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KI-Technologie aus China – Teil 38 KI-Offensive von China: KI-Agenten als neue Angriffswaffe

Ein Gastbeitrag von Dr. Hans Joachim Fuchs und Dr. Yang Song 7 min Lesedauer

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Künstliche Intelligenz verschärft die Bedrohungen der Cybersicherheit rasant, indem sie autonome Hackerangriffe ermöglicht und die Risiken auf physische Technologien ausweitet. KI-Agenten suchen Schwachstellen, steuern Tools für Angriffe und werten gestohlene Daten aus. Erste dokumentierte Fälle zeigen das enorme Potenzial dieser Angriffsform.

KI-Agenten teilen sich die Aufgaben bei Cyberangriffen. Ein Agent recherchiert das Ziel, andere suchen Schwachstellen, steuern Angriffswerkzeuge oder werten erbeutete Daten aus. (Bild:  Chinabrand/KI-generiert)
KI-Agenten teilen sich die Aufgaben bei Cyberangriffen. Ein Agent recherchiert das Ziel, andere suchen Schwachstellen, steuern Angriffswerkzeuge oder werten erbeutete Daten aus.
(Bild: Chinabrand/KI-generiert)

Mit KI-Agenten beginnt eine neue Entwicklungsstufe der Cyberkriminalität. Während ein Chatbot Informationen liefert oder Programmcode vorschlägt, kann ein Agent mit entsprechenden Berechtigungen Programme ausführen, Schnittstellen aufrufen und Dateien untersuchen. Er bewertet Zwischenergebnisse und wählt weitere Aktionen aus. Mehrere spezialisierte Agenten können zusammenarbeiten. Einer recherchiert potenzielle Ziele, ein zweiter untersucht öffentlich erreichbare Anwendungen, ein dritter analysiert mögliche Schwachstellen und ein vierter kontrolliert den Erfolg vorheriger Aktionen. Dadurch lassen sich große Teile komplexer Angriffsketten automatisieren, Angriffe parallel durchführen und schneller an unterschiedliche Ziele anpassen.

Verbindung technischer Automatisierung mit semantischer Analyse

Die Angriffskette reicht von der Aufklärung über die Untersuchung von Schwachstellen und die Vorbereitung schädlicher Software bis zur Bewegung innerhalb kompromittierter Netzwerke und zur Suche nach wertvollen Daten. Besonders gefährlich ist die Verbindung technischer Automatisierung mit semantischer Analyse. KI kann Dateiinhalte auswerten, technische Zusammenhänge erkennen und relevante Informationen priorisieren. Angreifer müssen erbeutete Dokumente deshalb nicht mehr vollständig selbst sichten. Diese Entwicklung macht hochaktive chinesischsprachige Hackergruppen wie UAT-10147 und TA4922 noch gefährlicher.

Ein erfolgreicher Angriff muss keinen spektakulären Systemausfall verursachen. Für europäische Industrieunternehmen ist vor allem der langfristige, unbemerkte Wissensabfluss gefährlich. Für Angreifer kann es strategisch wertvoller sein, über Monate Zugang zu Forschungsdaten, Konstruktionsunterlagen, Quellcode, Produktionsparametern oder vertraulichen Entwicklungsprojekten zu behalten. Als Zugangspunkte kommen kompromittierte Mitarbeiterkonten, externe Dienstleister, Forschungskooperationen und digitale Lieferketten infrage. KI-Agenten erleichtern dieses Vorgehen, indem sie technische Abhängigkeiten erkennen und Datenbestände gezielt nach relevanten Informationen durchsuchen. Ein langfristiger Angriff wird dadurch nicht zwangsläufig autonom, lässt sich aber mit weniger manueller Arbeit fortsetzen.

KI-Agenten werden selbst zur Schwachstelle

Die Bedrohung geht nicht allein von Angreifern aus, die KI nutzen. Unternehmen schaffen mit ihren eigenen KI-Agenten zusätzliche Angriffsflächen. Wer einem Agenten Zugriff auf interne Dokumente gewährt oder ihn Programme ausführen und mit externen Plattformen kommunizieren lässt, stattet ihn mit Fähigkeiten aus, die bei einer Manipulation missbraucht werden können.

Besonders häufig ist die sogenannte Prompt Injection. Angreifer platzieren dabei versteckte Anweisungen in Dokumenten, Webseiten oder anderen Inhalten, die ein KI-System verarbeitet. Interpretiert der Agent diese fremden Inhalte als verbindliche Handlungsanweisungen, kann er unerlaubte Werkzeugaufrufe auslösen oder vertrauliche Informationen weitergeben.

Wie ernst das Problem ist, zeigt eine Untersuchung des chinesischen Computer-Notfallzentrums CNCERT vom September 2026. Insgesamt 2.467 White-Hat-Tester überprüften 54 KI-Produkte von 25 chinesischen Anbietern und identifizierten 873 Sicherheitslücken. Davon waren 608 KI-spezifisch, während 265 auf klassische Software-Schwachstellen entfielen. Prompt Injection war die häufigste Kategorie. Weitere Probleme betrafen Informationsabflüsse, den Missbrauch von Zugriffsrechten und unerwartete Programmausführungen. Die Ergebnisse lassen sich nicht auf sämtliche KI-Produkte übertragen, verdeutlichen aber den Sicherheitsbedarf agentischer Systeme.

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