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Serie: KI-Technologie aus China – Teil 33

KI in der Verwaltung: Wie China Behörden neu organisiert und was Europa lernen kann

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KI-Agenten für Bürger und Unternehmen

Auf dieser Grundlage entstehen spezialisierte Verwaltungsagenten. Sie beantworten nicht nur Fragen, sondern unterstützen konkrete Aufgabenfolgen: Informationen suchen, Anträge vorbereiten, Daten prüfen, zuständige Stellen identifizieren, Fristen überwachen oder Dokumente erstellen.

Ein Agent begleitet beispielsweise die Gründung eines Unternehmens. Der Unternehmer formuliert zunächst nur sein Vorhaben. Der Agent erkennt, welche Verwaltungsverfahren erforderlich sind, ruft verfügbare Registerdaten ab, prüft Identitäts- und Unternehmensinformationen, ermittelt erforderliche Genehmigungen, füllt Formulare voraus, kontrolliert Unterlagen, fordert fehlende Informationen an und kommuniziert gegebenenfalls mit anderen spezialisierten Verwaltungsagenten. Nur Vorgänge, die eine rechtliche Abwägung, Ermessensentscheidung oder besondere Prüfung erfordern, gelangen zum zuständigen Beamten.

Bürokratieabbau durch KI: In Shenzhen kommen 50 gebündelte Verwaltungsverfahren mit durchschnittlich sieben Prozessschritten, drei Behördengängen und elf Unterlagen weniger aus und sind 13 Tage schneller. Mehr als 29 Millionen Vorgänge wurden bereits von den neuen Verfahren bearbeitet. (Bild:  KI-generiert)
Bürokratieabbau durch KI: In Shenzhen kommen 50 gebündelte Verwaltungsverfahren mit durchschnittlich sieben Prozessschritten, drei Behördengängen und elf Unterlagen weniger aus und sind 13 Tage schneller. Mehr als 29 Millionen Vorgänge wurden bereits von den neuen Verfahren bearbeitet.
(Bild: KI-generiert)

Ein anderes Beispiel ist der Ansatz, Dinge im Gespräch zu erledigen. Bürger beschreiben ihr Anliegen in natürlicher Sprache, der Agent ordnet es einem Verwaltungsprozess zu und begleitet die folgenden Schritte. Besonders bei selten genutzten oder komplizierten Verfahren kann dies die Einstiegshürde senken. Bürger müssen nicht mehr wissen, welche Behörde zuständig oder welches Formular wichtig ist.

In Shenzhen/Futian wurden unter der Bezeichnung AI Xiaofu 43 KI-Agenten als digitale Mitarbeiter eingeführt. Sie unterstützen unter anderem die Dateneingabe und die Bearbeitung von Bürgeranliegen. Nach lokalen Angaben sank der manuelle Eingabeaufwand um 50 Prozent, die Bearbeitung von Bürgeranliegen beschleunigte sich um 70 Prozent, und die Agenten bearbeiteten mehr als zwei Millionen Fälle.

Die Richtung ist klar: Die Verwaltung will von allgemeiner Information zu personalisierter Orientierung und von reaktiver Bearbeitung zu proaktiver Unterstützung übergehen. Der langfristige Gedanke lautet, dass ein Unternehmen nicht jedes Förderprogramm selbst finden, jede Regelung interpretieren und jede zuständige Stelle recherchieren muss. Damit verschiebt sich die Grenze zwischen Digitalisierung und Bürokratieabbau. Ein elektronischer Antrag digitalisiert einen bestehenden Prozess, ein KI-Assistent beschleunigt ihn, und ein Verwaltungsagent kann dagegen den Prozess selbst reorganisieren.

KI baut Bürokratie erst dann wirklich ab, wenn sie nicht nur den Sachbearbeiter schneller macht, sondern Verwaltungsschritte überflüssig macht. China beginnt, künstliche Intelligenz deshalb nicht lediglich auf die bestehende Bürokratie aufzusetzen, sondern Verwaltungsprozesse um Daten, Modelle und zunehmend autonome Agenten herum neu zu organisieren. Aus dem digitalen Amt entsteht schrittweise das agentische Amt. Für Europa liegt die wichtigste Lektion nicht im chinesischen KI-Modell, sondern in einer grundlegenderen Frage: Welche Formulare, Nachweise, Prüfungen, Behördengänge und Prozessstufen wären überhaupt noch erforderlich, wenn eine intelligente Verwaltung vorhandene Informationen selbst zusammenführen und Routinearbeit weitgehend automatisieren könnte?

Ansatzpunkte für europäische Verwaltungen

Europa muss chinesische Verwaltungs-KI weder kopieren noch pauschal ausschließen. Sinnvoll wäre ein strategisches Benchmarking, das nicht nur einzelne Modelle oder Chatbots vergleicht, sondern die gesamte Leistungskette analysiert: Datenintegration, Prozessdesign, technische Architektur, Beschaffung, Betrieb, Datenschutz, menschliche Aufsicht und messbare Wirkung auf Bearbeitungszeiten und Bürgererlebnis. Wo chinesische Anbieter bei Sprachmodellen, Dokumentenverarbeitung, Edge-Hardware, Robotik, Sensorik oder kostengünstigen KI-Komponenten leistungsfähige Angebote machen, sollten europäische Verwaltungen einen regelgebundenen Einkauf grundsätzlich prüfen können – allerdings nur nach unabhängigen Sicherheits-, Datenschutz-, Lieferketten- und Interoperabilitätsprüfungen. Voraussetzung wäre eine modulare Architektur, die proprietäre Abhängigkeiten vermeidet, Datenhoheit in Europa sichert und einen Austausch einzelner Komponenten erlaubt.

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Dr. Hans Joachim Fuchs
ist geschäftsführender Gesellschafter der Chinabrand IP Consulting GmbH.

Bildquelle: Chinabrand