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5G-Campusnetze: Unbürokratisch und kostengünstig

Verantwortlicher Redakteur:in: Heiner Sieger 4 min Lesedauer

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Private 5G-Campusnetze, die über reservierte Frequenzbereiche vom öffentlichen Mobilfunknetz getrennt sind, bieten einen entscheidenden Vorteil: Sie sind frei konfigurierbar, die Daten verlassen nicht das Unternehmen und die Maßnahmen für Sicherheit und Quality of Service lassen sich vor Ort verwalten und dynamisch auf die eigenen Bedürfnisse anpassen.

(Quelle:  LHG – stock.adobe.com)
(Quelle: LHG – stock.adobe.com)

5G-Campusnetze: Deutschland gilt nicht gerade als Vorbild, wenn es um die Digitalisierung von Wirtschaft, Verwaltung und Gesellschaft geht. Aber mit privaten, lokalen Campusnetzen (Private 5G) hat Deutschland die Nase vorn.

5G-Campusnetze: Beste Voraussetzungen für eigene Anwendungen

Beim Ausbau der mobilen 5G-Netze wurden die Hausaufgaben offensichtlich gemacht – und mehr als das. Aktuell erfährt das Konzept der 5G-Campusnetze weltweit viel Beachtung und Zustimmung. Das Prinzip dahinter lautet: Die Bundesnetzagentur vergibt im Fall der 5G-Netze entsprechende Lizenzen nicht mehr wie früher allein an die Carrier, sondern sorgt dafür, dass 5G-Netze vom Start weg auch für industrielle Anwendungsszenarien auf ausgewiesenen Flächen wie Firmengeländen lizensiert werden können.

Im Rahmen von Gremien wie 5G ACIA (5G Alliance for Connected Industries and Automation) und 5GAA (5G Automotive Association) haben die beteiligten Firmen frühzeitig Einfluss auf die Entwicklung des 5G-Standards genommen und die technischen Spezifikationen mitgestaltet. Für deren praxisnahe Anwendung hat die Bundesnetzagentur eigene Frequenzspektren für den Auf- und Ausbau privater, lokaler Campusnetze ausgewiesen. Unternehmen können solche Frequenzen schnell, unbürokratisch und kostengünstig für ihren Standort lizensieren und dort maßgeschneiderte Campusnetze implementieren. Diese Netze bieten mit ihrer Kombination aus hohen Kapazitäten und niedrigen Latenzzeiten beste Voraussetzungen für digitalisierte industrielle Anwendungen.

Das eigene 5G-Netz auf dem Campus

Schon das „normale“ 5G-Netz bietet eine Reihe von Vorteilen, die es für den industriellen Einsatz prädestinieren: Der neue Standard ermöglicht ultraschnelle mobile Breitbandkommunikation mit Datenübertragungsraten von bis zu 10 GB/s, Antwortzeiten im Bereich von einer Millisekunde und eine weitaus höhere Zahl von verbundenen Geräten pro Fläche, die sich ansteuern und verwalten lassen. Er ist zudem im Gegensatz zu WLAN für den unterbrechungsfreien Handover zwischen den einzelnen Funkzellen ausgelegt. In 5G-Netzen müssen fahrerlose Transportsysteme in der Logistik oder selbstständig agierende Roboter beim Wechsel in eine andere Funkzelle schlimmstenfalls nicht mehr zunächst anhalten und erst eine neue Verbindung aufbauen, um dann weiterarbeiten zu können.

Private 5G-Campusnetze, die über reservierte Frequenzbereiche vom öffentlichen Mobilfunknetz getrennt sind, bieten den Inhabern einen entscheidenden Vorteil: Sie sind frei konfigurierbar, die Daten verlassen nicht das Unternehmen und die Maßnahmen für Sicherheit und QoS (Quality of Service) lassen sich vor Ort verwalten und dynamisch auf die eigenen Bedürfnisse anpassen. Mit diesen Fähigkeiten ausgestattet können über 5G-Campusnetze beispielsweise Maschinen in Echtzeit miteinander kommunizieren, Produktionsprozesse präzise getaktet, Lagerorte und Bestände exakt erfasst und autonome Fahrzeuge auf dem Gelände gesteuert werden.

Das Rennen hat begonnen

Nach zunächst verhaltenem Start hat die Nachfrage nach privaten 5G-Mobilfunknetzen mittlerweile deutlich angezogen. Laut Angaben der Bundesnetzagentur wurden schon 181 Anträge auf Zuteilung von Frequenzen für lokale 5G-Netze gestellt und 179 Zuteilungen bereits erteilt (Stand 15. Dezember 2021). Erwartungsgemäß haben in der ersten Phase vor allem große Unternehmen die Möglichkeit genutzt, mit einem eigenen Campusnetz ihre Arbeitsläufe zu optimieren. Die Kombination aus überschaubaren Kosten und einem verblüffend unkomplizierten Zulassungsverfahren macht Private 5G aber zunehmend auch für mittelständische Firmen zu einer attraktiven Option.

Unabhängig von der Unternehmensgröße erleben wir aktuell eine Aufbruchstimmung, in der noch viel experimentiert wird und wertvolle Erfahrungen gesammelt werden, beispielsweise mit der Fernwartung per Augmented- und Virtual-Reality-Anwendungen oder dem Einsatz automatisierter autonomer Transportsysteme. Dabei ist mit dem typischen Reifungsprozess einer Technologie in der Early-Adopter- und Fast-Follower-Phase zu rechnen: Je nach Release-Stand sind noch nicht alle Funktionalitäten und Anforderungen implementiert, und das Angebot an Geräten und Komponenten kann noch nicht alle Wünsche erfüllen. Das aber wird sich mit der wachsenden Beliebtheit und Verbreitung schnell ändern.

5G-Campusnetze: Die Zukunft ist jetzt

Es ist also höchste Zeit, auf diesen rasch an Fahrt gewinnenden Zug aufzuspringen. Der Erfahrungsvorsprung von heute ist der Wettbewerbsvorteil von morgen. Deutschland hat sich dabei in eine hervorragende Ausgangsposition manövriert. Bei der praktischen Nutzung von 5G-Campusnetzen durch Unternehmen und Organisationen hilft nicht nur der zunehmend einfachere Zugang.

Es ist nicht mehr notwendig, sie in Eigenregie zu installieren und zu betreiben, sie können vielmehr von unabhängigen Dienstleistern über Network-as-a-Service-Plattformen in Form von Managed Services bezogen und mit ergänzenden IT-Dienstleistungen kombiniert werden. Das reduziert nicht nur die Einstiegshürden, sondern sichert auch die sinnvolle Integration in innovative IT- und Digitalisierungsprojekte. Das betrifft beispielsweise die Kombination mit der Trendtechnologie Edge Computing. Latenzoptimiertes 5G ist die Voraussetzung, um die Edge-typischen, kleinen Datacenter vor Ort richtig einbinden und für Echtzeitanwendungen nutzen zu können. Gemeinsam öffnen sie so die weite Welt des IoT (Internet of Things), in dem Deutschland nicht zuletzt dank der konzertierten Private 5G-Initiative eine tragende Rolle spielen kann.

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(Bild: NTT Ltd.)
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Der Autor Marcus Giehrl ist seit April 2020 Practice Director Innovations and Smart Technologies bei NTT Ltd. in Deutschland.

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