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Einführung europäischer Software Digitale Souveränität: Abkehr deutscher Unternehmen von Big Tech

Von Stefan Girschner 3 min Lesedauer

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Laut einer neuen Studie von Myra Security führt derzeit jedes vierte Unternehmen in Deutschland europäische Software ein. Im Durchschnitt fordern 90 Prozent der befragten IT-Entscheider europäische Lösungen für Staat und Betreiber kritischer Infrastrukturen, die digitale Souveränität unterstützen.

Bei dem Medienstammtisch Bots & Brews stellte Myra Security die Studie „State of Digital Sovereignty“ vor.(Bild:  Nicolas Armer/Arctic Narratives)
Bei dem Medienstammtisch Bots & Brews stellte Myra Security die Studie „State of Digital Sovereignty“ vor.
(Bild: Nicolas Armer/Arctic Narratives)

Deutsche Unternehmen vollziehen eine Kehrtwende bei europäischer Software: Nur noch 4,6 Prozent der IT-Entscheider schließen deren Einführung aus. Vor einem Jahr waren es noch 47,7 Prozent – ein Rückgang um mehr als 90 Prozent. Gleichzeitig befinden sich 39,7 Prozent der Unternehmen bereits in der Einführung europäischer Lösungen, um digitale Souveränität zu gewährleisten. Im Jahr 2025 lag dieser Anteil bei 20,4 Prozent.

Das sind die zentralen Ergebnisse der Studie „State of Digital Sovereignty 2026: Uncharted Waters“, die Myra Security anlässlich des Medienstammtischs „Bots & Brews” in München vorgestellt hat. Neben 1.007 IT-Entscheidern in Deutschland wurden auch 504 Entscheider in Frankreich sowie 307 in den nordischen Ländern Dänemark, Schweden, Norwegen und Finnland befragt. Deutschland liegt beim Anteil der Unternehmen, die bereits europäische Software einführen, mit 39,7 Prozent knapp vor Frankreich mit 38,5 Prozent und den nordischen Ländern mit 35,5 Prozent.

Digitale Souveränität: Hoher Zuspruch für europäische Digitalprodukte

Die grundsätzliche Unterstützung für europäische Digitalprodukte in Staat und kritischen Infrastrukturen ist in allen untersuchten Regionen hoch. Frankreich liegt mit 93,6 Prozent an der Spitze, gefolgt von den nordischen Ländern mit 88,9 Prozent und Deutschland mit 87,5 Prozent. Gegenüber dem Vorjahr ist die Zustimmung in Deutschland damit von 84,4 Prozent weiter gestiegen.

Die Sprecher bei Bots & Brews (v.l.n.r.): Alexandre Vulic, französischer Generalkonsul in München; Andrea Lindholz (CSU), MdB und Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages; Katharina M. Schwarz, Head of Global Affairs bei Myra und Leonhard Kugler, Geschäftsführer des ZenDiS.(Bild:  Nicolas Armer/Arctic Narratives)
Die Sprecher bei Bots & Brews (v.l.n.r.): Alexandre Vulic, französischer Generalkonsul in München; Andrea Lindholz (CSU), MdB und Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages; Katharina M. Schwarz, Head of Global Affairs bei Myra und Leonhard Kugler, Geschäftsführer des ZenDiS.
(Bild: Nicolas Armer/Arctic Narratives)

Andrea Lindholz, Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages und Vorsitzende der Kommission zu digitaler Souveränität betont bei der Vorstellung der Studie bei dem Events „Bots & Brews“ am 16. Juli: „Unsere Daten sind das Gold der Gegenwart und der Zukunft. Insbesondere der Deutsche Bundestag sitzt auf dem größten Datenschatz des ganzen Landes. Wenn der Deutsche Bundestag bei digitaler Souveränität Vorbild sein will, braucht es den Mut stärker auf deutsche und europäische Lösungen zu setzen."

Geopolitische Ereignisse erhöhen den Handlungsdruck. Im Durchschnitt gibt die Hälfte der europäischen Entscheider an, ihren Fokus auf digitale Souveränität infolge aktueller Entwicklungen verstärkt zu haben. Der politische Druck führt jedoch nicht durchgehend zu einer Abkehr von US- Technologie. 24,8 Prozent der französischen IT-Entscheider setzen infolge geopolitischer Ereignisse stärker auf US-Software. In Deutschland sagen das 19,8 Prozent und in den Nordics 16,9 Prozent.

Digitale Souveränität in der Cybersicherheit am wichtigsten

Teilnehmer des Bots & Brews-Events (v.l.n.r.): Prof. Dr. Dennis-Kenji Kipker, Forschungsdirektor des cyberintelligence institute und Professor für IT-Sicherheitsrecht an der Hochschule Bremen; Alexandre Vulic, französischer Generalkonsul; Andrea Lindholz, MdB und Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages; Leonhard Kugler, Geschäftsführer des ZenDiS und Paul Kaffsack, Geschäftsführer der Myra Security.(Bild:  Nicolas Armer/Arctic Narratives)
Teilnehmer des Bots & Brews-Events (v.l.n.r.): Prof. Dr. Dennis-Kenji Kipker, Forschungsdirektor des cyberintelligence institute und Professor für IT-Sicherheitsrecht an der Hochschule Bremen; Alexandre Vulic, französischer Generalkonsul; Andrea Lindholz, MdB und Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages; Leonhard Kugler, Geschäftsführer des ZenDiS und Paul Kaffsack, Geschäftsführer der Myra Security.
(Bild: Nicolas Armer/Arctic Narratives)

Digitale Souveränität ist für die Entscheider aller befragten Länder in den Technologiefeldern Cybersicherheit, künstliche Intelligenz und Cloud-Dienste am wichtigsten. Cybersicherheit nennen 57,6 Prozent der Befragten in Deutschland, 57,1 Prozent in Frankreich und 68,4 Prozent in den nordischen Ländern. Bei KI liegen die Werte bei 50,1 Prozent in Deutschland, 52,4 Prozent in Frankreich und 48,6 Prozent in den Nordics.

„Die Ergebnisse der Studie bestätigen, was wir in der Praxis täglich erleben: Der Bedarf an digitaler Souveränität ist groß. Jetzt geht es darum, diese umzusetzen und echte Wahlfreiheit zu schaffen. Das bedeutet nicht, dass wir alles selbst entwickeln müssen. Wir brauchen aber auf jeder Ebene europäische Alternativen. Sprich, einen souveränen German-Stack.", sagt Leonhard Kugler, Geschäftsführer des Zentrums für Digitale Souveränität der Öffentlichen Verwaltung (ZenDis).

Größte Hürde in hohen Migrationskosten

Der Wechsel zu europäischen Technologien bleibt anspruchsvoll. Hohe Migrationskosten werden von 34,6 Prozent der IT-Entscheider in Deutschland als Hürde genannt. Insbesondere fehlende Informationen über europäische Alternativen werden von den befragten Unternehmen als weitere Migrationshemmnisse eingestuft. Trotz dieser Hürden wächst die Zuversicht. 54,6 Prozent der deutschen IT-Entscheider halten es für realistisch, dass Europa bis 2035 eine strukturelle digitale Souveränität erreichen kann. In den nordischen Ländern liegt dieser Wert bei 64,5 Prozent, in Frankreich bei 46,4 Prozent.

Zur Methodik der Studie: Die Ergebnisse der Studie „State of Digital Sovereignty“ von Myra Security basieren auf einer von Civey durchgeführten Online-Umfrage von 1.818 IT-Entscheidern: 1.007 in Deutschland, 504 in Frankreich sowie 307 in Dänemark, Finnland, Norwegen und Schweden. Die Erhebung erfolgte vom 25. Februar bis zum 5. März 2026. Die statistische Fehlertoleranz liegt bei rund fünf Prozent.
Myra Security ist Anbieter einer Security-as-a-Service-Plattform für den Schutz digitaler Geschäftsprozesse. Bundesbehörden sowie Unternehmen und Organisationen wie die Münchner Sicherheitskonferenz vertrauen beim Schutz ihrer digitalen Infrastrukturen auf die Plattform. Myra erfüllte als erstes Unternehmen alle 37 Kriterien des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) für qualifizierte DDoS-Mitigation-Dienstleister und setzte damit neue Standards für den Schutz von Infrastrukturen und Webapplikationen.

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