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Digital Health: Vom Wollen zum Tun – eine Agenda für digitale Gesundheit 

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Deutsche Gesundheitslandschaft, Souveränität für die Cloud & Resilienz

Die deutsche Gesundheitslandschaft hat eine große Achillesferse sie ist sehr zerfasert. Wie holen Sie die vielen Akteure an einen Tisch – und beschleunigen sektorübergreifende Vorhaben?

Uwe Heckert: Die Einsicht ist grundsätzlich da: Wir geben in Deutschland weit mehr als 500 Milliarden Euro pro Jahr für das Gesundheitssystem aus. Das ist viel zu viel und gleichzeitig liegt die Lebenserwartung unter dem EU-Durchschnitt. Das muss sich ändern. Hebel sind Modellregionen mit klaren Use Cases, eindeutigen KPIs und einer starken Governance, die zu abgestimmten und damit kosteneffizienten und trotzdem leistungsfähigen Versorgungsangeboten führen. Länder wie Dänemark, Norwegen oder auch die baltischen Staaten zeigen, dass Standardisierung wirkt. Entscheidend ist die Haltung: Nicht alles kann besser werden, ohne irgendwo Abstriche zu machen. Die Telekom kann Sektoren verbinden und End zu End umsetzen – mit Partnern aus Versorgung, Kostenträgern, Industrie und Politik.

Die Technologien sind reif, die Notwendigkeit ist offensichtlich. Standardisierung, Interoperabilität, Sicherheit – und der Mut, auch unbequeme Entscheidungen zu treffen. Nur so schaffen wir Tempo, echten Nutzen und Erleichterung für Patientinnen und Patienten, Ärzteschaft, Pflegende und Verwaltungsmitarbeitende.

Uwe Heckert, Chief Operating Officer Healthcare bei T-Systems

Was bedeutet das hochaktuelle und sensible Thema digitale Souveränität für Ihre Cloud‑ und Datenstrategie – auch mit Blick auf EHDS und Regulierung?

Uwe Heckert: Souveränität und Resilienz sind nicht verhandelbar. Europäische Cloud‑Infrastrukturen, sichere Identitäten, Redundanz und technische Autonomie. Der EHDS ist eine große Chance, wenn Rollen, Interoperabilität und dezentrale Datenhaltung sauber geregelt sind. Beim EU AI Act braucht es Kohärenz mit der EU‑Medizinproktverordnung: Regulierung ja, aber ohne Doppelbelastung, die Zulassungen von ein bis zwei auf drei bis vier Jahre verlängert. Sonst verlieren wir Tempo und Wettbewerbsfähigkeit. Unser Ziel ist, Sicherheit und Innovation zu verbinden – nicht gegeneinander auszuspielen.

Welche KI‑Anwendungen sind im Gesundheitswesen heute sinnvoll – und wo ziehen Sie Grenzen?

Uwe Heckert: Bereits wirksam sind Dokumenten‑ und Reporting‑Automatisierung, Entscheidungsunterstützung in Radiologie und auf Intensivstationen, Prognosen, Kapazitäts‑ und OP‑Planung. Grenzen setzen wir bei vollautonomen Diagnosen und Therapien: Es fehlt zum einen oftmals eine durchgängige konsistente Datengrundlage. Zudem muss die finale Verantwortung immer beim Menschen bleiben. Wir bringen praxisnahe Assistenten in den Echtbetrieb – etwa für den Schockraum und Command‑Center‑Lösungen zur gezielten Patientensteuerung innerhalb einer Klinik. Ziel ist messbarer Zeitgewinn, nicht zusätzlicher Aufwand.

Security und Resilienz sind aber nach wie vor unterbelichtet. Was tun Sie konkret, um das zu ändern?

Uwe Heckert: Wir härten Infrastrukturen, indem wir Systeme konsolidieren und Redundanzen für eine stabile Systemlandschaft auch in kritischen Hochlastsituation aufbauen – inklusive souveräner Cloud Set ups. Wichtig sind durchgängige Sicherheitskonzepte, kontinuierliche Tests und klare Notfallprozesse. Es darf nicht vorkommen, dass Kliniken nach einem Cyber-Angriff zum Beispiel keine Operationen mehr durchführen können. Stabilität kommt zuerst, dann Skalierung – und immer mit Blick auf die Bedürfnisse der Kliniken. Unsere Industrial AI Cloud, die wir mit NVIDIA und Polarise aufgebaut in weniger als sechs Monaten aufgebraut haben, zeigt, dass wir schnell industrialisieren können – Tempo mit Qualität ist möglich.

GLOSSAR DIGITAL HEALTH

TI 2.0: Weiterentwicklung der Telematikinfrastruktur – offen, cloudfähig, mit modernen Identitäten

ePA: Elektronische Patientenakte; digitale Sammlung medizinischer Daten für Behandler und Patienten.

HL7 FHIR: Standard für den interoperablen Austausch strukturierter Gesundheitsdaten.

KIS/iMedOne: Krankenhaus‑Informationssystem von T‑Systems.

PACS/PDMS: Bildarchivierung (PACS) und Patientendaten‑Management auf Intensivstationen (PDMS).

EHDS: European Health Data Space – geplanter europäischer Datenraum für Versorgung und Forschung.

EU AI Act/MDR: EU‑Verordnungen zu KI beziehungsweise Medizinprodukten; müssen kohärent und praxistauglich zusammenspielen.

Digitale Souveränität: Fähigkeit, kritische digitale Dienste und Datenräume unabhängig und sicher in Europa zu betreiben.

Health Content Management (HCM): Plattformen wie synedra zur konsolidierten Verwaltung, Archivierung und Bereitstellung medizinischer Inhalte.

Command Center: Steuerungszentren zur Kapazitäts‑, Patienten‑ und Prozesssteuerung im Krankenhaus.

Schockraum‑Assistent: KI‑gestützte Unterstützung bei Dokumentation, Leitlinien‑Checks und Teamkoordination in der Notaufnahme.

Woran lassen Sie sich in zwölf Monaten messen – was wird konkret sichtbar sein?

Uwe Heckert: Erstens: Leuchtturmprojekte zur Daten  und Infrastrukturkonsolidierung – inklusive sicherer Cloud Umgebungen. Zweitens: spürbare Fortschritte bei TI 2.0, vor allem nutzerfreundliche Identitätsplattformen mit weniger Supporttickets und höheren Nutzungsraten. Drittens: KI-Assistenten im Echtbetrieb – zum Beispiel  Schockraum. Viertens: Projekte, die „digital vor ambulant vor stationär“ in Modellregionen praktisch umsetzen. Fünftens: messbare Entlastungen bei Kosten und Zeit im Klinikalltag.

Zu guter Letzt: Was ist Ihnen persönlich am wichtigsten?

Uwe Heckert: Dass wir vom Wollen ins Tun kommen. Die Technologien sind reif, die Notwendigkeit ist offensichtlich. Standardisierung, Interoperabilität, Sicherheit – und der Mut, auch unbequeme Entscheidungen zu treffen. Nur so schaffen wir Tempo, echten Nutzen und Erleichterung für Patientinnen und Patienten, Ärzteschaft, Pflegende und Verwaltungsmitarbeitende.

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