Während eine angespannte Weltwirtschaft und Fachkräftemangel Druck auf Unternehmen ausüben, haben sich die Erwartungen und Prioritäten der Mitarbeitenden verändert – und zwar dauerhaft.
(Quelle: Sikov - stock.adobe.com)
Die Erfahrung am Arbeitsplatz steht im Mittelpunkt. Fünf Trends in der Arbeitswelt unter der Lupe.
1. Die große Verlangsamung
Der Krieg in der Ukraine, die hohe Inflation und die wirtschaftliche Abschwächung Chinas werden wahrscheinlich zu einem langsameren globalen Wachstum im Jahr 2023 beitragen. Darüber hinaus dürfte sich das Wachstum angesichts des ungemütlich hohen geopolitischen Risikos und der heimtückischeren Dynamik von schwacher Produktivität weiter verlangsamen. Ob Deutschland, Frankreich, China oder Brasilien, es gibt nur einen Weg, wie Volkswirtschaften im Laufe der Zeit wachsen können: Arbeitskräfte müssen produktiver werden, und das ist zu einer weltweiten Herausforderung geworden. Die Arbeitsproduktivität ist rückläufig, was bedeutet, dass Arbeitskräfte mehr Zeit aufwenden und dennoch weniger Waren und Dienstleistungen liefern.
2. Arbeit persönlicher gestalten
Umso entscheidender ist es, die Arbeit auf individuelle Bedürfnisse anzupassen. Es geht nicht mehr darum, nach der Regel zu führen, sondern eher nach der Ausnahme. Getrieben durch soziale und wirtschaftliche Stressfaktoren überdenken Mitarbeitende die Vorstellung von Arbeitsplatzsicherheit und die Frage, wie die Arbeit in ihr Leben passt. Der daraus resultierende Stimmungswandel hat dazu geführt, dass sich Arbeitgeber mit neuen Erwartungen in Bezug auf Flexibilität, Karrieremöglichkeiten, Arbeitsaufgaben und Sinnhaftigkeit auseinandersetzen müssen. Laut der Studie „People at Work“ von ADP ist Flexibilität bei den Arbeitszeiten beispielsweise mehr als 35 Prozent der deutschen Arbeitskräfte am allerwichtigsten beim Job.
In Zukunft werden die Werkzeuge, die die Menschen bei der Arbeit nutzen, stärker individualisiert sein. Angebote von personalisierten Vergütungsoptionen wie dem Zugang zum Arbeitsentgelt bis hin zu maßgeschneiderten Karriereprofilen werden stärker genutzt werden, um das Mitarbeitererlebnis zu verbessern und das Engagement der Talente zu fördern. Gleichzeitig sollten Arbeitgeber den Wandel nicht nur begrüßen, sondern vorantreiben. Sie müssen Wege finden, um Talente zu kultivieren und Innovationen am Arbeitsplatz freizusetzen. Dazu gehören KI-gesteuerte Karrierepfad-Technologien, um für interne Talente Entwicklungsmöglichkeiten zu finden, präskriptive Lernempfehlungen und erkenntnisgesteuertes Teamleiter-Coaching, um Mitarbeitende bei der Erweiterung und Entwicklung benötigter Fähigkeiten zu unterstützen.
3. Trends in der Arbeitswelt: Inflation & Lohnanpassungen
Weltweit wird erwartet, dass die Inflation im Jahr 2023 nachlassen wird. Aber es ist unwahrscheinlich, dass wir zu demselben jahrzehntelangen Inflationsschlaf zurückkehren werden, den Europa, Asien und Nordamerika vor der Pandemie genossen haben. In dieser neuen Welt wird die Lohnfestsetzung komplexer, und Arbeitgeber müssen mit anhaltender Unsicherheit rechnen. Die heute gezahlten Löhne werden möglicherweise nicht so lange gut abschneiden, wie der Arbeitskräftemangel andauert und die Lebenshaltungskosten steil oder unvorhersehbar steigen. Die Fluktuation wird die Unternehmen weiterhin plagen, da gefragte Arbeitnehmende den Job wechseln, um sich höhere Löhne zu sichern.
Weltweit fielen die Reallöhne laut der Internationalen Arbeitsorganisation in der ersten Hälfte des Jahres 2022 um fast 1 Prozent, der erste Rückgang in diesem Jahrhundert. Während die Lebenshaltungskosten an vielen Orten der Welt explodiert sind, haben die Löhne nicht Schritt gehalten. Auch wenn die Inflation in diesem Jahr moderat ausfallen wird, muss das Lohnwachstum robust bleiben, damit die Arbeitskräfte den vollen Nutzen aus langsameren Preissteigerungen ziehen können.
4. Die schrumpfende Erwerbsbevölkerung
Seit 1990 ist die weltweite Erwerbsquote stetig gesunken, von mehr als 65 Prozent der Menschen im erwerbsfähigen Alter auf weniger als 60 Prozent, laut einer Analyse der Weltbank anhand von Daten der Internationalen Arbeitsorganisation. Da die Belegschaft proportional kleiner geworden ist, hat sie sich auch stärker regional konzentriert. Asiatische Länder stellen mehr als 57 Prozent der weltweiten Arbeitskräfte. Im Gegensatz dazu machen die USA, Kanada und Mexiko zusammen 26 Prozent des globalen BIP aus, stellen aber nur 5 Prozent der Arbeitskräfte. Dieses Missverhältnis zwischen der Geografie von Reichtum und Arbeit wird sich weiterhin auf die Funktionsweise von Unternehmen auswirken. In der Vergangenheit haben Arbeitskräftemobilität und Einwanderung dazu beigetragen, Unterschiede auszugleichen, da wohlhabende Länder qualifizierte und ungelernte Arbeitskräfte auf der Suche nach besserer Bezahlung und Perspektiven anzogen. Jetzt dreht sich der politische Wind auf Globalisierung und Einwanderung. Physische Mobilität könnte durch Fernarbeit ersetzt werden, die es den Menschen ermöglicht, an Ort und Stelle zu bleiben, während ihre Jobs migrieren. Die Auswirkungen dieser neuen Dynamik auf die Löhne sind ungewiss und könnten darüber entscheiden, wie angespannt der globale Talentmarkt in Zukunft bleiben wird.
Stand: 16.12.2025
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5. Fortschreitende Digitalisierung einer der Trends in der Arbeitswelt
Im Jahr 2005 nutzten nur 16 Prozent der Weltbevölkerung das Internet. Heute ist mehr als die Hälfte der Welt online. Die Internetnutzung stieg während der Lockdowns um fünf Prozent, da Verbrauchende weltweit ihre Ausgaben, Kontakte und Unterhaltung auf digitale Plattformen verlagerten. Verbrauchende erweitern ihren stationären Schaufensterbummel mit Online-Preisvergleichen, während digitale Einzelhandelsanzeigen eingeblendet werden, um sie an ihre Kaufabsichten zu erinnern.
In dieser neuen Welt besteht die Herausforderung für Unternehmen darin, das Digitale persönlicher zu gestalten – der Kundschaft das Gefühl zu geben, etwas Besonderes zu sein, und die Mitarbeitenden zu motivieren.
Durch die weitgehende Digitalisierung erwarten die Menschen Unmittelbarkeit. Wenn Probleme auftauchen, wünschen sie eine rasche und gründliche Reaktion. Der Trend zum Zuhören bei den Mitarbeitenden nimmt zu, und Unternehmen setzen Umfragetools und andere Instrumente in Echtzeit ein, um herauszufinden, was ihre Arbeitskräfte beschäftigt, damit sie schnell reagieren und auf das Feedback eingehen können. In einer kürzlich durchgeführten internen Umfrage unter ADP-Kunden zählten Mitarbeiterbefragungen zu den drei wichtigsten Prioritäten für Personalverantwortliche. Um in Echtzeit sinnvoll reagieren zu können, müssen Arbeitgeber datengesteuerte Technologien nutzen, um sicherzustellen, dass sie die richtigen Fragen zum richtigen Zeitpunkt stellen.
(Bild: ADP)
Die Autorin Nela Richardson ist Chief Economist bei ADP.