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Serie: KI-Technologie aus China KI-Offensive von China: Mit Change Management KI-Governance erreichen - Teil 20

Ein Gastbeitrag von Dr. Lili Yang, Ping Liu und Xinyu Chen 7 min Lesedauer

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Die Einführung chinesischer KI in europäischen Unternehmen ist häufig weniger ein technisches als ein kulturelles und organisatorisches Projekt. In China wird KI überwiegend als Produktivitätshebel verstanden, während in Europa KI zunächst oft als Risiko wahrgenommen wird. Die Herausforderung liegt daher meist in der Umsetzung einer KI-Governance.

(Bild:  © NRD/stock.adobe.com - generiert mit KI)
(Bild: © NRD/stock.adobe.com - generiert mit KI)

Im europäischen Kontext wird chinesische KI spontan mit einem anderen politischen System, abweichenden Datenschutzpraktiken und anderen Sicherheitslogiken verbunden. Europäische Ingenieurs- und Verwaltungskulturen definieren ihren Wert stark über Kontrolle, Nachvollziehbarkeit und Souveränität, und Datenschutzaufsichten, Betriebsräte sowie Branchenregulierer sind strukturell darauf ausgerichtet, Risiken eher zu begrenzen als Experimente zu erlauben. Wer diese Konstellation ignoriert und China-KI wie einen beliebigen SaaS-Dienst behandelt, erzeugt zwangsläufig Abwehrreaktionen – selbst dann, wenn der konkrete Use Case harmlos erscheint. Im Fokus muss daher die Umsetzung der KI-Governance stehen.

 Unternehmen, die KI erfolgreich implementieren, zeichnen sich dadurch aus, dass sie ein Narrativ formulieren. Warum benötigen wir KI genau in diesen Prozessen? Welche konkreten Probleme löst sie, welche Engpässe entschärft sie, welche neuen Geschäftsmöglichkeiten eröffnet sie? Und mindestens ebenso wichtig: Welche Schutzplanken werden eingezogen? Solange dieses Narrativ nicht steht, bleiben Tool-Einführungen und Pilottests technische Fremdkörper. Im Fall chinesischer KI ist diese Erzählung noch wichtiger, weil sie eine doppelte Übersetzungsleistung erbringen muss: von der Technologie zum Nutzen und von politisch aufgeladenen Vorannahmen hin zu einer nüchternen, überprüfbaren Einsatzlogik.

Mit KI-Governance Erfahrungen ermöglichen

Der wichtigste psychologische Schlüssel zur Akzeptanz ist der wahrgenommene persönliche Nutzen. Viele KI-Projekte scheitern daran, dass Mitarbeiter zwar abstrakte Produktivitätsversprechen hören, in ihrem Alltag aber keine konkrete Entlastung erleben. In der Flugzeugindustrie wurde KI beispielsweise so in das Wissensmanagement integriert, dass Fertigungs- und Qualitätsmitarbeitende relevante Informationen per Dialog abrufen können, statt sich durch statische Dokumentationen arbeiten zu müssen. Für die Beteiligten bedeutet das weniger Suchaufwand, weniger Fehler und mehr Klarheit – ein sofort spürbarer Mehrwert. Ein Mitarbeiter, der China-KI aus Überzeugung ablehnt, macht so die Erfahrung, dass ein konkretes Tool seine Arbeit erheblich erleichtert. Diese kognitive Dissonanz kann genutzt werden, um bestehende Überzeugungen zu hinterfragen.

Anstatt die Teilnahme an KI-Projekten aus China zu forcieren, ist es psychologisch klüger, Wahlfreiheit zu schaffen – zum Beispiel durch parallel verfügbare, nicht-chinesische Tools als Vergleichsbasis. So entsteht kein Gefühl des Zwangs, sondern eine Situation autonomer Entscheidung im Sinne der KI-Governance. Gleichzeitig lassen sich implizite Assoziationen adressieren, indem unbewusste kulturelle Vorurteile gegenüber chinesischer KI durch indirekte positive Erfahrungen schrittweise umprogrammiert werden. 

Beispielsweise durch Gamification-Elemente, bei denen die Herkunft zunächst nicht genannt wird und der Fokus ausschließlich auf dem erlebten Nutzen liegt. Entscheidend ist zudem die soziale Bewährtheit innerhalb relevanter Referenzgruppen. Statt Top-down-Erfolgsgeschichten zu verbreiten, wirken peer-validierte Anwendungen innerhalb gleicher Rollen deutlich überzeugender, wenn beispielsweise ein Kollege aus derselben Abteilung berichtet, dass er ein bestimmtes Tool seit drei Monaten produktiv einsetzt.

Akzeptanz von China-KI hängt von Kontrollierbarkeit ab

Ein zentrales Motiv der psychologischen Akzeptanz von China-KI ist das Erleben von Kontrollierbarkeit. Mitarbeiter akzeptieren neue Systeme eher, wenn sie verstehen, was das System darf, was es nicht darf und an welchen Stellen der Mensch wieder am Zug ist. Das gilt für generative KI im Allgemeinen und für agentische Architekturen im Besonderen. Gerade bei China-KI sollten Unternehmen daher nicht mit monolithischen Super-Agenten beginnen, die scheinbar alles Mögliche tun können. Sondern mit genau spezifizierten und eng zugeschnittenen Aufgaben: ein Agent, der Dokumentation durchsucht, ein anderer, der Serviceanfragen vorsortiert, und ein dritter, der Produktionslogs auf Anomalien prüft. Wenn Verfahren, Übergabepunkte und Eskalationsregeln transparent kommuniziert werden, verwandelt sich eine schwer greifbare Black Box in ein Werkzeug mit erkennbarer Verantwortungskette durch KI-Governance. Das gilt insbesondere für Checkpoints, an denen Menschen bewusst bestätigen, dass eine automatisierte Empfehlung übernommen wird.

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