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Chatbots Copilot: Der Kampf um die Delegationsschicht

Ein Gastbeitrag von Dr. Joerg Storm 7 min Lesedauer

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Microsoft erfüllte mit der Entwicklung der Copiloten fast alle Voraussetzungen, den KI-basierten Arbeitsplatz zu dominieren. Nun zielt der Copilot auf etwas Wertvolleres, als es die besten Chatbots anderer Hersteller bieten können.

(Bild:  © khunkornStudio/stock.adobe.com)
(Bild: © khunkornStudio/stock.adobe.com)

Darum geht’s

Microsoft Copilot soll Mitarbeiter bei der Arbeit nicht nur unterstützen, sondern diese auch sinnvoll verteilen.

Identitäten werden zur Voraussetzung autonomer KI.

KI-Agenten verwandeln Softwarelizenzen zu variablen Betriebskosten.

Microsoft hatte für den Start der generativen KI eine Ausgangslage, von der andere nur träumen konnten: Word, Excel, PowerPoint, Outlook und Teams auf den Arbeitsplätzen von Hunderten Millionen Menschen. Hinzu kommen Azure, das Betriebssystem Windows, eine tiefe Verankerung in der Unternehmens-IT und durch die Partnerschaft mit OpenAI  ein früher Zugang zu führenden KI-Modellen. Trotzdem wurde Copilot nicht das Produkt, das die neue Arbeitsweise mit KI definierte.

Der Microsoft 365 Copilot ist wirtschaftlich keineswegs gescheitert. Mehr als 30 Millionen bezahlte Lizenzen meldete Microsoft zum Ende des Geschäftsjahres 2026. Allein im letzten Quartal hatte sich der Nettozuwachs gegenüber dem Vorquartal mehr als verdoppelt. Doch technologischen Produkten kann etwas Merkwürdiges passieren: Sie können wachsen und gleichzeitig an strategischer Bedeutung verlieren. Genau dieses Risiko hat Microsoft erkannt.

Umbau von Copilot für neue Anwendungen

Microsoft baut Copilot deshalb grundlegend um. Home soll Chat und Cowork bündeln. Word, Excel und PowerPoint wandern direkt in Copilot. Code soll Anwendungen aus natürlicher Sprache erzeugen. Autopilot arbeitet persistent weiter, auch wenn der Nutzer längst etwas anderes tut. Home und Code starten über das Frontier-Programm von Microsoft, Autopilot zunächst als Private Preview. Das sieht nach einer Produktoffensive aus. Tatsächlich verändert Microsoft damit seine strategische Wette.

Der Konzern muss nicht mehr zwingend den besten KI-Assistenten besitzen. Er will die Ebene kontrollieren, auf der entschieden wird, wer oder was eine Aufgabe ausführt, mit welchen Daten, welchen Rechten, welchem Modell und welchem Budget. Für diese Ebene fehlt bislang ein treffender Begriff. Ich nenne sie die Delegationsschicht.

Der Chatbot wird austauschbar

Der erste KI-Wettbewerb drehte sich um Intelligenz. Welches Modell schreibt besser? Welches programmiert besser? Welches versteht mehr Kontext? Diese Fragen bleiben relevant. Aber sie verlieren für Unternehmen an strategischer Haltbarkeit. KI-Modelle verändern sich in Monatsabständen. Leistungsabstände schließen sich. Preise sinken. Neue Anbieter tauchen auf.

Unternehmen, die ihre gesamte KI-Architektur an das jeweils führende Modell hängen, bauen damit auf einen Wettbewerbsvorteil, dessen Halbwertszeit überraschend kurz sein kann.Die wertvolleren Bestandteile liegen deshalb zunehmend oberhalb des Modells. Wer kennt die Unternehmensdaten? Wer versteht Rollen und Berechtigungen? Wer weiß, welche Besprechung mit welcher Datei und welchem Kunden zusammenhängt? Wer kann von einer Aufgabe zur Ausführung wechseln?

Hier besitzt Microsoft etwas, das sich nicht einfach durch ein besseres Sprachmodell kopieren lässt: die bestehende Arbeitsumgebung. Eine E-Mail, ein Teams-Thread, eine Excel-Datei und ein Kalendereintrag sind für ein Modell zunächst Informationsquellen. Innerhalb von Microsoft 365 bilden sie bereits ein Netz aus Identitäten, Beziehungen, Berechtigungen und Arbeitsabläufen. Copilot soll dieses Netz künftig nicht nur lesen. Er soll darin handeln. 

Dass Microsoft zugleich stärker auf Modellvielfalt setzt, passt zu dieser Logik. Microsoft Foundry unterstützt unterschiedliche Modelle; laut Microsoft haben bereits mehr als 10.000 Kunden dort mehr als ein Modell eingesetzt. Das Modell wird zur austauschbaren Rechenkomponente. Kontext und Orchestrierung bleiben.Für CIOs ist das die wichtigere Verschiebung: Die nächste strategische Abhängigkeit entsteht womöglich nicht beim Modellanbieter, sondern bei dem Anbieter, der entscheidet, welches Modell überhaupt zum Einsatz kommt.

Copilot: Identität wird zur Machtfrage

Mit autonomer KI ändert sich zugleich die Sicherheitsfrage. Ein Chatbot kann einen schlechten Vorschlag machen. Ein Agent kann zusätzlich Dateien öffnen, Daten übertragen, Nachrichten senden, Systeme aufrufen oder Prozesse auslösen. Je selbstständiger die Software arbeitet, desto weniger genügt es zu wissen, welcher Mitarbeiter angemeldet ist.Das Unternehmen muss wissen, welcher Agent handelt. Microsoft baut dafür mit Entra Agent ID eine eigene Identitätsschicht für KI-Agenten. 

Agenten können eigene Identitäten erhalten und damit authentifiziert, berechtigt und überwacht werden. Bemerkenswert ist die organisatorische Konsequenz: Microsoft verlangt für Agenten-Identitäten einen Sponsor. Dieser Mensch oder eine verantwortliche Gruppe trägt die geschäftliche Verantwortung für Zweck und Lebenszyklus des Agenten. Technische Administration und geschäftliche Verantwortung werden ausdrücklich getrennt. 

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Das wirkt wie Identitätsverwaltung. In Wahrheit führt Microsoft damit eine neue Kategorie von Organisationsmitgliedern ein. Unternehmen werden künftig nicht nur fragen, welcher Mitarbeiter Zugriff auf ein System hat. Sie müssen zusätzlich entscheiden: Welche Agenten dürfen auf Kundendaten zugreifen? Welche dürfen selbstständig handeln? Wann verfällt ihre Berechtigung? Wer stoppt sie bei einem Sicherheitsvorfall? Und wer entscheidet, ob ein Agent überhaupt noch gebraucht wird?

Damit rückt Identity Management vom technischen Unterbau ins Zentrum der KI-Governance. Microsoft besitzt hier einen strukturellen Vorteil. Der Konzern verwaltet seit Jahrzehnten Benutzerkonten, Geräte, Rollen und Zugriffsrechte. Jetzt überträgt er diese Logik auf autonome Software. Der Wettbewerbsvorteil von Copilot könnte deshalb weniger darin liegen, besonders intelligent zu antworten. Er könnte darin liegen, vertrauenswürdig handeln zu dürfen.