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Tempo vs. Tiefe Das 24-Stunden-Portal: Vom Prototyp zum Projekt

Von Heiner Sieger 4 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Wer Kundenportale oder Partnerportale plant, kennt die Wartezeit. Ein Agentur-Chef erklärt, was sich davon wirklich abkürzen lässt.

(Bild:  © CyberFrame/stock.adobe.com)
(Bild: © CyberFrame/stock.adobe.com)

Executive Summary

Ausgangslage: Business-Portale gelten als teure, langwierige Projekte – viele Mittelständler schieben das Thema deshalb auf.

Marktangebot: Sunzinet zeigt am 22. September lauffähige Prototypen, gebaut in rund einem Arbeitstag aus vorab eingereichten Praxisproblemen.

Der Haken: Ein Prototyp ersetzt keine Systemintegration – CMO Daniel Palm benennt im Gespräch selbst, wo die Beschleunigung endet.

Einordnung: Der Termin taugt als Anlass zur Selbstprüfung, nicht als Ersatz für eine unabhängige Anbieterbewertung.

Individuelle Portale für Kunden, Partner oder Lieferanten sind im Mittelstand oft ein ungelöstes Thema. Marktbeobachtungen zu Composable-Commerce-Projekten beziffern die Kosten für ein mittelkomplexes B2B-Portal auf 200.000 bis 500.000 Euro in der Einführung, hinzu kommen laufende Betriebskosten von 100.000 bis 300.000 Euro jährlich. Diese Größenordnung erklärt, warum viele Unternehmen entsprechende Vorhaben verschieben.

Das Angebot: Prototyp statt Lastenheft

Vor diesem Hintergrund lädt die Kölner Digitalagentur Sunzinet am 22. September 2026, dem Vortag der DMEXCO, zum „Digital Innovation Bash“. Interessierte reichen vorab ein konkretes Prozessproblem ein; das Unternehmen baut daraus nach eigenen Angaben innerhalb eines Arbeitstages einen lauffähigen Prototyp mit Login, Rollenverwaltung und Content-Management, der am Abend präsentiert wird. Wer keine Idee vorab eingereicht hat, sieht an diesem Abend ausschließlich fremde Ergebnisse.

Wo genau endet die Abkürzung?

Der naheliegende Einwand: Ein in einem Tag gebauter Prototyp überspringt womöglich genau die Phase, in der Portalprojekte in der Praxis scheitern – Anforderungsanalyse, Datenmodellierung, Abstimmung mit mehreren Fachbereichen. Im Gespräch mit dem Digital Business Magazin widerspricht CMO Daniel Palm dieser Sorge nicht, sondern präzisiert sie:

Daniel Palm, CMO bei Sunzinet.(Bild:  Sunzinet)
Daniel Palm, CMO bei Sunzinet.
(Bild: Sunzinet)

„Genau dieses Risiko nehmen wir sehr ernst und begegnen ihm bewusst, indem wir zwei Dinge klar trennen: den Prototyp und das Projekt. Der Prototyp beim DIB soll niemals ein fertiges Portal vorwegnehmen, sondern die Machbarkeit einer Idee sichtbar machen und eine gemeinsame Diskussionsgrundlage schaffen. Die eigentliche Anforderungsanalyse, Datenmodellierung und Abstimmung mit den Fachbereichen entfällt dadurch nicht, denn sie folgt danach, im persönlichen Demotermin, ganz bewusst und mit der nötigen Tiefe.“

Entscheidend ist Palms zweite Präzisierung, weil sie das Versprechen einschränkt, statt es zu vergrößern:

„Nicht jeder Teil des Projekts wird durch den Prototyp gleichermaßen beschleunigt. Systemintegrationen bleiben Systemintegrationen – die Komplexität bei der Anbindung an bestehende ERP- oder CRM-Landschaften nimmt uns der Prototyp nicht ab. Im Frontend hingegen, also bei Oberfläche, Rollenlogik und Content-Struktur, verschafft uns der Prototyp einen echten Vorsprung, weil bereits ein funktionierendes Grundgerüst steht, auf dem wir aufbauen können.“

Diese Trennung ist der eigentlich belastbare Teil der Geschichte: Wer ein Portal plant, sollte genau nachfragen, ob eine versprochene Beschleunigung das Frontend betrifft – oder auch die Integrationstiefe in bestehende ERP-Landschaften, wo Palm selbst keine Abkürzung verspricht.

Key Takeaways / Praxis-Check

Frontend ≠ Integration: Laut Palm beschleunigt der Prototyp Oberfläche und Rollenlogik – nicht die Anbindung an ERP- oder CRM-Systeme. Diese Unterscheidung gilt es bei jedem Anbieter zu erfragen.

Drei-Fragen-Check ist anbieterunabhängig nutzbar: Nutzergruppen, Medienbrüche, Schmerzpunkt – als interne Vorübung sinnvoll.

Demotermin ist der eigentliche Projektstart: Anforderungsanalyse und Datenmodellierung entfallen laut Palm nicht, sie folgen nach dem Prototyp.

Referenzkunden kritisch einordnen: Panel-Teilnehmer mit bestehender Geschäftsbeziehung zum Veranstalter sind keine neutralen Dritten.

Erwartungsmanagement als Prozessbestandteil

Palm benennt auch, wie sein Unternehmen mit der Erwartungslücke zwischen Demo und Projekt umgeht: „Wir kommunizieren das von Anfang an transparent: Der Prototyp zeigt, was möglich ist. Das reguläre Projekt sorgt dafür, dass daraus eine belastbare, produktionsreife Lösung wird. Erwartungsmanagement ist hier kein Zusatz, sondern fester Bestandteil unseres Prozesses.“

Für Unternehmen, die eine Einreichung erwägen, ergibt sich daraus eine klare Nachfrage für das eigene Anforderungsgespräch: Welcher Teil der gezeigten Lösung ist Frontend-Demo, welcher Teil erfordert nach dem Prototyp noch reguläre Integrationsarbeit?

Ein Fallbeispiel zur Gegenseite

Sunzinet nennt einen anonymisierten Fall aus dem Baumarktsektor: Ein bestehendes Vertriebsportal habe so schlecht funktioniert, dass Außendienstmitarbeitende halbjährlich persönlich hätten vorbeifahren müssen; ein Kunde sei nach zwölf Monaten ohne digitalen Kontakt zum Wettbewerb gewechselt. Der Fall illustriert einen plausiblen Mechanismus: Ein schlecht gepflegtes Portal kann höhere Folgekosten verursachen als der Verzicht darauf.

Was Entscheider mitnehmen können

Unabhängig von der Bewertung des konkreten Anbieters liefert der Anlass eine brauchbare Selbstprüfung: Welche externen Nutzergruppen gibt es, welcher Prozess läuft noch über E-Mail oder Excel, und was stört daran am meisten? Wer diese Fragen beantwortet hat, sollte im Gespräch mit jedem Portal-Anbieter gezielt nachfragen, welcher Teil des Angebots tatsächlich beschleunigt wird und welcher Teil, wie Palm es selbst einräumt, weiterhin reguläre Projektzeit benötigt.

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Digital Innovation Bash 2026

22. September 2026, ab 16:00 Uhr

Sunzinet, Schanzenstraße 23, Köln

Teilnahme kostenlos, Einreichung eines Prozessproblems vorab erforderlich: lp.sunzinet.com/digital-innovation-bash-2026

Panel: Dr. Frank Obermaier (KölnBusiness), Marina Reufels (Niedax Group), Denis Schmischke (SIMONSWERK, Referenzkunde von Sunzinet), Moderation: Christoph Burseg (BCDC GmbH)

Anschluss: DMEXCO, 23. bis 24. September 2026, Köln

E-Commerce – Agentur – KundenportalHeiner Sieger
ist Chefredakteur des e-commerce magazins und des Digital Business Magazins.

Bildquelle: WIN-Verlag