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Europäischer Gipfel zu Digitaler Souveränität

Digitale Souveränität: Wie dies der deutschen Wirtschaft gelingen kann

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Digitale Souveränität: Hohes Vertrauen in Japan und EU

Das Vertrauen der deutschen Unternehmen in die einzelnen Länder fällt dabei höchst unterschiedlich aus. Zu den Spitzenreitern im Vertrauensranking zählen Frankreich (76 Prozent), Japan (72 Prozent) und die übrigen EU-Länder (68 Prozent). Dahinter folgen UK (58 Prozent), Indien (45 Prozent) und Südkorea (40 Prozent). Dabei haben 58 Prozent mit Blick auf bestehende oder mögliche Geschäftsbeziehungen nur wenig oder kein Vertrauen in Südkorea, bei Indien trifft dies auf 53 Prozent zu. Die hinteren Plätze nehmen die USA und China ein. Noch etwas mehr als ein Drittel (38 Prozent) hat Vertrauen in die Vereinigten Staaten – im Januar waren es noch 51 Prozent. 60 Prozent vertrauen den USA nur wenig oder gar nicht, bei China trifft dies auf 70 Prozent zu. 26 Prozent hegen hingegen Vertrauen in die Volksrepublik – Anfang 2025 lag der Wert ähnlich.

Der Vertrauensverlust in die USA hängt dabei messbar mit der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten vor einem Jahr zusammen. Für 33 Prozent hat sich die Präsidentschaft von Trump bislang direkt oder auch indirekt „sehr negativ“ auf das eigene Unternehmen ausgewirkt, weitere 46 Prozent sprechen von „eher negativen“ Auswirkungen. Bei 19 Prozent gab es keine Auswirkungen, für kein einziges Unternehmen hat sich die Lage seither zum Besseren gewendet. „Die Unberechenbarkeit und der Protektionismus der US-Regierung verunsichern deutsche Unternehmen – viele spüren die Folgen bereits unmittelbar. Für Europa ist das ein weiterer Weckruf, die eigene digitale und wirtschaftliche Souveränität voranzutreiben“, betont Wintergerst. Fällt der Blick nicht auf das eigene Unternehmen, sondern auf Deutschland als Ganzes, bewerten die Unternehmen die USA gleichwohl mehrheitlich als verlässlichen Partner für die Bundesrepublik (52 Prozent).

Deutsche Bürger fordern mehr Unabhängigkeit vom Ausland

In einer weiteren Studie hat Bitkom anlässlich des Gipfels für europäische digitale Souveränität die Sicht der deutschen Bevölkerung auf das Thema und das Verhältnis zu den USA und China ermittelt. Dazu wurden mehr als 1.100 Personen repräsentativ befragt. Auch hier sagt eine Mehrheit von 59 Prozent, dass die USA ein verlässlicher Partner für Deutschland seien – mit Blick auf China nehmen dies 42 Prozent an. Gleichwohl ist die Abhängigkeit bei digitalen Technologien für eine überwiegende Mehrheit sehr präsent: 44 Prozent der Bundesbürgerinnen und Bundesbürger halten Deutschland für „sehr abhängig“ und 50 Prozent für „eher abhängig“ vom Import aus dem Ausland. 

98 Prozent – und damit praktisch alle – halten es für wichtig, dass Deutschland bei wichtigen digitalen Technologien unabhängiger wird. Wintergerst betont: „Die Menschen in Deutschland haben den Ernst der Lage verstanden: Fast alle wünschen sich mehr Unabhängigkeit bei digitalen Schlüsseltechnologien. Das Vertrauen in Partner wie die USA oder China hat zuletzt stark gelitten. Die Stärkung unserer digitalen Souveränität und Wettbewerbsfähigkeit gehört in den kommenden drei Jahren der Legislaturperiode ganz oben auf die Agenda.“

Sorgenvoller Blick der deutschen Wirtschaft in Richtung USA

Die deutsche Wirtschaft blickt mit Sorge insbesondere in die USA. 99 Prozent der Unternehmen sehen weitere finanzielle Belastungen durch Strafzölle oder Sanktionen als Risiko, 56 Prozent fürchten Exportbeschränkungen und 49 Prozent einen Austritt der USA aus internationalen Organisationen wie der NATO oder der WTO. Die damit verbundenen ökonomischen Risiken werden von den Unternehmen gewichtiger eingeschätzt als digitale Risiken: Einen Zugangsverlust zu Software- und Plattformdiensten fürchtet jedes zweite Unternehmen (49 Prozent), einen erzwungenen Abfluss sensibler Unternehmensdaten an US-Behörden 41 Prozent. 37 Prozent sorgen sich vor einem erschwerten Zugang zu Technologien wie Chips oder KI-Systemen. Einschränkungen bei Cloud-Services sehen nur 14 Prozent als Gefahr. Wintergerst: „Der europäische Tech-Markt ist weiterhin attraktiv und trägt einen erheblichen Teil zu den Umsätzen von Technologiekonzernen bei. Die US-Unternehmen brauchen Europa als Kunden. Dennoch brauchen wir eigene europäische Angebote, um nicht erpressbar zu sein.“

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Gipfel für europäische digitale Souveränität stößt auf großen Zuspruch

86 Prozent der Unternehmen begrüßen den Gipfel für europäische digitale Souveränität. 92 Prozent meinen, Deutschland und Frankreich sollten eine Führungsrolle bei der Stärkung der digitalen Souveränität Europas einnehmen und 82 Prozent betonen, eine enge deutsch-französische Zusammenarbeit im Digitalbereich stärke die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Wirtschaft insgesamt. Auch für Deutschland gibt es aus Sicht der Wirtschaft einiges zu tun: 94 Prozent fordern verstärkte Investitionen in Schlüsseltechnologien, 62 Prozent den Aufbau europäischer Hyperscaler, also großer Cloud-Anbieter. Wintergerst: „Nur wer über eigene Kompetenzen verfügt, kann international auf Augenhöhe agieren – und dafür muss Deutschland seine Position gezielt stärken.“

Auch aus Bitkom-Sicht braucht es dazu den Aufbau einer leistungsfähigen Cloud- und Rechenzentrums-Infrastruktur in Deutschland und Europa. Wichtig sei für die digitale Souveränität der Aufbau eigener Fähigkeiten bei den Schlüsseltechnologien künstliche Intelligenz, Quantumcomputing, dem Industrial Metaverse und der IT-Sicherheit. Auch der Ausbau Deutschlands zu einem Zentrum der Chip-Fertigung gehöre dazu. Nationale Maßnahmen müssten dabei eng mit Aktivitäten auf EU-Ebene verzahnt werden. Dabei gehe es nicht nur darum, im internationalen Subventionswettbewerb zu bestehen. „Entscheidend sind verlässliche Rahmenbedingungen, gut ausgebildete Fachkräfte und eine Verwaltung, die Investitionen beschleunigt statt bremst“, so Wintergerst.
Auch die Einführung der European Digital Identity Wallet müsse vorangebracht werden. „Die EUDI-Wallet ist ein zentrales Instrument zur Stärkung der digitalen Souveränität. Sie ermöglicht Bürgerinnen und Bürgern sowie Unternehmen, Identitätsdaten und digitale Nachweise sicher, selbstbestimmt und grenzüberschreitend zu organisieren“, betont Wintergerst. Auf dem Gipfel am 18. November werden erste Implementierungen der EUDI-Wallet präsentiert. Auf Initiative und unter Vermittlung des Bitkom haben mehr als 60 Unternehmen eine Absichtserklärung unterzeichnet, Anwendungen für die EUDI-Wallet zur Verfügung zu stellen.