Software-Defined Manufacturing (SDM) als neue Schlüsselkompetenz
SDM entkoppelt die Produktionssteuerung von physischer Hardware und schafft einen zentralen Software-Layer, der die Fertigung flexibel, skalierbar und standortübergreifend macht. CIOs nehmen hier eine Schlüsselrolle ein: Sie werden Architektinnen und Architekten der digitalen Fabrik, verantwortlich für IT-/OT-Integration, Datenkompetenz und Investitionspriorisierung. Unternehmen mit CIO geben signifikant häufiger an, mit dem SDM-Konzept vertraut zu sein (+33,2 Prozent), und integrieren es eher in ihre Gesamtstrategie (+18,4 Prozent).
Zudem steigt die Investitionsbereitschaft (+13,8 Prozent), während die Budgetbindung an Wartungsaufwände sinkt (-26,2 Prozent). Vergleicht man die Vertrautheit mit dem noch jungen SDM-Konzept, sind Indien und China Vorreiter: Die Befragten bescheinigen sich mit jeweils 30 Prozent eine „sehr hohe“ Vertrautheit. In der DACH-Region (3 Prozent) und im Vereinigten Königreich (6 Prozent) ist der Anteil deutlich geringer. Die USA (14 Prozent) und Mexiko (18 Prozent) liegen im Mittelfeld.
Industrie 4.0: Weitere Umbrüche werden erwartet
Durch Digitalisierung und softwaregesteuerte Ansätze erwartet die Mehrheit der Befragten weltweit erhebliche Umbrüche in den kommenden zehn Jahren. 31 Prozent gehen fest davon aus, dass sich ihre Branche grundlegend verändert, und weitere 51 Prozent halten es für wahrscheinlich. Bei dieser Einschätzung gibt es wieder deutliche regionale Unterschiede: In Indien sind 44 Prozent der Befragten überzeugt, dass softwaregesteuerte Ansätze ihre Branche umgestalten, während in der DACH-Region der Anteil lediglich bei 17 Prozent liegt.
Voraussetzung für Digitalisierung ist eine hohe Investitionsbereitschaft: 71 Prozent der Befragten aus Indien geben an, dass ihre Unternehmen bereit sind, erhebliche Ausgaben für neue digitale Technologien zu tätigen. Mexiko (65 Prozent) und die USA (59 Prozent) folgen. Erschreckend ist das Ergebnis für die DACH-Region: Dort liegt die Investitionsbereitschaft bei 29 Prozent.
„Die DACH-Region fokussiert sich stark auf Effizienz und Kostenoptimierung, wodurch strategisches Potenzial für Wachstum, Flexibilität und Innovation häufig ungenutzt bleibt. Derweil verfolgen Emerging Markets wie Indien, China und Mexiko differenziertere strategische Ziele. So setzt beispielsweise Indien aufgrund der historischen Wettbewerbsposition und des globalen Drucks gezielt auf Qualitätssteigerung, um internationale Standards zu erfüllen und neue Märkte zu erschließen“, kommentiert Prof. Dr. Christina S. Reich von der FOM Hochschule für Oekonomie & Management und Managerin bei MHP.
Insgesamt verdeutlichen die Ergebnisse, dass Europa vor einer massiven Modernisierungsaufgabe steht. Der zentrale Hebel für internationale Wettbewerbsfähigkeit liegt im Abbau technischer Schulden, in der Vereinheitlichung von IT-/OT-Strukturen und in der konsequenten Ausrichtung der Produktion auf softwarebasierte, skalierbare Architekturen. SDM wird zum Gradmesser für industrielle Zukunftsfähigkeit – und zum kritischen Erfolgsfaktor im Kontext von Industrie 4.0.
Methodik des Industrie 4.0 Barometer
Das Industrie 4.0 Barometer wird seit 2018 von der Management- und IT-Beratung MHP in Kooperation mit Prof. Dr. Johann Kranz von der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) herausgegeben. Die Ausgabe 2026 analysiert die Aussagen von 1.206 Personen aus Industrieunternehmen in der DACH-Region (200), im Vereinigten Königreich (202), in den USA (200), in China (200) sowie erstmals in Indien (200) und Mexiko (204). Die am stärksten vertretenen Branchen sind der Maschinen- und Anlagenbau sowie die Informations- und Kommunikationstechnologie mit jeweils 13 Prozent, gefolgt von der Automobilindustrie (10 Prozent).
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer kommen aus allen Hierarchiestufen und am häufigsten aus den Fachabteilungen IT (23 Prozent) sowie Produktion (24 Prozent). Der Fragebogen erschließt die vier Themenfelder Technologie, IT-Integration, Strategie und Ziele sowie Hemmnisse und Treiber. Zusätzlich stand diesmal SDM im Fokus. Handlungsempfehlungen und Erfolgsbeispiele aus Anwenderunternehmen sowie Experteninterviews runden die Studie für Entscheiderinnen und Entscheider ab.
Stand: 16.12.2025
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