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IT-Budget im Fokus Cloud-Waste: Der unsichtbare Milliarden-Friedhof in der IT

Von Konstantin Pfliegl 8 min Lesedauer

Die Cloud verspricht Einsparungen. Doch Cloud-Waste verschlingt 29 Prozent des Budgets. Sparen heißt hier nicht Kürzen – sondern endlich hinschauen.

(Bild:  © Wiseman/stock.adobe.com)
(Bild: © Wiseman/stock.adobe.com)

EXECUTIVE SUMMARY

Das Problem: 29 Prozent des weltweiten Cloud-Budgets verschwinden ungenutzt. Server laufen, die niemand braucht. Niemand merkt es, bis die Rechnung kommt.

Die Kosten: Bei zehn Millionen Euro Cloud-Budget sind das 2,9 Millionen Euro im Jahr. Geld, das nicht neu beschafft werden muss. Es liegt schon da.

Der Hebel: FinOps macht das Unsichtbare sichtbar. Wer Kosten den richtigen Teams zuordnet, findet die Verschwendung – und kann sie beheben.

Das Risiko: Wer nur einmal aufräumt, gewinnt nur kurz. Ohne feste Regeln wächst die Verschwendung nach wenigen Monaten wieder nach.

29 Prozent. So viel Cloud-Budget verbrennen Unternehmen. Einfach so. Fünf Jahre lang sank dieser Wert. Dieses Jahr steigt er laut dem „2026 State of the Cloud Report“ von Flexera zum ersten Mal wieder. Einer der wichtigsten Gründe: KI-Workloads. Sie sind unberechenbar, schwer zu planen, teuer im Leerlauf.

Die Analysten der Synergy Reserch Group rechnen für 2026 mit weltweiten Umsätzen von knapp 520 Milliarden Dollar für Cloud-Dienste. 29 Prozent davon wären mehr als 150 Milliarden Dollar. Verschwendet, pro Jahr, weltweit.

Viele Finanzchefs in Unternehmen behandeln Cloud-Ausgaben wie die Stromrechnung. Man zahlt, man murrt, man zahlt weiter. Doch diese Haltung kostet bares Geld.

Konstantin Pfliegl, leitender Redakteur e-commerce magazin und Digital Business Magazin

Auch auf Unternehmensebene wird das Problem schnell handfest. Für ein Unternehmen mit zehn Millionen Euro Cloud-Ausgaben im Jahr heißt das: 2,9 Millionen Euro verschwinden im Nichts. Nicht durch schlechte Verträge. Nicht durch zu hohe Preise. Sondern durch Server, die niemand braucht, aber jeder bezahlt.

Hier geht es nicht um Kleingeld, sondern um Millionen-Summen, die sich durch konsequentes FinOps einsparen lassen.

WAS IST FINOPS?

FinOps (Financial Operations) bezeichnet eine Arbeitsweise, die Finance, Technik/Engineering und Business-Teams zusammenbringt, um die Kosten für Cloud-Computing effizient zu steuern und zu optimieren.

Die Abteilungen arbeiten dabei zusammen, um Cloud-Kosten sichtbar zu machen, zu verstehen und gezielt zu steuern. Ziel ist nicht das einfache Sparen um jeden Preis. Ziel ist eine bewusste Abwägung zwischen Kosten, Geschwindigkeit und Wert.

Der Denkfehler: Cloud als Kostenblock, nicht als Kapital-Pool

Viele Finanzchefs in Unternehmen behandeln Cloud-Ausgaben wie die Stromrechnung. Man zahlt, man murrt, man zahlt weiter. Doch diese Haltung kostet bares Geld.

Doch so langsam findet in vielen Unternehmen ein Umdenken statt. Die FinOps Foundation zeigt in ihrem aktuellen State-of-FinOps-Report einen Wandel: 50 Prozent der befragten Praktiker nennen Workload-Optimierung und Waste-Reduktion als wichtigste Aufgabe – noch vor Kostenverteilung und Forecasting. Die Botschaft: Cloud-Spend ist kein Fixkosten-Block. Er ist ein Hebel.

Wer diesen Hebel zieht, finanziert damit zum Beispiel neue Digitalisierungs-Projekte. Und das, ohne einen einzigen Euro neues Budget zu beantragen. Die Berater von McKinsey stützen das mit einer klaren Zahl: Reife FinOps-Programme senken Cloud-Kosten um 20 bis 30 Prozent.

CLOUD-WASTE: Fünf konkrete TO-DOS für Verantwortliche

1. Eine verantwortliche Person benennen: Nicht eine Arbeitsgruppe, nicht eine externe Beratung. Eine Person mit klarem Mandat, die Kosten und Verantwortung zusammenbringt.

2. Cloud-Kosten den Kostenstellen zuordnen: Jede Ausgabe braucht einen Namen – ein Projekt, ein Team, eine Anwendung. Ohne diese Zuordnung bleibt jede weitere Maßnahme Zufallstreffer.

3. Ungenutzte Ressourcen identifizieren und abschalten: Server ohne messbare Auslastung seit 30 Tagen, verwaiste Snapshots, vergessene Testumgebungen. Das sind die schnellsten Erfolge.

4. Rabattmodelle prüfen und anpassen: Reserved Instances und Savings Plans nur für die planbare Grundlast einsetzen. Für schwankende Lasten, insbesondere bei KI, lohnen sich flexiblere Modelle.

5. Feste Regeln statt einmaliger Aktionen etablieren: Automatisches Abschalten von Testumgebungen, regelmäßige Kostenreviews, klare Eskalationswege bei Budget-Überschreitung. Nur so bleiben Einsparungen dauerhaft.

Wo genau das Geld versickert

Knapp ein Drittel der Cloud-Kosten geben Unternehmen also umsonst aus. Doch für was eigentlich? Flexera benennt die Hauptursachen klar: ungenutzte Ressourcen, überdimensionierte Instanzen und ungenutzte Rabattverträge.

Das zeigt: Cloud-Waste ist kein Rätsel, sondern ein bekanntes Muster. Server laufen, obwohl niemand sie braucht. Instanzen sind größer dimensioniert, als der tatsächliche Bedarf es verlangt. Rabattverträge liegen ungenutzt in der Schublade, während anderswo teuer zum vollen Preis eingekauft wird. Keine dieser Ursachen erfordert neue Technik. Alle drei lassen sich beheben, sobald jemand hinschaut.

Genau hier liegt die eigentliche Erkenntnis für CFOs. Die größten Hebel sind nicht kompliziert. Sie sind nur unsichtbar. Ein Server, der seit Monaten ungenutzt läuft, verursacht keine Warnmeldung. Er verursacht nur eine Rechnung, die niemand hinterfragt.

Cloud-Waste hat also selten eine einzige Ursache. Meist sind es vier Muster, die sich überlagern:

  • Zombie-Ressourcen: Ein Entwickler startet eine Testumgebung für ein Projekt. Das Projekt endet. Die Umgebung läuft weiter, manchmal jahrelang.
  • Overprovisioning: Aus Vorsicht bucht man lieber zu große Server als zu kleine.
  • Falsch verteilte Rabatte: Reserved Instances und Savings Plans sparen viel Geld. Aber nur, wenn man sie richtig einsetzt. Viele Unternehmen kaufen sie falsch oder gar nicht.
  • Fehlende Verantwortung: Wenn niemand die Kosten seinem Budget zurechnen kann, fühlt sich auch niemand verantwortlich. Erst volle Kostenzuordnung, dann Optimierung. Ohne Sichtbarkeit bleibt jede Sparmaßnahme Stückwerk.

Diese vier Muster verstärken sich oft gegenseitig. Ein überdimensionierter Server, der niemandem zugeordnet ist, bleibt Jahre unentdeckt. Eine ungenutzte Testumgebung ohne Kostenstelle fällt keinem Budget zur Last. Bis die Gesamtrechnung am Jahresende auffällt. Genau diese Kombination macht Cloud-Waste so hartnäckig: Er versteckt sich nicht in einer einzelnen Position, sondern verteilt sich über hunderte kleine Posten, die einzeln kaum auffallen.

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