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GRC-Strategie Compliance-Kultur: Warum sie in Deutschland unter Druck steht

Von Stefan Girschner 5 min Lesedauer

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Angesichts neuer EU-Vorschriften wird die Frage immer dringlicher, wie sich Compliance in konkrete Governance-Maßnahmen umsetzen lässt. Ein neuer Bericht von Navex zeigt, dass deutsche Organisationen bei Faktoren wie Vertrauen und ethischer Führung im globalen Wettbewerb führend sind.

(Bild:  © Murrstock/stock.adobe.com)
(Bild: © Murrstock/stock.adobe.com)

Der neue Bericht „State of Risk & Compliance in Germany 2026“ von Navex zeichnet ein differenziertes Bild der deutschen Compliance-Kultur. Die Studie zeigt, dass deutsche Organisationen bei wichtigen kulturellen Faktoren wie Vertrauen, ethischer Führung und Investitionsbereitschaft viele europäische und internationale Konkurrenten übertreffen. Gleichzeitig offenbart der Bericht Unterschiede bei der operativen Umsetzung von Compliance-Maßnahmen, insbesondere in mittelständischen Organisationen und auf der Ebene des mittleren Managements.

Hohe Investitionen in Governance und Compliance

Laut der umfragebasierten Studie geben 58 Prozent der Befragten aus deutschen Unternehmen an, dass die oberste Führungsebene ihrer Organisation auch angesichts konkurrierender Geschäftsinteressen an ihrem Bekenntnis zu ethischem Handeln festhält. Weltweit liegt dieser Wert bei 50 Prozent, der Vergleichswert für die Europäische Union ohne Deutschland beträgt 37 Prozent. Gleichzeitig befürchten in Deutschland 37 Prozent der Beschäftigten negative Konsequenzen für ihre Karriere, wenn sie Bedenken oder Fehlverhalten melden, verglichen mit 51 Prozent weltweit.

Darüber hinaus erwarten 42 Prozent der Organisationen in diesem Markt, dass ihre Compliance-Budgets um mindestens zehn Prozent steigen werden, verglichen mit 32 Prozent weltweit. Oliver Riehl, Regional Vice President DACH bei Navex, kommentiert die Ergebnisse der Studie: „Diese zeigen, dass Deutschland stark in Governance, Risk & Compliance (GRC) investiert und sich Beschäftigte im Vergleich zu anderen Ländern stärker ermutigt fühlen, Missstände anzusprechen. Diese kulturelle Stärke bildet eine wichtige Grundlage für wirksame Programme.“

Compliance in Deutschland: starke Kultur, uneinheitliche Umsetzung

Die Studie zeigt, dass sich diese kulturellen Stärken nicht in allen Bereichen gleichermaßen in den Organisationsstrukturen widerspiegeln. Deutsche Organisationen berichten häufiger als ihre europäischen Konkurrenten von Herausforderungen bei der Umsetzung regulatorischer Anforderungen. So nennen beispielsweise 42 Prozent der Befragten Schwierigkeiten bei der Umsetzung von Anforderungen zur Korruptionsbekämpfung und Ethik. Im übrigen Europa liegt dieser Wert bei 25 Prozent. Herausforderungen im Zusammenhang mit dem Schutz von Hinweisgebern werden ebenfalls von 32 Prozent der deutschen Organisationen genannt, verglichen mit 20 Prozent in anderen EU-Mitgliedstaaten.

Die Ergebnisse verdeutlichen, dass die Umsetzung regulatorischer Anforderungen und die Verankerung entsprechender Strukturen weiterhin uneinheitlich sind. „Eine starke Compliance-Kultur ist die Grundlage dafür, Risiken frühzeitig zu erkennen und regulatorische Anforderungen nachhaltig zu erfüllen. Organisationen müssen sicherstellen, dass klare Prozesse, wirksame Meldekanäle und eine konsequente Einbindung der Führungskräfte in das operative Tagesgeschäft vorhanden sind“, ist Oliver Riehl überzeugt.

Mittelstand weist die größten strukturellen Lücken auf

Mittelständische Unternehmen mit 2.500 bis 9.999 Beschäftigten sind möglicherweise besonders exponiert. Obwohl auch diese Organisationen von den allgemeinen kulturellen Stärken Deutschlands profitieren, liegen sie bei mehreren Indikatoren der Compliance-Reife hinter anderen Organisationen zurück. 34 Prozent der mittelständischen deutschen Organisationen bieten anonyme Meldekanäle an. Bei vergleichbaren Organisationen weltweit liegt dieser Wert bei 47 Prozent. Während 44 Prozent der deutschen Unternehmen von einer strategischen Einbindung des Vorstands oder des Leitungsorgans in Compliance-Themen berichten, sinkt dieser Wert bei lokalen mittelständischen Organisationen auf 31 Prozent.

Darüber hinaus geben in dieser Gruppe nur elf Prozent an, dass ihr Compliance-Programm die höchste Reifestufe „Optimizing“ erreicht hat. Unterschiede zeigen sich auch bei der Messung der Wirksamkeit von Compliance-Programmen. In Deutschland nutzen lediglich 31 Prozent der mittelständischen Organisationen Daten aus Compliance-Schulungen zur Bewertung ihrer Programme, verglichen mit 62 Prozent der kleinen und 59 Prozent der großen Organisationen. Gleichzeitig führen 34 Prozent der mittelständischen Unternehmen Gap-Analysen zur Identifizierung von Risiken durch, während 29 Prozent externe Compliance-Audits nutzen.

Oliver Riehl ist Regional Vice President DACH bei Navex.(Bild:  Navex)
Oliver Riehl ist Regional Vice President DACH bei Navex.
(Bild: Navex)

„Was wir in der Praxis beobachten, ist, dass Compliance in mittelständischen Organisationen häufig weniger formalisiert ist. Rollen, Berichtslinien und Messgrößen entwickeln sich noch weiter, was Transparenz und Aufsicht erschweren kann“, erklärt Oliver Riehl. „In solchen Situationen können integrierte Compliance- und Risikomanagement-Lösungen wie Navex dabei helfen, Prozesse zu standardisieren, Verantwortlichkeiten klar zu definieren und relevante Kennzahlen zentral auszuwerten. Dadurch erhalten Organisationen eine stärkere Grundlage, um Risiken frühzeitig zu erkennen und Compliance-Programme wirksam zu steuern.“

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