenzenden Rechtsgebieten. 

Bildquelle: Fieldfisher

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