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Zollkrieg Digitale Services: Mögliche Zölle der EU auf US-Konzerne

Ein Gastkommentar von Rainer Vehns 2 min Lesedauer

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Die geplanten Zölle auf alle in die USA eingeführten Produkte verlangen eine Reaktion der Europäischen Union. Zur Diskussion steht dabei unter anderem, digitale Services zu besteuern. Die Maßnahme soll natürlich Tech-Konzerne aus den USA treffen.

(Bild: Angelov/Adobe Stock)
(Bild: Angelov/Adobe Stock)

Im Fokus der Betrachtung, digitale Services zu besteuern, stehen die „Hyperscaler“ aus den USA, das heißt Cloud-Anbieter, die im großen Umfang in Europa zum Betrieb von IT-Infrastruktur und -Services eingesetzt werden. Der Markt wird vorwiegend von Amazon Web Services (AWS), Microsoft und Google dominiert. Aber würden Steuern auf digitale Services wirklich diese Tech-Giganten treffen, und ist es damit auch eine europäische Kampfansage an diese Cloud-Anbieter?

Leider nein. Diese Cloud-Anbieter sind mittlerweile in fast allen Unternehmen eingesetzt, teilweise in sehr großem Umfang. Ein Wechsel auf andere Anbieter bedarf oftmals eines großen Programms, das durchaus einige Jahre dauern kann. Kurzfristig wäre die deutsche Wirtschaft den Mehrkosten von möglichen, erhobenen Steuern gnadenlos ausgeliefert, und ein wirtschaftlicher Schaden wäre enorm. Gerade die krisengebeutelten Unternehmen in Deutschland müssten weitere Kostensteigerungen in der IT abfangen – weitere Sparprogramme wären nahezu unvermeidlich. Ein Erheben von Steuern auf digitale Services wäre ein weiterer, harter Schlag gegen die eigene Wirtschaft.

Digitale Services: Mangel an europäischen Cloud-Anbietern

Darüber hinaus gibt es aktuell noch keine alternativen Cloud-Anbieter in Europa, die einen ähnlichen Service-Umfang anbieten können wie die US-Hyperscaler. Europäische Cloud-Initiativen wie Gaia-X, vom damaligen Wirtschaftsminister Altmaier noch 2020 als „Europäische Cloud“ angekündigt, gelten als gescheitert. Für eine echte Kampfansage aus Europa reicht es nicht, das würde eher ein Lächeln ins Gesicht von Herrn Trump zaubern. Aber den Kopf in den Sand stecken müssen wir in Europa dennoch nicht, wir müssen aus der Situation lernen, schnell und konsequent reagieren.

Datensouveränität wird in Europa weiter an Wichtigkeit gewinnen

Das Thema „digitale Souveränität“, insbesondere die Datensouveränität, muss in Europa weiter an Wichtigkeit gewinnen. Europäische Cloud-Anbieter wie OVH, StackIT oder Ionos verfügen zwar noch nicht über den Funktionsumfang und auch nicht über das Investitionsvolumen der Tech-Giganten aus den USA, aber für viele Anwendungsfälle bieten diese Anbieter eine sehr gute Infrastruktur. IT-Entscheidungen müssen resilienter gegenüber politischen Entwicklungen werden. Ebenso bleibt abzuwarten, wie die US-Hyperscaler auf Zöller reagieren würden. Auch sie haben schon die Dringlichkeit von digitaler Souveränität in Europa erkannt und wollen reagieren.

Es ist noch nicht definiert, was „Zölle auf digitale Services von AWS, Google, Microsoft & Co.“ eigentlich bedeuten würden – und auch noch nicht beschlossen. Nach der Interpretation wäre es aber kurzfristig mit Sicherheit ein herber Schlag gegen die europäische Wirtschaft durch steigende IT-Kosten. Als Kampfansage aus Europa scheint diese Maßnahme derzeit nicht ausgereift.

Digitale ServicesRainer Vehns
ist Gründer und Vorstand der codecentric AG. Das Unternehmen entwickelt nachhaltige individuelle Lösungen für Bereichen wie Cloud-Native, Data & KI, Resilienz & IT-Security sowie digitale Produktentwicklung.

Bildquelle: Codecentric

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