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Serie: KI-Technologie aus China

KI-Offensive von China: Mit Change Management KI-Governance erreichen - Teil 20

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KI-Governance: Statusängste berücksichtigen

Auch die Sicherung von Status und professioneller Identität spielt eine Rolle. Europäische Fachkulturen sind stark über Expertise, Erfahrung und formale Qualifikationen strukturiert. Eine KI, die scheinbar alles weiß, kann schnell als Entwertung dieser Identität erlebt werden. Aus psychologischer Sicht ist es deshalb entscheidend, KI ausdrücklich als Verstärker von Expertise zu framen. In Projekten, in denen KI beispielsweise Log-Daten in der Automobilindustrie auswertet, hat sich bewährt, Ingenieurinnen und Ingenieure nicht zu Restfallbearbeitern zu degradieren, sondern zu Supervisoren des Systems zu machen. Sie definieren Regeln, bewerten Grenzfälle, liefern Feedback und tragen weiterhin die Verantwortung für Qualität. Auf chinesische KI übertragen bedeutet das, sie nicht als allwissenden Alleskönner aus Fernost zu inszenieren, sondern als Rohmaterial, das durch europäisches Fachwissen geerdet, geformt und kontrolliert wird.

Eine Voraussetzung dafür ist eine bewusste Fehler- und Lernkultur. Europäische Unternehmen bevorzugen traditionell Sicherheit und Fehlervermeidung. Der Einsatz von KI-Tools, deren Herkunft politisch und medial intensiv diskutiert wird, verlangt jedoch nach kontrolliertem Experimentieren. Aus psychologischer Perspektive hilft es, dafür klare Experimentierräume zu schaffen, etwa AI-Labs, Hackathons oder Pilotphasen mit begrenztem Umfang, in denen Mitarbeitende ausdrücklich den Auftrag haben, mit KI zu spielen, Hypothesen zu testen und ihre Erfahrungen zu reflektieren. Wird diese Experimentierphase offen kommuniziert und mit nachvollziehbaren Kriterien für Erfolg und Abbruch verknüpft, entsteht statt einer Kultur heimlicher Tests eine Kultur gemeinsamen Lernens. Gerade bei China-KI ist das wichtig, um zu vermeiden, dass einzelne Tools inoffiziell nutzen, während die Organisation offiziell blockiert. Das wäre ein Nährboden für Misstrauen und Schatten-IT, der einer KI-Governance widerläuft.

Eng damit verbunden ist der Aufbau einer internen AI Learner Journey für Führungskräfte und Mitarbeitende. Ein psychologisch wirksames Change-Design beginnt nicht bei Schulungen zur Bedienung einzelner Tools, sondern bei einem Verständnis der veränderten Rolle von Führung, Entscheidungsprozessen und Organisation. Für chinesische KI bedeutet das, zunächst in Formaten wie Tech-Talks, Panels, Mittagsbriefings oder internen Podcasts zu erläutern, wie KI-Systeme grundsätzlich funktionieren, welche Unterschiede es zwischen generischen Modellen, domänenspezifischen Small Language Models, Wissensgraphen oder agentischen Architekturen gibt und welche Rolle die Qualität der Daten spielt. Führungskräfte müssen die Technologie nicht programmieren können, sollten aber in der Lage sein, Fragen nach Wirkungen, Grenzen und Risiken kompetent zu beantworten. Nur so kann Vertrauen entstehen.

Ein wesentliches Element psychologischer Entlastung ist Transparenz – insbesondere dort, wo chinesische KI eingesetzt wird. Transparenz umfasst mehrere Ebenen: Selbstauskunft der Systeme (Ich bin ein KI-gestützter Service-Agent und …), Erklär-Mechanismen (Warum wurde diese Antwort generiert?), die klare Kennzeichnung von KI-Interaktionen gegenüber Kunden sowie nachvollziehbare Protokolle für sensible Entscheidungen. Aus Sicht der Mitarbeitenden signalisiert dies, dass der KI-Einsatz nicht versteckt, sondern bewusst sichtbar und überprüfbar gestaltet wird. Für chinesische KI kommt eine zusätzliche Dimension der Transparenz über Datenwege, Speicherorte, Modelle und KI-Governance-Strukturen hinzu. Wenn klar ist, dass Daten nicht unkontrolliert in fremden Infrastrukturen landen, sondern beispielsweise in einer privaten KI-Plattform mit klarer Datenklassifikation, sofortiger Datenlöschung und Auditmechanismen verarbeitet werden, sinkt die Angst vor Kontrollverlust erheblich.

Erfolgsgeschichten erzählen

Storytelling ist ein starker psychologischer Hebel. Erfolgsgeschichten, die den Nutzen von KI konkret und greifbar machen, wirken deutlich stärker als abstrakte Strategiepapiere. Wenn interne Webinare zeigen, wie ein KI-Agent 10.000 Arbeitsstunden durch Automatisierung eingespart hat, wie Service-Mitarbeitende von monotoner Routine entlastet werden oder wie sich Entwicklungszyklen messbar verkürzen, entsteht eine positive Erzählung. Für China-KI lässt sich dieser Mechanismus doppelt nutzen. Zum einen können Beispiele aus chinesischen Unternehmen, zum Beispiel der Einsatz von Chatbots zur Reduktion manueller Serviceanfragen oder Low-Code-Plattformen, mit denen Mitarbeitende ohne Programmierkenntnisse Use Cases bauen, als Inspiration dienen. Zum anderen müssen eigene Pilotprojekte in Geschichten übersetzt werden, in denen europäische Organisationen zeigen, wie sie diese Technologie in ihre Werte und Prozesse integrieren.

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Gleichzeitig gibt es einige typische Fehler, die die Akzeptanz chinesischer KI in europäischen Unternehmen untergraben. Der erste besteht darin, die Herkunft der Technologie zu verschweigen oder kleinzureden. Wird später deutlich, dass ein System aus China stammt, kann dies als Vertrauensbruch empfunden werden – selbst dann, wenn die technischen Sicherheitsmechanismen solide sind. Der zweite Fehler ist der Einstieg über besonders sensible Anwendungen wie HR-Entscheidungen, Compliance-Prüfungen, Vertragsänderungen oder Kundeninteraktionen mit rechtlicher Relevanz. Hier ist die psychologische und regulatorische Fallhöhe besonders hoch. Besser ist es, mit internen, klar abgegrenzten Use Cases zu beginnen, bei denen Nutzen und Risiken gut überschaubar sind. Der dritte Fehler besteht darin, KI-Einführung ausschließlich über Effizienz- und Kostenargumente zu verkaufen. In Europa entsteht Akzeptanz vor allem dann, wenn Governance, Fairness und Beteiligung sichtbar sind. Der Business Case allein genügt selten.

15 Tipps für das Change Management bei der Einführung von China-KI

1. Chinesische Herkunft der KI offen kommunizieren

2. Transparenz über Daten, Modelle und KI-Governance schaffen

3. Klare Nutzen-, Risiko- und Governance-Story entwickeln

4. Mit kleinen, kontrollierbaren KI-Modulen starten

5. Zunächst risikoarme interne Use Cases wählen

6. Nicht mit sensiblen HR-, Compliance- oder Personalfällen starten

7. Praktischen Mehrwert früh sichtbar machen

8. Vorbehalte durch konkrete Nutzungserfolge abbauen

9. Chinesische KI-Praxisbeispielen zeigen

10. Mitarbeitenden eigene positive KI-Erfahrungen ermöglichen

11. Hub-and-Spoke-Modell einführen

12. Fachkräfte zu KI-Supervisoren weiterentwickeln

13. Spezifische Schulungsprogramme durchführen

14. Tech-Talks und Best-Practice-Communities aufbauen

15. Storytelling und interne Kommunikation einsetzen

KI GovernanceDr. Lili Yang
ist Senior Consultant bei der Chinabrand IP Consulting GmbH.

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KI GovernancePing Liu
ist Consultant bei der Chinabrand IP Consulting GmbH.

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 Xinyu Chen 
ist Consultant bei der Chinabrand IP Consulting GmbH.

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