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KI-Projekt in den USA Rechenzentren: Was Stargate für die Branche bedeutet

Ein Gastbeitrag von Jerome Evans 3 min Lesedauer

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Der neue US-Präsident Donald Trump hat nach seiner Amtseinführung das Projekt Stargate mit einem Investitionsvolumen von 500 Milliarden US-Dollar angekündigt. Hierbei sollen in den USA Rechenzentren für KI unter Beteiligung von SoftBank, OpenAI, Oracle und Nvidia entstehen.

(Bild: Real/Adobe Stock)
(Bild: Real/Adobe Stock)

Von null auf hundert in einem Wimpernschlag: Donald Trump verschwendet keine Zeit und tritt quasi sofort voll aufs Gas. Umgehend nach seiner erneuten Amtseinführung hat er einige Projekte in die Wege geleitet – darunter „Stargate“: Kurz gesagt ein Projekt, das ein Volumen von 500 Milliarden Dollar umfasst und in erster Linie in künstliche Intelligenz und dafür vorgesehene Rechenzentren fließen soll. Auf den ersten Blick hat diese Entwicklung Einfluss auf die gesamte Branche. Indirekt wirkt sich das Projekt zudem auf andere Bereiche wie zum Beispiel die Energieversorgung aus.

Der Startschuss für KI-Rechenzentren ist gefallen

Das Silicon Valley gilt als weltweit bedeutendster Standort der IT- und Hightech-Industrie und ist Zentrum der digitalen Innovationskraft der USA: Neben innovativen Startups sorgen Mega-Projekte wie Stargate dafür, dass Europa und vor allem Deutschland im Technologie-Wettbewerb zunehmend das Nachsehen haben. Einerseits liegt das an der höheren Investitionsbereitschaft amerikanischer Risikokapitalgeber im Vergleich zu europäischen Private-Equity-Firmen. Andererseits gibt die signifikant größere Kapitalmenge, welche in den USA verfügbar ist, den Ausschlag.

Aufgrund der großen Nachfrage nach Rechenzentrums-Ressourcen, welche maßgeblich durch KI-Anwendungen getrieben wird, steigt auch die Nachfrage in Europa beträchtlich. Dennoch ist zu erwarten, dass europäische Unternehmen primär Daten aus europäischen Datenzentren konsumieren möchten. Dies kann regulatorische Gründe haben, aber auch die reine Latenz zwischen den Nutzern einer Applikation und den Server-Anwendungen spielt hier eine wichtige Rolle.

Energiefresser „in the Making“

Nachdem der deutsche Markt Rechenzentren in den vergangenen Jahren eine bedeutende Zunahme an Rechenleistung aufgebaut hat, kommt es mittel- bis langfristig zu mehr Datacenter-Kapazität im europäischen Ausland. Der Grund liegt darin, dass die in Deutschland zur Verfügung stehende Strommenge nicht ausreichen wird, um den Datenhunger der Rechenzentren zu befriedigen. Getrieben durch künstliche Intelligenz steigt im Umkehrschluss der Bedarf an Rechenzentren exponentiell.

Dieser Anstieg kann kurz- und mittelfristig nicht durch regenerative Energien gedeckt werden, sondern mit hoher Wahrscheinlichkeit nur durch Nuklear-erzeugte Energie. Bedeutet: Deutschland müsste Strommengen in einem höheren Umfang importieren, damit genügend Stromressourcen für den Betrieb der Rechenzentren zur Verfügung stehen würden. Doch das Thema Energie wird sich auch auf andere Branchen auswirken – und auf die Verbraucher.

Rechenzentren: Rosige Aussichten ade?

Durch die hohe Stromnachfrage und die limitierte Strom-Produktion könnte es zu langfristig steigenden Preisen kommen. Dies wird nicht nur die Standort-Bedingungen für Rechenzentren in Deutschland verschlechtern, sondern auch insgesamt das produzierende Gewerbe belasten. Für Verbraucher ergeben sich dadurch möglicherweise negative Auswirkungen auf die Inflationsrate. Dementsprechend bedeutet das Trump-Vorhaben nicht nur für die Betreiber von Rechenzentren, sich in Acht zu nehmen.

Für Colocation-Anbieter aus Deutschland ist es elementar, den Wettbewerbern aus den USA und Asien den europäischen Markt nicht kampflos zu überlassen. Es erfordert daher einen gewissen Mut, Rechenzentren in entsprechender Größenordnung zu entwickeln. Diese sind mit hohen Investitionskosten verbunden, welche sich erst langfristig amortisieren. Weil aber die Nachfragesituation weiter an Dynamik gewinnen wird, wären dies kluge Investitionen. Neben der Investitionsbereitschaft europäischer Kapitalgeber kommt es aber auch auf die Rahmenbedingungen an: Die Europäische Union beziehungsweise die deutsche Regierung müssen Unternehmen besser unterstützen. Wie könnte das aussehen?

Wie Europa mithalten kann

Zu den Hebeln gehören beschleunigte Genehmigungsverfahren für den schnellen Ausbau der Strominfrastruktur. Aber auch bessere Finanzierungsbedingungen für Datacenter-Investoren – günstige Zinsbedingungen beispielsweise durch Förderprogramme – bewirken viel. Um den Anschluss im KI-Wettrennen nicht zu verlieren, wäre es zudem wichtig, dass sogenannte AI-Datacenter auch in Deutschland beziehungsweise Europa zwingend umgesetzt werden müssen. Dies sind Rechenzentren, die eine Kapazität von mindestens 100 Megawatt haben und mit Investitionsvolumina von bis zu einer Milliarde Euro und mehr einhergehen.

In den USA hat Meta beispielsweise ein Datacenter mit einer Kapazität von 1.000 Megawatt angekündigt und möchte hier bis zu 60 Milliarden Dollar investieren, um den Ressourcen-Bedarf von KI-Workloads zu decken. Tatsächlich zeigen solche Projekte auf, wie auch in Deutschland und Europa eine innovationsfreundliche Tech-Landschaft entstehen kann.

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RechenzentrenJerome Evans
ist Geschäftsführer der firstcolo GmbH. Seit über 15 Jahren befasst er sich mit IT-Dienstleistungen, speziell Datacentern und kümmert sich um den Aufbau und Betrieb von Rechenzentren.

Bildquelle: firstcolo GmbH