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KI-Strategie KI made in Bayern – zwischen Bäckerei und Big-Tech-Konzern

Das Gespräch führte Heiner Sieger 10 min Lesedauer

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Bayern soll Europas führender Standort für künstliche Intelligenz und Digitalisierung werden. Digitalminister Dr. Fabian Mehring setzt dabei auf Transferzentren, einen KI-Innovationsbeschleuniger und mehr „Mutbürger“. Die Nachfrage ist enorm: Bei dem Förderprogramm "KI-Transfer Plus" übersteigt sie das Angebot um ein Vielfaches.

(Bild:  © PAngelov/stock.adobe.com)
(Bild: © PAngelov/stock.adobe.com)

Herr Staatsminister, wie wollen Sie sicherstellen, dass auch kleine und mittlere Unternehmen in Bayern von den Chancen der KI profitieren können?

Dr. Fabian Mehring: Genau das zu schaffen ist mein Herzensthema. Gerade im Hinblick auf die Chancen, die in KI und Co. für den Mittelstand in Bayerns Fläche stecken, müssen wir endlich über wohlklingende Sonntagsreden hinaus und ins konkrete Machen hineinkommen. Die zentrale Frage lautet: Wie bringen wir die PS aus Bayerns Spitzenforschung auf die volkswirtschaftliche Straße? Wie werden wir von der KI-Ideenmühle zu echten Champions des KI-Zeitalters?
 In der Vergangenheit stand die bayerische Wirtschaft immer auf zwei Beinen – wir waren stets die Heimat großer globaler Player und das Zuhause unseres einzigartigen bayerischen Mittelstands. 

Genau so muss es auch auf den Märkten der Zukunft sein, wenn wir unseren Wohlstand in die nächsten Jahrzehnte retten wollen. Aktuell investieren beispielsweise Apple, Google und Microsoft in großem Stil in Bayern. Kürzlich haben wir sogar OpenAI und TikTok Shop an die Isar gelockt. Zeitgleich will ich aber auch einen Transmissionsriemen aus den Elfenbeintürmen der Spitzenforschung ins Herz des bayerischen Mittelstands spannen.

Dazu haben wir unser Erfolgsprogramm KI-Transfer-Plus ins Leben gerufen – acht über Bayern verteilte KI-Regionalzentren in Kooperation mit Hochschulen. Daran können kleine und mittelgroße Unternehmen aller Branchen teilnehmen und gehen innerhalb von neun Monaten mit einem konkreten Anwendungsfall für ihren Betrieb wieder nach Hause. Vom Steuerberater über den Bus- und Bauunternehmer bis zum Automobilzulieferer – unser Angebot spricht die komplette Breite der bayerischen Wirtschaft an.

DER GESPRÄCHSPARTNER

Dr. Fabian Mehring ist seit 8. November 2023 Staatsminister beim Bayerischem Staatsministerium für Digitales.

KI
(Bild: Andreas Gebert)

Sind neun Monate angesichts der schnellen technologischen Entwicklung nicht zu langsam?

Die Erfahrung zeigt: Ohne unsere Unterstützung würden die Unternehmen wesentlich länger benötigen oder sich erst gar nicht auf den Weg ins KI-Zeitalter machen. Stattdessen treffe ich jetzt viele der teilnehmenden Unternehmer mit leuchtenden Augen an, wenn sie nach dem ersten Projekt erkennen, welche Wirkung KI für ihr Unternehmen entfalten kann. So muss es laufen: Wir geben als Staat den initialen Impuls und zeigen auf, was machbar ist. Statt den großen Sprachmodellen aus USA und Asien hinterherzulaufen, bauen wir Lösungen für konkrete Anwendungen, die dem Mittelstand helfen.

Wie tragen Sie dazu bei, KMU konkret beim Aufbau von Kompetenzen im Bereich KI zu unterstützen? Welche Steigbügelhilfen bietet das Digitalministerium den KMU?

Wir haben in Bayern eine 5,5 Milliarden schwere Hightech-Agenda aufgesetzt. Damit haben wir 1.000 neue Professuren, darunter 134 Professuren für KI, und 13.000 neue Studienplätze vorwiegend aus den MINT-Bereichen geschaffen. Auf diese Weise wollen wir Bayern zur Heimat für High-Tech machen und unseren Freistaat zu einem Top-Standort für die Zukunftstechnologien im Herzen von Europa entwickeln. Und das Schöne ist: Die Realität zeigt, dass die Vision aufgeht. Bayern ist inzwischen Deutscher Meister bei den Start-ups. Damit haben wir Berlin überholt, und die Digital-Start-ups haben dabei das höchste Finanzierungsvolumen. Das Netzwerk UnternehmerTUM in München ist inzwischen sogar das erfolgreichste und beste Ökosystem für Gründungen in ganz Europa.

Wir wollen Bayern zur Heimat für High-Tech machen und unseren Freistaat zu einem Top-Standort für die Zukunftstechnologien im Herzen von Europa entwickeln.

Dr. Fabian Mehring

Welche Empfehlungen haben Sie für KMU zum Einstieg in die Technologie KI?

Entscheidend ist es, schnell konkret zu werden. Also: Rauskommen aus dem Modus nur über mögliche Chancen zu reden und reinkommen ins konkrete Machen – in nützliche Anwendungen für den täglichen Geschäftsbetrieb. Davon profitieren alle Branchen. Es gibt Lösungen für sämtliche Bereiche. Kleine Bäckereien profitieren genauso von KI wie große Stahlkonzerne. 

Und darüber hinaus?

Der erste Zugang besteht meistens darin, die Dinge, die auf dem Markt sind, einfach mal auszuprobieren - wie etwa ChatGPT. Das bringt erfahrungsgemäß schon einen enormen Erkenntniseffekt, wenn man feststellt, was alles möglich ist. Sobald die Begeisterung einmal geweckt ist, wird man sich auch trauen, erste Anwendungen ins eigene Unternehmen zu integrieren. Genau hier setzen unsere Programme an. 

Grundsätzlich ist es dabei wichtig, seine Daten gut aufzubereiten und entsprechend zu strukturieren. Oft müssen auch manche Prozesse im Unternehmen erst noch digitalisiert werden. Bei alledem unterstützen wir ab sofort auch mit unserem bayerischen KI-Innovationsbeschleuniger. Er soll als eine Art Schutzschirm vor EU-Bürokratie wirken, der es ermöglichen wird, neue Anwendungen erstmal auszuprobieren, ohne gleich allen möglichen Regeln der KI-Verordnung unterworfen zu sein.

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