Nach 1988 findet die Herren-Fußball-Europameisterschaft erneut in Deutschland statt. Auch wenn die Vorfreude ist groß, zieht sie leider nicht nur die internationale Aufmerksamkeit der Sportfans auf sich, sondern lockt auch Cyberkriminelle an. Die Experten Lorenz Kuhlee und Markus Epner empfehlen drei Maßnahmen, um die Cybersicherheit während der EM 2024 zu verbessern.
(Bild: Looker Studio/Adobe Stock)
1. Wachsam sein und Unregelmäßigkeiten ernst nehmen
Lorenz Kuhlee ist Experte für Cybersicherheit bei der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC Deutschland.
(Bild: PwC Deutschland)
„Großevents wie die Fußball-Europameisterschaft sind komplexe Veranstaltungen, die zahlreiche Einfallstore für Cyberkriminelle bieten. Diese setzen häufig auf die Korrelation verschiedener Angriffe. Während jedes Ereignis für sich genommen vielleicht keine große Bedrohung darstellt, entsteht in der Kombination ein weitaus bedrohlicheres Szenario, vor allem wenn sie von einem einzelnen Akteur ausgehen“, erklärt Lorenz Kuhlee, Director bei PwC Deutschland.
Auch in Kombination mit den aktuellen geopolitischen Spannungen sei die gesamte Wertschöpfungskette des Turniers einer potenziell erhöhten Gefahrenlage ausgesetzt. Kuhlee gibt folgende Empfehlung: „Wichtig ist, dass alle Beteiligten in den kommenden Wochen besonders wachsam agieren und die verbleibende Zeit zur Vorbereitung auf Cyber- und Krisenfälle nutzen. Langfristig wird es immer wichtiger werden, dass öffentliche Institutionen, Veranstalter und Unternehmen über konkrete Cyber-Szenarien sprechen und sich gemeinsam darauf vorbereiten.“
Für erhöhte Cybersicherheit Monitoring-Systeme einsetzen
Neben den unmittelbar an Krisenreaktionsplänen beteiligten Mitarbeitenden sollte das Personal entlang der gesamten Wertschöpfungskette – vom Verkehrsdienstleister über den Ticketkontrolleur bis zur Führungskraft im Verein – für Unregelmäßigkeiten sensibilisiert werden. „Das kann in Hinblick auf das kurze Zeitfenster bis zur EM pragmatisch via Rundmail oder Ansprache in größeren Meeting-Runden erfolgen. Wichtig ist, dass alle Mitarbeiter etwaige Hinweise auf Cyberattacken ernst nehmen und unmittelbar melden – angefangen bei verdächtigen E-Mails bis hin zu Unregelmäßigkeiten in den Software-Systemen der jeweiligen eingesetzten Infrastruktur“, so Kuhlee.
Außerdem könnten Unternehmen ihre Cybersicherheit massiv unterstützen, indem sie erweiterte Monitoring-Systeme einsetzen, die den Netzwerkverkehr, Benutzeraktivitäten und Anomalien in Echtzeit überwachen. Darüber hinaus ist es empfehlenswert, Threat-Intelligence-Dienste einzusetzen, um über aktuelle Bedrohungslagen informiert zu sein und schnell entsprechende Maßnahmen ergreifen zu können.
2. Krisenreaktionspläne gründlich prüfen und testen
Markus Epner ist Experte für Krisenmanagement und Head of Academy bei F24, einem Software-as-a-Service-Anbieter für Resilienz.
(Bild: F24 AG)
Krisenreaktionspläne sind strukturierte Verfahren, die Unternehmen im Falle eines Cyberangriffs oder anderer Störungen anwenden können, um den auftretenden Schaden zu minimieren und ihre Systeme schnell wiederherzustellen. Gerade im Kontext von Großveranstaltungen wie der EM sollten diese Pläne geprüft und bei Bedarf aktualisiert werden. „Cyberangriffe stellen die handelnden Akteure meist vor eine komplexe Krisensituation. Ein fortschrittliches Krisenmanagement muss nicht nur in der Lage sein, schnell und effizient Alarmierungen auszulösen, sondern auch umfassende Werkzeuge zur Verfügung stellen, um die Krise adäquat zu bewältigen“, erklärt Markus Epner, Krisenexperte und Head of Academy bei der F24 AG. „Durch die Integration spezialisierter Krisenmanagementsoftware können Unternehmen sicherstellen, dass alle relevanten Informationen zentralisiert, die Kommunikationswege optimiert und die notwendigen Schritte zur Eindämmung und Lösung der Krise effizient koordiniert werden.“
Tools für das Krisenmanagement erhöhen Cybersicherheit
Im Idealfall sollten Unternehmen die Effektivität ihrer Pläne mit Simulationen und Übungen vorab testen und etwaige Schwachstellen dabei ausbessern. Dazu zählt, Prozesse durchzugehen, Erreichbarkeiten zu garantieren und auch vermeintliche Kleinigkeiten durchzuspielen, wie etwa Urlaubsvertretungen. „Schon die Tatsache, dass Mitglieder eines Krisenstabs im Vorfeld nochmal in ihre wichtigsten Tools zum Krisenmanagement geschaut haben, ihre Zugangsdaten finden und die wichtigsten Funktionen kennen, kann einen relevanten Unterschied machen“, verrät Markus Epner.
Zu berücksichtigen sei auch, dass im Falle eines erfolgreichen Cyberangriffs interne Kommunikationswege wie E-Mail oder IP-Telefonie eingeschränkt sein könnten. „Zur zuverlässigen Planung gehört deshalb auch, dass resiliente Kommunikationstools zum Einsatz kommen, die unabhängig von den eigenen Systemen laufen. Damit stellen die Beteiligten sicher, dass sie alle relevanten Akteure zuverlässig erreichen, Verantwortlichkeiten im Krisenfall geregelt sind und sie den aktuellen Bedrohungsszenarien standhalten können“, so Epner.
3. Technische Schwachstellen identifizieren
Wo im Unternehmen sind digitale Technologien im Einsatz? Welche Einfallstore können Störungen verursachen und inwieweit hängen diese womöglich zusammen? Welche Blind Spots existieren? Fragen wie diese sollten Verantwortliche entlang der gesamten Wertschöpfungskette so kurz vor dem Turnier unbedingt beantworten können.
„Regelmäßige Schwachstellen-Scans und Penetrationstests gehören mittlerweile zum Standardrepertoire der Cybersicherheit, weil sie dabei helfen, technische und organisatorische Schwachstellen frühzeitig aufzudecken“, sagt Lorenz Kuhlee von PwC Deutschland. „In Hinblick auf die EM und andere künftige Großveranstaltungen kann es außerdem sinnvoll sein, zusätzliche Coachings und Workshops abzuhalten, um das Personal als erste Verteidigungslinie im Umgang mit möglichen Gefahren weiterzubilden und zu sensibilisieren. Dabei hilft es, Bedrohungsszenarien zu entwickeln und Planspiele, sogenannte Tabletop Exercises, durchzuführen, um die Reaktion auf verschiedene Angriffsszenarien zu testen und zu verbessern.“
Stand: 16.12.2025
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