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Datensouveränität scheitert ohne technische Governance

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Was technische Governance wirklich bedeutet

Wenn von Governance die Rede ist, denken viele sofort an Compliance-Abteilungen, DSGVO-Berater oder den EU AI Act. Diese regulatorische Dimension ist real und wichtig, doch ist sie nicht das Thema, das den Unterschied zwischen einer handlungsfähigen und einer gelähmten Organisation ausmacht. Entscheidend ist die technische Governance. Neben dem Datenzugriff selbst müssen weitere Komponenten berücksichtigt werden, die im Kern vier Dimensionen umfassen:

Technische Data Governance umfasst im Kern vier Dimensionen:

Dateneigentum und Zugriffsrechte: Wer darf welche Daten sehen oder weitergeben? Ohne klare Verantwortlichkeiten entstehen Sicherheitslücken, die innerhalb der Verwendung von KI-Agenten, die eigenständig auf Datenquellen zugreifen, fatale Folgen haben können. Sensible Informationen könnten unbeabsichtigt an LLM-Betreiber oder andere Dritte weitergegeben werden.

Datenherkunft und Nachvollziehbarkeit: Woher stammen die Daten, die in ein Modell fließen? Welche Transformationen haben sie durchlaufen? Ohne Lineage-Tracking ist keine verlässliche Qualitätssicherung möglich.

Dokumentation: Daten, Modelle und Workflows müssen gemeinsam verwaltet und reproduzierbar dokumentiert werden. Nur so lassen sich Änderungen nachverfolgen und Fehler identifizieren.

Monitoring und Kontrolle von KI-Systemen: Gerade mit dem Aufstieg agentischer KI-Systeme wächst die Notwendigkeit, einen zentralen Überblick darüber zu haben, welche Agenten im Unternehmen aktiv sind, was sie tun und ob sie korrekt funktionieren. Agentic AI ohne Governance ist buchstäblich unkontrolliert.

Die wichtigere Erkenntnis lautet: Datensouveränität ist nicht primär eine Frage des Serverstandorts. Sie ist eine Frage der internen Handlungsfähigkeit.

Sven Selle, Senior Director Field Engineering EMEA bei Dataiku

Nicht warten, aber nicht planlos starten

Es gibt eine Gefahr auf beiden Seiten. Einerseits liegt sie bei den Unternehmen, die warten, bis alles perfekt ist. Bis die Daten vollständig konsolidiert und die Infrastruktur vollständig souverän ist. Diese Unternehmen laufen Gefahr, den Zug zu verpassen, denn KI-Souveränität entsteht nicht im Stillstand. Die andere Seite der Medaille umfasst Unternehmen, die in einem Wild-West-Modus agieren. Sie führen KI-Tools und Agenten überall ein, ohne Governance-Strukturen mitzudenken. Jedes Team baut seine eigene Lösung und Berechtigungen sind dabei unklar. Das ist keine Souveränität, sondern ein kontrollierter Kontrollverlust.

Stattdessen sollten Unternehmen bereits mit dem Aufbau von Governance beginnen, bevor alle Fragen beantwortet sind. Sie sollten klare Eigentumsverhältnisse für Daten definieren und eine zentrale Kontrollinstanz für KI-Systeme etablieren. Das Ganze auf einer Plattformschicht aufbauen, die flexibel genug ist, um sich mit der Infrastruktur weiterzuentwickeln. Unabhängig davon, wie sich die Debatte um Datensouveränität entwickelt.

Fazit: Datensouveränität beginnt innen

Der Begriff Datensouveränität wird noch viele Jahre uneinheitlich verwendet werden, da er von länderspezifischen, branchenbezogenen sowie organisatorischen Gegebenheiten beeinflusst wird. Unternehmen, die auf einen globalen Konsens warten, bevor sie handeln, werden diesen Konsens vielleicht nie erleben und in der Zwischenzeit den Anschluss verlieren. Die wichtigere Erkenntnis lautet: Datensouveränität ist nicht primär eine Frage des Serverstandorts. Sie ist eine Frage der internen Handlungsfähigkeit. Wer die Kontrolle über seine Daten nicht intern organisiert hat, ist nicht souverän, egal, wo seine Daten liegen. Wer diese Kontrolle durch robuste technische Governance aufgebaut hat, ist in einer Position, die echte Flexibilität ermöglicht. Souveränität wird nicht gekauft. Sie wird von innen heraus aufgebaut, mit Governance als Fundament.

Datensouveränität – GovernanceSven Selle
ist Senior Director Field Engineering EMEA bei Dataiku.

Bildquelle: Dataiku

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