Der neue Industrie 4.0 Barometer zeigt, dass Industrieunternehmen immer mehr Technologien für Industrie 4.0 einsetzen und China sowie die USA ihren Vorsprung ausbauen. Betriebe in der DACH-Region haben eine geringe Investitionsbereitschaft und sind Schlusslicht beim digitalen Zwilling.
Industrie-4-Technologien: Industrieunternehmen setzen international immer mehr auf Industrie 4.0, wobei China und die USA ihren Vorsprung ausbauen können.
Bei Unternehmen in der DACH-Region zeigt sich eine geringe Investitionsbereitschaft, zudem bilden sie das Schlusslicht beim digitalen Zwilling. 84 Prozent der chinesischen Unternehmen hingegen setzen die Technologie in der Logistik ein.
Software-Defined Manufacturing (SDM) wird zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor. Hierbei entsteht Produktionsexzellenz durch Software, Daten und IT-/OT-Architektur.
China gestaltet die Fabrik der Zukunft, während Europa, insbesondere die DACH-Region, mit der Vergangenheit kämpft. Hier bremsen gewachsene IT- und OT-Landschaften sowie fragmentierte Datenstrukturen den Fortschritt. Währenddessen übernimmt China die Spitzenposition in den Bereichen Supply-Chain-Transparenz, digitaler Zwilling, Automatisierung und KI. Auch Indien, Mexiko und die USA modernisieren und implementieren schneller als Unternehmen aus der DACH-Region und dem Vereinigten Königreich. Das sind zentrale Ergebnisse in dem „Industrie 4.0 Barometer 2026“, das die Management- und IT-Beratung MHP in Kooperation mit Prof. Dr. Johann Kranz von der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) veröffentlicht hat.
Geringe Verbreitung von Software-Defined Manufacturing im DACH-Raum
Markus Wambach, Group COO bei der MHP Management- und IT-Beratung GmbH, kommentiert: „Unsere Daten zeigen klar: Während China und die USA ihre Produktion konsequent software- und datengetrieben transformieren, generiert die DACH-Region kein Momentum. Nur drei Prozent der Unternehmen hierzulande sind mit Software-Defined Manufacturing sehr vertraut – in China und Indien sind es 30 Prozent. Wer Produktionssteuerung, Daten und Software nicht strategisch zusammenführt, riskiert seine Wettbewerbsfähigkeit.“
Für das Industrie 4.0 Barometer 2026 wurden mehr als 1.200 Personen aus Industrieunternehmen in der DACH-Region, im Vereinigten Königreich, in den USA, in China sowie erstmals in Indien und Mexiko zu ihrer Einschätzung des Status quo von Industrie 4.0 im eigenen Unternehmen befragt. Die Studie macht Erfolge sichtbar, deckt aber auch Lücken in den abgefragten Themenbereichen auf. Dazu gehören Supply-Chain-Transparenz, digitaler Zwilling, künstliche Intelligenz und Software-Defined Manufacturing (SDM).
Während Unternehmen in China und die USA ihre Produktion konsequent software- und datengetrieben transformieren, generiert die DACH-Region kein Momentum.
Markus Wambach, MHP
Industrie 4.0: Digitalisierungsgrad steigt weltweit auf 68 Prozent
International nimmt der ermittelte Digitalisierungsgrad der Industrie weiter zu: Der Gesamtbarometerwert erhöht sich von 48 Prozent im Jahr 2022 auf heute 68 Prozent in allen Themenbereichen. Allerdings sind dabei zwei Regionen deutlich in Rückstand geraten: DACH stagniert bei 57 Prozent, das Vereinigte Königreich sinkt auf 62 Prozent (-2 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr). Währenddessen erreichen China 72 Prozent (+3 Prozentpunkte), die USA 69 Prozent (+3 Prozentpunkte), Indien 68 Prozent und Mexiko 67 Prozent.
Dr. Johann Kranz, Professor für Digital Services und Sustainability an der LMU München, erläutert: „Weltweit steigt der Digitalisierungsgrad in der Industrie, auch Europa kommt voran. Doch im Ländervergleich setzen USA und China digitale Produktionstechnologien schneller, integrierter und skalierbarer als europäische Unternehmen um. Auch Indien und Mexiko, die wir erstmals mitanalysieren, zeigen teilweise bessere Ergebnisse.“
Industrie 4.0: Ursachen für die stockende Transformation
Wenn die digitale Transformation gebremst wird, dann meist durch technische Schulden: Heterogene Altsysteme, fragmentierte Datenlandschaften und begrenzte Interoperabilität erschweren die Einführung neuer Technologien. Beispielsweise bewerten 42 Prozent der befragten DACH-Unternehmen ihre Datensilos als Hemmnis, 52 Prozent ihre historisch gewachsenen IT-Systeme. Weltweit ist die Lage ähnlich. Diese klassischen Hindernisse werden jedoch in unterschiedlichem Tempo überwunden. Das zeigt sich in der diesjährigen Studie vor allem in den drei Bereichen digitaler Zwilling, künstliche Intelligenz und Software-Defined Manufacturing.
Digitaler Zwilling verbreitet sich schneller als andere Technologien
Besonders bemerkenswert sind diese Differenzen bei digitalen Zwillingen: Der Barometerwert für den Einsatz in Werken und Maschinen steigt von 54 Prozent auf aktuell 62 Prozent, im Anwendungsbereich Logistik von 61 auf 67 Prozent, was auch den größten Sprung von ursprünglich 30 Prozent (2022) darstellt. Damit etabliert sich der digitale Zwilling schneller als jede andere der abgefragten Technologien.
Über alle Anwendungsfelder hinweg nimmt China beim digitalen Zwilling eine klare Spitzenposition ein. Besonders ausgeprägt ist der Logistik-Kontext: 84 Prozent der befragten chinesischen Unternehmen setzen dort partiell oder vollständig auf diese Technologie. Dahinter folgen Mexiko (74 Prozent), Indien (68 Prozent), die USA (61 Prozent) und das Vereinigte Königreich (54 Prozent). Die DACH-Region bildet mit 42 Prozent das Schlusslicht.
DACH steckt im KI-Hype-Gap fest
Auch im Umgang mit künstlicher Intelligenz im Produktionsumfeld nehmen China und die USA eine Vorreiterrolle ein: Bei partiellem oder vollständigem KI-Einsatz liegen die chinesischen Teilnehmer mit 71 Prozent vorn, gefolgt von Indien mit 61 Prozent und den USA mit 57 Prozent. Mexiko (51 Prozent) und das Vereinigte Königreich (48 Prozent) bilden das Mittelfeld, während die DACH-Region mit 37 Prozent hinten liegt.
Die Ergebnisse zeigen, dass viele europäische Unternehmen hier eher vorsichtig agieren. Sie setzen KI bislang nur pilotartig ein, die tiefe Integration in Produktionsprozesse fehlt. Gleichzeitig wird der zukünftige Einfluss von KI hoch eingeschätzt, beispielsweise rechnen 51 Prozent der DACH-Unternehmen mit „erheblichen“ oder „bahnbrechenden“ Auswirkungen in den kommenden fünf Jahren. Diese Lücke verdeutlicht: Ohne solide Grundlagen bei Dateninfrastrukturen, Sensorik und digitalen Zwillingen können smarte Algorithmen nicht produktiv wirken. So bleibt KI in der industriellen Praxis ein Zukunftsversprechen, wird aber kein wirksamer Produktivitätshebel (KI-Hype-Gap).
Stand: 16.12.2025
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