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Interview zum Firmenjubiläum Stackable: Fünf Jahre Open Source und schlankes Setup

Das Gespräch führte Stefan Girschner 6 min Lesedauer

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Alles begann in einer Corona-WG, und ein Roboter musste bei der Gründung helfen: Der Start von Stackable war ziemlich holprig. Fünf Jahre später nutzen nicht nur Unternehmen weltweit die Datenplattform, das Startup berät auch die Europäische Kommission beim Cyber Resilience Act und ist als CNA zugelassen.

(Bild:  ©  usman/stock.adobe.com)
(Bild: © usman/stock.adobe.com)

Von der Schulbank über die Uni bis zum eigenen Unternehmen: Lars Francke und Sönke Liebau kennen sich seit Jugendtagen. Mit der Gründung von Stackable im Jahr 2020 ermöglichen sie es Unternehmen, komplexe Datenarchitekturen flexibel, sicher und transparent aufzubauen. Heute, fünf Jahre später, ist die Stackable Data Platform weltweit im Einsatz – unter anderem in der Finanz- und Gesundheitsbranche. 

Der Anbieter gehört zu den wenigen deutschen Unternehmen, die als CVE Numbering Authority autorisiert sind und bringt sich in europäische Regulierungsdiskussionen ein. Die Lösungen machen IT-Verantwortlichen das Leben leichter – besonders in sicherheitskritischen Umgebungen. Im Interview erklären die Gründer, wie alles in einer Wohngemeinschaft während der Pandemie begann, warum Fördermittel eher bremsen als helfen und was ein einsturzgefährdetes Amtsgericht mit der Firmengründung zu tun hatte.

Die GESPRÄCHSPARTNER

Zum Management-Team von Stackable gehören Co-Gründer und CTO Lars Francke, Co-Gründer und CPO Sönke Liebau sowie Dr. Stefan Igel als COO und Sebastian Amtage als CEO (v.l.n.r.).

Stackable
(Bild: Stackable)

Nach fünf erfolgreichen Jahren am Markt: Wann war für euch der Moment, in dem ihr euch als „richtige Unternehmer“ gefühlt habt?

Lars Francke: Gibt es diesen Moment überhaupt? Vielleicht war es der Punkt, an dem wir gemerkt haben, dass Dinge passieren und wir nichts davon wissen – dass sich Themen parallel entwickeln und wir nicht mehr jedes Detail mitbekommen. Wer dann nicht bereit ist, Verantwortung abzugeben, steht sich selbst im Weg.

Sönke Liebau: Ganz ehrlich – wir sind ziemlich blauäugig gestartet. Wir dachten: Lass uns einfach am Produkt arbeiten und eine gute Datenplattform entwickeln, der Rest ergibt sich. Aber Verträge, Buchhaltung, all der formale Kram – das hatten wir total unterschätzt. Deshalb haben wir recht schnell Sebastian Amtage als Geschäftsführer mit an Bord geholt. Damit konnte jeder wieder das tun, was er am besten kann.

War das Thema Selbstständigkeit bei euch schon früh eine Option?

Sönke Liebau: Es hat sich schon relativ früh entwickelt, ja. Ich war in der Schule ein Jahr über Lars, wir kannten uns mehr aus dem Freundeskreis. IT hat uns beide interessiert, und so haben wir auch irgendwann gemeinsam Informatik studiert. Nach dem Studium ging dann jeder erstmal seinen Weg – Lars mehr in Richtung Technik, ich Richtung Business. Beruflich zusammengefunden haben wir als Berater – und da ging es dann plötzlich ganz schnell. 

Lars Francke: Genau – ich war im Grunde seit 2008 selbstständig, mit einem kurzen Zwischenstopp bei der Global Biodiversity Information Facility in Dänemark. Der Auslöser für Stackable waren dann Workshops in Frankfurt Ende 2019, Anfang 2020, nachdem die freie Version der Datenplattform Cloudera eingestellt wurde. Die Unternehmen, die wir beraten hatten, waren davon direkt betroffen. Und wir dachten: Was Cloudera kann, können wir besser – transparenter, flexibler, und vor allem mit Open Source.

Gründung von Stackable verzögert sich 

Und dann kam der Corona-Lockdown – und die Gründung von Stackable.

Sönke Liebau: So ungefähr. Der Impuls war klar, aber wir wollten es nicht überstürzen. Ursprünglich hatten wir einen Familienurlaub an der Nordsee geplant – aber durch den Lockdown waren die Inseln dicht. Also haben wir mit unseren Familien in Lars' Haus kampiert – was auch mit Kindern erstaunlich gut ging. Acht Wochen Zwangs-WG – und irgendwann saßen Lars und ich abends auf dem Sofa und wussten: Wir machen das jetzt.

Lars Francke: Das mit dem Start hat sich dann trotzdem hingezogen – schuld war die Bürokratie. Ionos war als Investor schon an Bord, aber das Geld konnte erst fließen, wenn wir offiziell im Handelsregister standen. Blöd nur, dass das Amtsgericht Pinneberg gerade einsturzgefährdet war. Ein Roboter hat dort Akten ausgelagert – unser Stapel war offenbar ganz unten. Also mussten wir erst mal abwarten.

Heute arbeitet ihr mit internationalen Kunden und bietet der EU Beratung an – was macht Stackable genau?

Sönke Liebau: Offiziell entwickeln wir eine modulare Datenplattform, die bewährte Data Apps wie Apache Kafka, Trino oder Apache Spark auf Kubernetes orchestriert. In der Praxis bedeutet das: Unsere Kunden können damit große Datenmengen effizient und skalierbar verarbeiten – egal ob sie in der Finanzwelt, in der Forschung oder im Krankenhaus arbeiten. Und das funktioniert auf der ganzen Welt, Unternehmen aus den USA bis nach Malaysia nutzen unsere Lösung.

Lars Francke: Inoffiziell verkaufen wir eine Versicherung. (lacht) Denn unser Modell basiert auf Stabilität und Verlässlichkeit – und dafür stehen wir unseren Kunden 24/7 zur Seite, wenn es nötig ist. Gerade in Kritischen Infrastrukturen ist das entscheidend. Und wir setzen kompromisslos auf Open Source: Der Code ist offen, nachvollziehbar und auditierbar. Das schafft Vertrauen – gerade bei sensiblen Daten und komplexen Systemen. Was anderes kam für uns von Beginn an auch nicht in Frage. Wenn ich während meiner Beraterzeit mit proprietärer Software zu tun hatte und es ein Problem gab, musste ich manchmal ewig auf eine Antwort der Entwickler warten. Bei Open Source kann ich einfach selbst nachschauen, woher eine Fehlermeldung kommt.

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