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KI-Strategie

Humane KI: Empathie und Kontext für bessere Entscheidungen

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Interview mit Dr. Anna Maria Rostomyan

Warum denken Sie, dass emotionale Daten für Business Intelligence wichtig sind?

Dr. Anna Maria Rostomyan: Wir Menschen sind nicht nur rationale, sondern auch emotionale Wesen, wie Dale Carnegie treffend formulierte. Viele geschäftliche Entscheidungen, etwa Kaufentscheidungen oder Markenpräferenzen, entstehen daher nicht allein auf Basis rationaler Überlegungen, sondern auch aufgrund emotionaler Reaktionen. Wenn also Unternehmen und Marketer diese emotionale Dimension berücksichtigen, können sie Kundenverhalten deutlich besser verstehen. Denn emotionale Daten liefern zusätzliche Einblicke in Erwartungen, Bedürfnisse und Reaktionen von Kunden, auf dieser Grundlage lassen sich Marketingstrategien, Produkte und Kommunikationsmaßnahmen gezielter gestalten. Das Ergebnis sind fundiertere Entscheidungen, stärkere Kundenbindung und letztlich bessere Geschäftsergebnisse.

Sind Sie selbst auf der emotionalen Ebene bei Ihren Entscheidungen beeinflusst?

Als Expertin für Emotionen und emotionale Intelligenz bin ich mir der emotionalen Dimension meiner eigenen Entscheidungen oft sehr bewusst. Also ich nehme wahr, welche Gefühle meine Einschätzungen oder Reaktionen beeinflussen können, und versuche daher stets, eine ausgewogene Balance zwischen rationalen Überlegungen und emotionalen Impulsen zu finden. Genau diese Balance halte ich auch für besonders wichtig – sowohl im persönlichen als auch im geschäftlichen Kontext. Entscheidungen, die sowohl analytische Fakten als auch emotionale Faktoren berücksichtigen, sind in der Regel nachhaltiger und besser abgestimmt auf die tatsächlichen Bedürfnisse von Menschen.

Humane KI: Balance zwischen Vernunft und Emotionen

Welche Tipps können Sie geben, um diese Balance zu finden?

Dr. Anna Maria Rostomyan ist als freiberufliche Dozentin an der Fachhochschule des Mittelstandes (FHM) und an der NBS Northern Business School tätig.(Bild:  Anna Maria Rostomyan)
Dr. Anna Maria Rostomyan ist als freiberufliche Dozentin an der Fachhochschule des Mittelstandes (FHM) und an der NBS Northern Business School tätig.
(Bild: Anna Maria Rostomyan)

Eine gute Balance zwischen rationalen und emotionalen Entscheidungen beginnt zunächst mit Bewusstsein. Es ist wichtig zu erkennen, dass Emotionen ein natürlicher Bestandteil jeder Entscheidung sind und nicht grundsätzlich im Widerspruch zur Rationalität stehen. Ein hilfreicher erster Schritt besteht darin, Emotionen bewusst wahrzunehmen, bevor eine Entscheidung getroffen wird. Fragen wie „Warum reagiere ich gerade so?“ oder „Welche Gefühle beeinflussen meine Einschätzung?“ können dabei helfen, emotionale Impulse besser einzuordnen. Zweitens empfiehlt es sich, emotionale Eindrücke mit Daten und Fakten zu ergänzen. Analytische Informationen, Marktanalysen oder Feedback aus dem Umfeld können helfen, eine emotionale Einschätzung zu überprüfen und zu objektivieren. 

Drittens kann es hilfreich sein, eine kurze Entscheidungspause einzulegen, insbesondere bei wichtigen geschäftlichen Entscheidungen. Diese Distanz ermöglicht es, sowohl rationale Argumente als auch emotionale Reaktionen klarer zu reflektieren. Schließlich spielt auch Empathie eine zentrale Rolle. Wer versucht, die Perspektiven und Gefühle anderer Menschen zu verstehen – etwa von Kunden, Mitarbeitern oder Geschäftspartnern – trifft häufig ausgewogenere und nachhaltigere Entscheidungen. Infolgedessen, die Kombination aus emotionaler Wahrnehmung, analytischem Denken und empathischem Verständnis schafft eine solide Grundlage für Entscheidungen, die sowohl rational fundiert als auch menschlich überzeugend sind.

Emotionen-KI und humane KI in BI integrieren

Was ist die Zukunft der Business Intelligence mit der Anwendung von Emotionen-KI und Humaner KI Ihrer Meinung nach?

Die Zukunft der Business Intelligence wird zunehmend durch die Integration von Emotionen-KI und humaner KI geprägt sein. Während klassische Business Intelligence vor allem auf quantitativen Daten wie Umsätzen, Marktanalysen oder Kundenstatistiken basiert, erweitern emotionale Technologien diese Analysen um eine zusätzliche Dimension: das Verständnis menschlicher Emotionen und Reaktionen. Emotionen-KI ermöglicht es Unternehmen, emotionale Signale aus Sprache, Verhalten, Text oder Interaktionen zu erkennen und zu analysieren. Dadurch erhalten Organisationen tiefere Einblicke in die tatsächlichen Erfahrungen, Erwartungen und Bedürfnisse von Kunden und Mitarbeitern. 

Humane KI geht noch einen Schritt weiter, indem sie emotionale Analysen mit Empathie, Kontextverständnis und Mensch-Maschine-Kooperation verbindet. Diese Systeme unterstützen nicht nur bei der Datenauswertung, sondern helfen auch dabei, Entscheidungen in einem breiteren menschlichen Kontext zu interpretieren. Meiner Meining nach, in der Zukunft wird Business Intelligence daher nicht nur datengetrieben, sondern auch emotional intelligent sein. Unternehmen können dadurch fundiertere strategische Entscheidungen treffen, Kundenbeziehungen stärken und Produkte sowie Dienstleistungen stärker an den tatsächlichen Erfahrungen von Menschen ausrichten. Langfristig wird die Kombination aus Datenanalyse, emotionalem Verständnis und menschlicher Expertise zu nachhaltigeren, empathischeren und effektiveren Geschäftsentscheidungen führen.

All das ist sehr gut, aber welche Gefahren gibt es dabei?

Sie haben da völlig Recht, mit der zunehmenden Nutzung von Emotionen-KI und Humaner KI entstehen neben vielen Chancen auch neue Risiken. Eine zentrale Herausforderung betrifft sogenannte parasoziale Beziehungen. In der Parasoziale Interaktion beschreibt dieser Begriff eine einseitige emotionale Bindung, bei der Menschen das Gefühl entwickeln, eine persönliche Beziehung zu einer medialen oder digitalen Figur zu haben – obwohl diese Beziehung in Wirklichkeit nicht wechselseitig ist. Durch emotionale KI-Systeme, empathische Chatbots und digitale Assistenten kann dieser Effekt verstärkt werden. Wenn Systeme Emotionen erkennen und darauf scheinbar empathisch reagieren, entsteht leicht der Eindruck, dass die Technologie echte Gefühle oder ein persönliches Interesse an der Person hat. Nutzer können dadurch eine emotionale Nähe zu Maschinen entwickeln. 

Gerade deshalb, denke ich, wird es in der Zukunft entscheidend sein, ethische Leitlinien und Transparenz in der Entwicklung von Emotionen-KI und Humaner KI zu gewährleisten. Hierzu wird der EU-KI-Akt genutzt, um das alles zu regulieren. Nutzer sollten aber auch stets wissen, dass sie mit einem technischen System interagieren und welche Gefahren es geben kann, wie Informationsleck oder Datenschutz und Sicherheit personenbezogener Daten. Die Herausforderung besteht darin, emotionale Technologien so zu gestalten, dass sie Menschen unterstützen und nicht emotional ersetzen. Wenn wir also das enorme Potenzial der KI verstehen und auch die Gefahren, die es mit sich bringt, berücksichtigen, können wir das Beste daraus holen und erfolgreiche und produktive Mensch-Maschine-Interaktionen und Kooperationen gestalten.

Vielen Dank für Ihre interessanten Einblicke, sehr geehrte Frau Dr. Anna Maria Rostomyan.

Auch ich danke Ihnen für das spannende Interview. Ich bin optimistisch und blicke hoffnungsvoll auf eine harmonische Zukunft von Mensch und KI.

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