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Serie: KI-Technologie aus China KI-Offensive von China: Export von KI-Rechenleistung mit Token – Teil 18

Ein Gastbeitrag von Hans Joachim Fuchs, Dr. Lili Yang und Chang Luo 7 min Lesedauer

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Token sind das neue Öl: Was wie eine weitere Metapher aus dem Silicon Valley klingt, entpuppt sich zunehmend als Beschreibung des Wandels der digitalen Ökonomie. Token als kleinste Verarbeitungseinheiten großer Sprachmodelle haben sich zu einem handelbaren Wirtschaftsgut entwickelt. China nutzt diese Entwicklung konsequent.  

(Bild:   © Bartek/stock.adobe.com)
(Bild: © Bartek/stock.adobe.com)

Token sind die fundamentalen Bausteine, mit denen große Sprachmodelle (LLMs) arbeiten. Ein Token kann dabei ein Wort, eine Silbe oder im Falle der chinesischen Sprache ein einzelnes Schriftzeichen oder eine häufige Zeichenkombination sein. Wenn ein Nutzer eine Anfrage an ein KI-Modell stellt, wird dieser Prompt in Token zerlegt, vom Modell verarbeitet, und die Antwort wird als Token-Sequenz zurückgegeben. Die Abrechnung oder das Benchmarking orientieren sich an Kosten pro Million oder Performance pro Billion Token.

In China ist daraus ein eigenständiges wirtschaftliches Narrativ geworden, in dem Token als neues Öl und als Schiffscontainer des KI-Zeitalters beschrieben werden. Chinesische Technologiekonzerne exportieren keine physischen Güter mehr, sondern intelligente Dienstleistungen – verpackt als Token, abgerechnet über APIs, getragen von der heimischen Energie- und Recheninfrastruktur. Die Botschaft ist ebenso einfach wie ambitioniert. Chinas Strom bleibt im Land, aber sein Wert als KI-Dienstleistung umrundet den Globus.

Wer also diese effizient, günstig und in großen Mengen produzieren und exportieren kann, erlangt einen systemischen Wettbewerbsvorteil. Der Markt ist riesig. Laut Angaben des chinesischen Datenamts stieg der tägliche Token-Verbrauch in China von 100 Milliarden Anfang 2024 auf über 140 Billionen im März 2026 – ein Wachstum um mehr als das Tausendfache innerhalb von nur zwei Jahren.

Neue unsichtbare Exporte von Token

Die chinesische Token-Exportstrategie basiert auf einer vollständig integrierten Wertschöpfungskette, die sich von der Energieerzeugung bis zur API-Schnittstelle erstreckt. Diese Kette lässt sich in vier Ebenen unterteilen:

  • Ebene 1: Energie. Im Westen Chinas, insbesondere in den Provinzen Sichuan, Yunnan und Xinjiang, wird grüner Strom aus Wasserkraft, Solar- und Windenergie zu Kosten von etwa 0,2 bis 0,3 Yuan pro Kilowattstunde produziert.
  • Ebene 2: Recheninfrastruktur. Die günstige Energie speist riesige Rechenzentren, die mit modernster Kühltechnik betrieben werden. Unternehmen wie Alibaba, Tencent und Baidu haben ihre Rechenkapazitäten in den letzten zwei Jahren massiv ausgebaut.
  • Ebene 3: KI-Modelle. Auf der Infrastruktur laufen hochoptimierte Sprachmodelle, die durch innovative Architekturen wie Mixture-of-Experts (MoE) besonders effizient arbeiten. Beispielsweise aktiviert das chinesische Modell DeepSeek V3 bei jeder Anfrage nur etwa 5 Prozent seiner Gesamtparameter, was die Rechenkosten drastisch senkt. 
  • Ebene 4: API-Zugang. Über standardisierte Schnittstellen können Entwickler weltweit auf diese Modelle zugreifen. Die Anfrage eines Entwicklers in Frankfurt wird über Seekabel zu einem Rechenzentrum in China geleitet, dort verarbeitet und das Ergebnis als Token zurückgesendet, in der Regel innerhalb von ein bis zwei Sekunden.

Der Strom verlässt nie das chinesische Stromnetz, aber sein Wert wird durch Token grenzüberschreitend geliefert. Diese Eigenschaft macht Token zu einem nahezu idealen Exportgut im Zeitalter des digitalen Protektionismus. Sie sind nicht von Zöllen betroffen, unterliegen keiner physischen Kontrolle und können in beliebiger Menge produziert werden, begrenzt nur durch die verfügbare Rechenleistung.

Die Kostenrechnung ist für europäische Unternehmen ausgesprochen attraktiv. Ein Token kostet in der Produktion nur zwei Dinge: Rechenleistung, also die Abschreibung von GPUs, und Strom. Während die GPU-Kosten global relativ einheitlich sind, sind die geringen chinesischen Stromkosten ein entscheidender Wettbewerbsvorteil. Die Kombination aus günstiger Energie und effizienter Modellarchitektur ermöglicht es chinesischen Anbietern, ihre API-Preise auf ein Niveau zu drücken, das westliche Konkurrenten nicht erreichen können. Ein Beispiel: Das chinesische Modell MiniMax M2.5 wird für 0,30 US-Dollar pro Million Input-Token angeboten, während das vergleichbare Claude Opus von Anthropic 5,00 US-Dollar pro Million Token kostet – mehr als das Sechzehnfache. 

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