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DIGITAL BUSINESS Transformation Leaders Podcast Digital Health: Vom Wollen zum Tun – eine Agenda für digitale Gesundheit 

Das Gespräch führte Heiner Sieger 7 min Lesedauer

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T-Systems-COO Health Uwe Heckert skizziert die Systemagenda hinter Tempo und Technik für Digital Health: Interoperabilität statt Insellösungen, nutzerfreundliche Identitäten in der TI 2.0, FHIR-basierte Datenräume, souveräne Cloud und erklärbare KI.

(Bild:  © Mutshino_Artwork/stock.adobe.com)
(Bild: © Mutshino_Artwork/stock.adobe.com)

DARUM GEHT'S

Was sich im Klinikalltag konkret ändert: weniger Doppeldoku und Klicks, schnellere Aufnahme/Entlassung, KI‑Assistenz in Schockraum und Steuerung – mehr Zeit am Patienten.

Wie Erfolg messbar wird: klare KPIs (zum Beispiel Doku‑Minuten pro Fall, Nutzungsrate von Identitätsdiensten/ePA, Supporttickets, Ausfallzeiten) und Leuchttürme, die skalieren.

Was die Transformation trägt: End‑to‑End‑Ansatz, Co‑Creation mit Anwendern, straffe Governance und Standardisierung – Modellregionen als Beschleuniger.

Wie bringen Sie Ihre bisherige Erfahrung im Gesundheitswesen in Ihre neue Rolle als COO Healthcare bei T-Systems ein – und worauf fokussieren Sie sich als erstes?

Uwe Heckert: Ich bin seit Mitte Januar 2026 als COO Healthcare bei T Systems an Bord. Unser Portfolio reicht von Netzen, Security, Cloud und Systemintegration bis zu Branchenlösungen wie dem KIS iMedOne. Diese werden von Ärzten, Pflegenden, Krankenhäusern, Krankenversicherungen, also nahezu allen Beteiligten im deutschen Gesundheitssystem und darüber hinaus in Ländern wie Österreich, Schweiz, Spanien, Singapur, Südafrika oder Nordamerika genutzt. Für mich stehen drei Schwerpunkte im Fokus. Erstens: Radikale Kundenorientierung, beginnend bei Patientinnen und Patienten, Ärzteschaft und Pflege.  Zweitens: stabile, skalierbare und resiliente Systeme, die Vertrauen schaffen. Drittens: Innovationen konsequent operationalisieren – Interoperabilität und KI mit klarem Nutzen im Arbeitsalltag.

Wir brauchen europäische Datenräume wie den European Health Data Space – resilient, interoperabel, mit klaren Rollen, dezentraler Datenhaltung und nachvollziehbarer Governance.

Uwe Heckert, Chief Operating Officer Healthcare bei T-Systems

Wie bewerten Sie den Status quo der Digitalisierung im deutschen Gesundheitswesen – und wo helfen Technologien kurzfristig?

Uwe Heckert: Das deutsche System ist im internationalen Vergleich eher durchschnittlich und steht unter immensem Druck. Die größten Schmerzpunkte sind: Fachkräftemangel, überbordende Dokumentation und extrem fragmentierte IT. Große Kliniken betreiben oft 500 bis 1.000 Applikationen, zusätzlich getrennt nach Sektoren. Das bremst Effizienz. Kurzfristige Hebel sind verlässliche, nutzerfreundliche digitale Identitäten, strukturierte Datenflüsse auf Basis von HL7 FHIR, Automatisierung in der Dokumentation sowie sichere, souveräne Cloud‑Infrastrukturen. Technologien sind vorhanden – nun zählt Umsetzung mit Disziplin.

Hören Sie sich das ausführliche Interview mit Uwe Heckert in unserem DIGITAL BUSINESS Transformation Leaders Podcast an

Wo positioniert sich T‑Systems – und welche Felder priorisieren Sie persönlich?

Uwe Heckert: Wir begleiten Kliniken, Medizinische Versorgungsuzentren und Versicherer entlang der gesamten Versorgungskette, vor allem in DACH-Region. In Kliniken priorisieren wir Applikations  und Infrastrukturkonsolidierung sowie die Cloud Transformation. iMedOne entwickeln wir so weiter, dass Datenkonsolidierung und Interoperabilität by design verankert sind. Ein Meilenstein ist die Übernahme von synedra: Das Health Content Management wird zur Drehscheibe für Inhalte aus Krankenhausinformationssystem kurz KIS,  digitalen Bildarchivierungs- und Kommunikationssystemen kurz PACS und Patientendatenmanagementsystemen kurz PDMS. Bei Versicherern fokussieren wir auf Services rund um die elektronischen Patientenakte und die Telematikinfrastruktur 2.0. Unser Anspruch: Wir sind Transformationspartner für End zu End Projekte statt weitere Inseln.

DER GESPRÄCHSPARTNER

Uwe Heckert ist seit 16. Januar 2026 Chief Operating Officer Healthcare bei T-Systems (Deutsche Telekom). Zuvor verantwortete er bei Philips die DACH-Region und leitete europaweit Healthcare Informatics. Frühere Stationen führten den promovierten Wirtschaftsinformatiker unter anderen zu Unisys, McKinsey und in Managementfunktionen bei T-Systems. Er kennt auch den europäischen Gesundheitsmarkt bestens als Vorsitzender des Health Executive Councils von Digitaleurope.

Digital Health
(Bild: T-Systems)

Wie stellen Sie sicher, dass die User Experience künftig wirklich Zeit zurückgibt an alle Stakeholder?

Uwe Heckert: Durch Zuhören und Co‑Creation mit Ärztinnen und Ärzten, Pflege, Kassen und Patientinnen und Patienten. Unsere Leitprinzipien dabei sind: weniger Klicks, weniger Reibung, Interoperabilität und konsequente Prozessintegration. Wir müssen weg von Formularhölle und Doppelerfassung, hin zu Vorbefüllung, smarter Suche und klaren Workflows. KI muss Assistenz sein – etwa durch strukturierende Vorschläge in der Dokumentation oder Leitlinien‑Checks im Schockraum – nicht zusätzliche Kontrolle. Resilienz ist für mich integrierter Teil der Nutzererfahrung: Systeme müssen im Alltag und im Krisenfall laufen. Der Berliner Stromausfall war da ein Weckruf.

Wie verbinden Sie dauerhaft Transparenz, Sicherheit und Datenschutz mit Innovationsfähigkeit?

Uwe Heckert: Das bedingt sich gegenseitig. Innovation gelingt nur mit Klarheit, wo welche Daten liegen und was sie bedeuten, mit Datensouveränität für Patientinnen und Patienten sowie mit Sicherheitsarchitektur nach europäischen Standards. Wir brauchen europäische Datenräume wie den European Health Data Space – resilient, interoperabel, mit klaren Rollen, dezentraler Datenhaltung und nachvollziehbarer Governance. Heute hemmt uns unstrukturierte, verstreute Datenlage. Mit souveränen Datenräumen beschleunigen wir Versorgung und Forschung – sicher und wirksam.

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