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Elektronische Patientenakte ePA: Verbesserte Patientenversorgung oder Schrumpelbananen-Software?

Von Konstantin Pfliegl 4 min Lesedauer

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Die elektronische Patientenakte (ePA) soll in Sachen Digitalisierung der große Wurf werden. Informatiker und Juristen kritisieren veraltete Technik und eine Abschaffung der ärztlichen Schweigepflicht.

(Bild:  Zerbor / Adobe Stock)
(Bild: Zerbor / Adobe Stock)

In wenigen Wochen ist es soweit – im Januar 2025 startet für die rund 73 Millionen gesetzlich Krankenversicherten in Deutschland die elektronische Patientenakte (ePA). Die ePA soll den Austausch und die Nutzung von Gesundheitsdaten zwischen allen behandelnden Leistungserbringern verbessen und laut Bundesgesundheitsministerium „so gezielt die Versorgung der Patienten unterstützen“.

Zum Start kann die ePA mit der App der Krankenkassen über ein Smartphone oder Tablet von Patienten mit Dokumenten, Arztbriefen, Befunden et cetera befüllt werden. Die Daten werden in der ePA verschlüsselt abgelegt, so das Bundesgesundheitsministerium. Der Zugriff auf die ePA erfolgt über die sogenannte Telematikinfrastruktur (TI), ein sicheres, in sich geschlossenes Netz. Die Telematikinfrastruktur ist die gemeinsame Plattform für Gesundheitsanwendungen in Deutschland.

ePA: Sicherheitslücken und veraltete Komponenten

Betrieben wird diese Telematikinfrastruktur vom Unternehmen gematik, die sich als „Nationale Agentur für Digitale Medizin“ bezeichnet. Das Bundesgesundheitsministerium spricht bei der TI von einer „verlässlichen, sicheren und umfassenden digitalen Infrastruktur“.

Ganz anders sieht es die Freie Ärzteschaft. Auf dem Jahreskongress des Berufsverbands Ende November äußerste der ehemalige Bundesdatenschutzbeauftragte Prof. Ulrich Kelber schwere Bedenken gegen die elektronisch Patientenakte in der jetzt vorgestellten Form. Auf das Gesundheitswesen komme nun eine unvollständig getestete „tiefgrüne Schrumpelbananen-Software“ zu, die in den Praxen reifen solle.

Kelber sei zwar ein „bekennender Fan der Digitalisierung“, kritisierte jedoch Sicherheitslücken, veraltete Technik-Komponenten, die zentrale Datenspeicherung sowie die aktuelle Opt-Out Regelung. Denn: Die ePA bekommt automatisch jeder gesetzliche Versicherte – es sei denn man widerspricht aktiv bei seiner Krankenkasse.

Laut Prof. Kerber bräuchte man einen „akuten Behandlungsplan und eine Langzeitbehandlung“ für das Telematikinfrastruktur-Projekt. Allerdings sehe er weder bei der jetzigen noch bei einer der möglichen zukünftigen Bundesregierungen, dass ein Umsteuern in die richtige Richtung geplant sei.

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