Wie eine aktuelle Umfrage des Bitkom zum Stand digitale Souveränität zeigt, sind sich neun von zehn befragten Unternehmen in Deutschland derzeit digital abhängig. 57 Prozent könnten ohne Digitalimporte maximal ein Geschäftsjahr überleben. USA und China sind dabei die wichtigsten Herkunftsländer für digitale Lösungen.
Hardware aus China, Cloud- und KI-Lösungen aus den USA, Chips aus Taiwan oder Industrieroboter aus Südkorea: Die Unternehmen der deutschen Wirtschaft sind weiterhin stark abhängig von digitalen Technologien und Leistungen aus dem Ausland. Gleichzeitig schwindet das Vertrauen, vor allem in die USA. 89 Prozent der Unternehmen, die digitale Güter oder Leistungen importieren, sehen sich davon abhängig – 51 Prozent sogar „stark abhängig“, 38 Prozent „eher abhängig“. Nur vier Prozent wären dauerhaft überlebensfähig, würden diese Importe wegfallen. Damit Europa unabhängiger von Digitalimporten aus dem Ausland wird, haben Deutschland und Frankreich den Gipfel für europäische digitale Souveränität initiiert, der am 18. November 2025 in Berlin stattfindet.
Starke Abhängigkeit der deutschen Wirtschaft von USA und China
Der Digitalverband Bitkom hat im Vorfeld mehr als 600 Unternehmen ab 20 Mitarbeitern repräsentativ nach ihrer Abhängigkeit von ausländischen Technologien und Services befragt – und welche Risiken daraus entstehen. Demnach ist die Abhängigkeit von den USA und China im Laufe dieses Jahres nochmals gestiegen: 51 Prozent der deutschen Unternehmen sehen sich „stark abhängig“ von den Vereinigten Staaten – im Januar 2025 sagten dies noch 41 Prozent. Und ebenfalls 51 Prozent sehen sich „stark abhängig“ von China – ein Zuwachs um sieben Prozentpunkte gegenüber dem Jahresbeginn.
Die deutschen Unternehmen könnten nach eigenen Angaben derzeit lediglich zwölf Monate überleben, sollten sie die Technologien oder Services nicht mehr aus den USA beziehen können – mit Blick auf China wären es sogar nur elf Monate. Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst kommentiert: „Deutschland und Europa müssen sich aus einseitigen Abhängigkeiten befreien und ihre digitale Zukunft selbst in die Hand nehmen. Europa muss seine digitale Souveränität mit mehr Entschlossenheit entwickeln. Wir müssen Europa zu einem Ort machen, an dem digitale Technologien nicht nur genutzt, sondern auch entwickelt und in wettbewerbsfähige Produkte und Dienstleistungen übersetzt werden. Der Gipfel für europäische digitale Souveränität sollte dafür den Startschuss geben.“
Digitale Souveränität: Unternehmen benötigen Digitalimporte
Die Abhängigkeit der deutschen Wirtschaft von digitalen Leistungen wird weiter zunehmen.
(Bild: Bitkom e.V.)
Aktuell sehen 93 Prozent der Unternehmen Deutschland stark abhängig (40 Prozent) oder eher abhängig (53 Prozent) von digitalen Technologien und Leistungen aus dem Ausland. Nur zehn Prozent gehen davon aus, dass sich diese Abhängigkeit in fünf Jahren verringert haben wird. Ein Viertel (24 Prozent) rechnet mit einer Fortschreibung des Status quo, 6 von 10 Unternehmen (63 Prozent) rechnen mit einer Zunahme der Abhängigkeit.
Insgesamt kommt kaum ein Unternehmen in Deutschland ohne den Import digitaler Technologien und Leistungen aus (96 Prozent). Ganz oben stehen Endgeräte wie Smartphones oder Notebooks, die 93 Prozent der Unternehmen importieren. Digitale Bauteile und Hardware-Komponenten wie Chips, Halbleiter oder Sensoren beziehen 74 Prozent, Software-Anwendungen 72 Prozent und Cybersicherheits-Anwendungen wie Firewalls 67 Prozent aus dem Ausland. Digitale Geräte und Maschinen, etwa für die Produktion, importieren 60 Prozent der Unternehmen. Digitale Dienstleistungen wie Programmierung von Apps oder IT-Beratung beziehen 41 Prozent von außerhalb Deutschlands. Ein sehr kleiner Anteil der Unternehmen (3 Prozent) weiß teilweise nicht, ob und welche Technologien aus dem Ausland bezogen werden.
USA und China sind wichtigste Herkunftsländer für digitale Lösungen
Ohne den Import digitaler Technologien und Leistungen kömmen deutsche Unteernehmen kaum aus.
(Bild: Bitkom e.V.)
Die wichtigsten Herkunftsländer und -regionen sind die USA und China. 67 Prozent importieren „häufig“ aus den USA, 23 Prozent „in Einzelfällen“, so dass die Vereinigten Staaten für 9 von 10 Unternehmen, die digitale Technologien und Leistungen importieren, ein Handelspartner sind. 58 Prozent importieren „häufig“ aus China, ein weiteres Viertel (25 Prozent) „in Einzelfällen“. Bedeutend aus dem asiatischen Raum ist außerdem Taiwan (21 Prozent „häufig“/ 24 Prozent „in Einzelfällen“). Von dem vergleichsweise kleinen Inselstaat sieht sich fast jedes zweite Unternehmen, das digitale Technologien oder Dienstleistungen importiert, abhängig (49 Prozent, 26 Prozent „stark abhängig“, 23 Prozent „eher abhängig“). Wintergerst erklärt: „Die deutsche Wirtschaft ist vergleichsweise stark von Taiwan abhängig, da Schlüsselindustrien wie die Automobil- und Elektronikbranche auf dort produzierte Hochleistungs-Chips angewiesen sind. Chinas Aggressionen gegen Taiwan bedrohen deshalb direkt die Lieferketten und Produktionskapazitäten in Deutschland.“
Dr. Ralf Wintergerst ist Präsident des Bitkom e.V.
(Bild: Bitkom e.V.)
Ein bedeutendes Bezugsland ist außerdem Japan: Zwölf Prozent der Unternehmen importieren von dort „häufig“, 31 Prozent „in Einzelfällen“. Auch Frankreich – Deutschlands Partner beim kommenden Gipfel in Berlin – ist für die hiesige Wirtschaft wichtig: Jedes zehnte Unternehmen (10 Prozent) bezieht „häufig“ digitale Technologien und Leistungen aus dem Nachbarland und doppelt so viele (20 Prozent) zumindest in Einzelfällen. Das gleiche gilt für die übrige EU (16 Prozent „häufig“/ 28 Prozent „in Einzelfällen“) sowie das Vereinigte Königreich (11 Prozent „häufig“/ 19 Prozent „in Einzelfällen“). Nur ein Prozent der befragten Unternehmen gibt im Übrigen Russland als Handelspartner an. Ralf Wintergerst erläutert: „Digital souverän ist ein Land, das eigene substanzielle Fähigkeiten in digitalen Schlüsseltechnologien besitzt und selbstbestimmt darüber entscheiden kann, aus welchen Ländern es digitale Technologien bezieht.“, betont „Die deutsche Wirtschaft muss sich aus einseitigen Abhängigkeiten befreien und sie muss adäquat reagieren können, wenn sie von Lieferländern unter Druck gesetzt wird.“
Stand: 16.12.2025
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