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Die Freiheit, zu wählen Cloud-ERP: Hybrid als flexibles Betriebsmodell der Zukunft

Ein Gastbeitrag von Ralf Bachthaler 5 min Lesedauer

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Ob Anforderungen an die Verfügbarkeit, Herausforderungen durch verteilte Standorte oder schlicht der Wunsch nach weniger administrativem Aufwand: Ein Cloud-ERP kann viele Vorteile mit sich bringen. Und doch eignet sich die Cloud nicht pauschal für jedermann.

(Bild:  © ImageFlow/stock.adobe.com)
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DARUM GEHT'S

Cloud-ERP: Bietet Flexibilität, Skalierbarkeit und potenzielle Kostenvorteile durch ausgelagerten Betrieb, spezialisierte Security-/Backup-Teams und schnelle Anbindung verteilter Standorte.

Hürden der Cloud: Compliance- und Datenhoheitsanforderungen, begrenzte Individualisierungsmöglichkeiten sowie Abhängigkeit von stabilen, breitbandigen Internetverbindungen.

Hybrides Betriebsmodell: Kernfunktionen (zm Beispiel Core-ERP, Materialwirtschaft, Produktionsplanung) bleiben on-premises; Mehrwertbereiche werden aus der Cloud bezogen – unterstützt durch tiefes Customizing auf Konfigurationsebene.

Cloud-prädestinierte Bereiche: CRM im Standard, erweiterbare Dashboards/Funktionen aus Community-Quellen und KI-Funktionalitäten (inklusive generativer KI/LLMs) profitieren von Cloud-Services und zentralisierter Datenbasis.

Insbesondere in den letzten Jahren hat die Cloud-Technologie eine steigende Nachfrage erfahren. Ein zentrales Argument für die Nutzung eines ERP-Systems aus der Cloud findet sich bereits auf finanzieller Seite: Da sich Unternehmen nicht länger selbst um den Betrieb und die Wartung der Lösung kümmern müssen, profitieren sie von größerer Flexibilität und – insbesondere bei volatilerem Geschäftsverlauf – durchaus auch von Kostenvorteilen.

Die Nutzung eines ERP-Systems aus der Cloud bringt zahlreiche Vorteile mit sich – und doch ist das Betriebsmodell nicht für jedes Unternehmen geeignet. Nicht selten bestehen Hinderungsgründe, die eine Migration in die Cloud erschweren oder gar unmöglich machen.

Ralf Bachthaler, Mitglied des Vorstands bei Asseco Solutions

 Auch im Kontext des anhaltenden Fachkräftemangels ist die Auslagerung des Betriebs eine attraktive Option: Wechselt Fachpersonal, das sich jahre- oder jahrzehntelang um die Wartung und Anpassung der ERP-Lösung gekümmert hat, in den Ruhestand, ist es oft nicht leicht, frei werdende Stellen nachzubesetzen.

Spiegelbildblich dazu ermöglicht es die Nutzung eines Cloud-Services von der Expertise des Cloud-Anbieters zu profitieren. In der Regel verfügt dieser über hochgradig spezialisierte Teams, die sich zentralisiert um Aspekte wie Security, Datensicherheit oder Backups kümmern. Nicht selten lassen sich so Schutz- und Sicherheitsniveaus erreichen, die etwa ein klassischer Mittelständler ohne tiefgehendes Experten-Wissen selbst nur schwer realisieren könnte.

Und schließlich ist auch das Thema Flexibilität ein wichtiges Argument für die Cloud. Cloud-Implementierungen lassen sich bei Bedarf sehr schnell skalieren. Insbesondere in wirtschaftlich volatilen Zeiten kann dies für Unternehmen einen entscheidenden Vorteil bedeuten, etwa wenn globale Veränderungen eine Expansion in neue Märkte erfordern. Neue Standorte – oder generell verteilte Standorte – lassen sich per Cloud-Technologie schnell und einfach anbinden: Es genügt ein Internetzugang und der Standort kann seinen Betrieb aufnehmen; ein Prozess, der im On-Premise-Szenario durch die erforderliche Anbindung an die jeweilige Netzwerkinfrastruktur meist deutlich komplexer ausfällt.

Cloud-ERP ist kein Patent-Rezept

Die Nutzung eines ERP-Systems aus der Cloud bringt zahlreiche Vorteile mit sich – und doch ist das Betriebsmodell nicht für jedes Unternehmen geeignet. Nicht selten bestehen Hinderungsgründe, die eine Migration in die Cloud erschweren oder gar unmöglich machen. Compliance-Vorgaben etwa können hohe Hürden aufstellen, sensible Kunden- oder Firmendaten in externe Rechenzentren zu geben. Abhängig vom genutzten Service-Provider und den Standorten seiner Rechenzentren verlassen übertragene Daten gegebenenfalls den deutschen oder europäischen Rechtsraum und unterliegen dann der Gesetzgebung der Drittstaaten.

Ebenso verlangt die Nutzung einer Cloud-Lösung dem Unternehmen ein gewisses Maß an Anpassungsbereitschaft ab, denn umfassende Anpassungen oder Individualisierungen sind in der Cloud nicht möglich. Für Neugründungen oder Start-ups ist dies meist kein Problem, da sie in der Regel noch nicht über fest definierte Prozesse verfügen und sich daher leicht an den vorgegebenen Abläufen der Cloud-Lösung orientieren können. Für Unternehmen mit langjährig etablierten oder hochgradig spezialisierten Prozessen hingegen kann es schwierig sein, auf einen Standard-Ansatz zu migrieren.

Und schließlich gilt es zu bedenken: Zum reibungslosen Betrieb einer Cloud-ERP-Lösung ist eine stabile Internetverbindung mit hohen Bandbreiten zentral. Insbesondere in eher ländlichen Regionen ist dies jedoch auch heute noch immer keine Selbstverständlichkeit. Für Unternehmen aus Branchen wie der Automobil- und Zulieferindustrie oder der Serienfertigung, in denen Verzögerungen oder Ausfälle hohe Kosten zur Folge haben können, ist die Auslagerung kritischer Systeme dann keine Option.

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