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Serie: KI-Technologie aus China – Teil 33 Chinesische KI in der Telekommunikation – der leise Paradigmenwechsel

Ein Gastbeitrag von Dr. Hans Joachim Fuchs 7 min Lesedauer

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China baut seine Mobilfunknetze zu weitgehend autonomen Systemen um. KI-Agenten erkennen Störungen, optimieren Funkzellen und bereiten Konfigurationsänderungen vor – teilweise ohne unmittelbaren menschlichen Eingriff. Das verspricht erhebliche Effizienzgewinne in der Telekommunikation.

(Bild:  Chinabrand)
(Bild: Chinabrand)

Für Europa stellt diese Entwicklung eine strategische Zäsur dar. Die Frage ist nicht mehr, von wem die Netztechnik stammt, sondern wer die Intelligenz kontrolliert, die das Netz kontrolliert. Die drei staatlichen Netzriesen China Mobile, China Telecom und China Unicom treiben diese Entwicklung massiv voran – nicht nur, um Kosten zu senken, sondern um die Kontrolle über die zukünftige digitale Souveränität zu erlangen. Sie haben ehrgeizige Fahrpläne für die Level 4-Autonomie bis 2025/2026 veröffentlicht.

Dabei geht es nicht um einfache Chatbots, sondern um Telco-spezifische Large Language Models (LLMs), die Netzwerkkonfigurationen in Echtzeit optimieren. Das TM Forum, das die internationalen Standards für diese Entwicklung setzt, definiert Level 4 als einen Zustand, in dem das System den überwiegenden Teil seines Betriebs eigenständig führt: Fehler erkennen, Ursachen analysieren, Konfigurationen ändern. Der Mensch greift nur noch bei komplexen oder strategischen Entscheidungen ein.

Optimierung de Netzwerke

China Mobile hat das Modell Jiu Tian vorgestellt, ein LLM mit über 100 Milliarden Parametern, das speziell für Netzwerk-Slicing und Fehlerdiagnose trainiert wurde. Es kann Ausfälle vorhersagen, bevor sie auftreten. China Mobile hat Level-4-Fähigkeiten bereits in 21 Szenarien kommerziell eingesetzt und meldet eine Effizienzsteigerung von 70 Prozent sowie eine jährliche Stromeinsparung von über acht Milliarden kWh.

China Telecom setzt auf TeleChat zur Optimierung von Kernnetzwerken und zur automatisierten Erstellung von Konfigurationsskripten. In einem gemeinsamen Projekt mit Huawei arbeiten inzwischen mehr als 900 KI-Agenten in den Betriebsprozessen des Unternehmens. China Unicom integriert KI in die Funkzugangsnetze (RAN), um den Energieverbrauch von 5G-Basisstationen dynamisch um bis zu 15 Prozent zu senken. Die Yuanjing Large Model Family kombiniert allgemeine Modelle mit branchenspezifischen Anwendungen.

Huawei spielt hier die Schlüsselrolle als Enabler. Auf dem MWC 2026 in Barcelona stellte das Unternehmen die Lösung Agentic Core vor, die KI direkt in die zentralen Bereiche des 5G-Kernnetzes integriert, darunter Mobile Internet, Sprachdienste und die Telco-Cloud-Infrastruktur. Huawei beschreibt das Ergebnis als eine Art network brain, das Ressourcen koordiniert und Dienste automatisiert steuert. Die Zahl der standardessenziellen Patente des Unternehmens im 6G-Bereich erreichte 2025 mit 140 Anmeldungen einen Höchstwert.

Die EU: Projekte, Verträge und Abhängigkeiten

Trotz der sicherheitspolitischen Bedenken, die in der EU-5G-Toolbox festgehalten sind, gibt es eine faktische, wenn auch oft nicht-offizielle Kooperation:

  • FuE-Projekte in Europa: Huawei betreibt bedeutende Forschungslabore in Paris (Mathematik & Algorithmen),München (Chip-Design für KI-Beschleuniger) und Mailand (5G-IoT). Huawei hat nach eigenen Angaben 23 Forschungszentren in zwölf europäischen Ländern und mehr als 240 Technologiepartnerschaften mit europäischen Forschungseinrichtungen geschlossen. Die strategische 6G-Forschung der EU wird jedoch zunehmend abgeschirmt.
  • Aktuelle Carrier-Verträge: Während viele europäische Carrier wie Telefónica oder Vodafone Huawei im Kernnetz zurückgebaut haben, bleibt der Konzern im RAN-Bereich (Funkzugang) stark vertreten. Telefónica verlängerte Ende 2024 seinen 5G-Kernnetzvertrag mit Huawei für den Privatkundenbereich bis 2030.
  • Strategische Auswirkungen: Der Anteil chinesischer Technik in europäischen Netzen bleibt substanziell. Schätzungen zufolge liegen die Marktanteile chinesischer Ausrüster bei etwa 25 bis 35 Prozent der installierten 4G- und 5G-Infrastruktur. Deutschland trägt dabei die größte wirtschaftliche Last. Eine aktuelle Studie der China Chamber of Commerce to the EU und KPMG warnt davor, dass der von der EU geplante Ausschluss chinesischer Lieferanten die Mitgliedstaaten bis zu 367,8 Milliarden Euro über fünf Jahre kosten könnte, wobei Deutschland mit 170,8 Milliarden Euro am stärksten betroffen wäre.

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