Corona-Pandemie, blockierte Seewege und jetzt der Ukraine-Krieg: All diese Ereignisse führten zu Störungen von Lieferketten. Für Start-ups kann dies sogar zur Existenzbedrohung werden, wie der Fall von WLDOHO zeigt.
(Quelle: blende11.photo - Adobe Stock)
Laut einer DIHK-Umfrage waren im Herbst 2021 über die Hälfte (54 Prozent) aller deutschen Unternehmen mit internationalen Aktivitäten von Problemen bei der Lieferkette und Logistik betroffen. Insbesondere die hohe Abhängigkeit von Lieferungen aus Asien erwies sich angesichts der extrem verzögerten Lieferzeiten als enorme Herausforderung. Sie führte dazu, dass Unternehmen ihre Produktion unterbrechen mussten und ihre Kunden ebenfalls nur mit Verzögerung beliefern konnten. Daraus resultierten wiederum verspätete Geldeingänge und auch zahlreiche Stornierungen. In Summe wurde der Cashflow stark beeinträchtigt.
Selbstverständlich ging diese Entwicklung auch an Start-ups und kleinen Unternehmen nicht spurlos vorüber. Anders als etablierte Mittelständler oder große Konzerne verfügen diese in aller Regel jedoch nicht über eine Finanzdecke, die derartige Situationen über längere Zeit abfedern kann. Viele gute Geschäftsideen, die in „normalen Zeiten“ tragfähig gewesen wären, scheiterten daher im letzten Jahr.
Wegen gestörter Lieferkette hohen fünfstelligen Betrag verspielt
Diejenigen, die überlebten, sind dennoch nicht ohne starke Blessuren davongekommen. So auch das Start-up WLDOHO, das nachhaltige Rasierhobel und Rasur-Zubehör anbietet. Wir erhalten einen wichtigen Teil unserer Produkte mit Frachtschiffen auf dem Seeweg. Schon in der Pandemie waren die Abfahrtzeiten äußerst unzuverlässig, wodurch sich das genaue Lieferdatum kaum prognostizieren lässt. Erschwerend kam eine viel zu lange Reisezeit der Schiffe hinzu. Beispielsweise haben wir Ware im Juni 2021 bestellt, geliefert wurde sie jedoch erst im Oktober.
Unternehmen, die sich in einem starken Wachstum befinden, können sich Verzögerungen dieser Art nicht leisten. Im Gegenteil: Sie benötigen sogar größere Liefermengen in noch kürzerer Zeit. Der einzige Ausweg besteht in diesem Fall darin, auf Großbestellungen per Luftfracht zu setzen, da dies die Auslieferung stark beschleunigt. Doch auch diese Variante ist mit Herausforderungen verbunden. So kann der Zoll beispielsweise zusätzliche Papiere angefordern, die bei einer Seefracht nicht notwendig sind. Liefert das Unternehmen diese Dokumente nicht schnell genug, starten die Flugzeuge ohne die bestellte Ware.
Auf den Kosten bleiben die Auftraggeber sitzen. Anschließend entstehen die klassischen Probleme einer gestörten Lieferkette und entsprechenden Lieferverzögerungen: Imageschäden, Stornierungen und vielleicht sogar ein Shitstorm im Web. WLDOHO hat aufgrund der Problematik bei der Lieferkette und deren Auswirkungen einen höheren fünfstelligen Betrag verloren. Nur mit Glück haben wir uns von diesem Rückschlag erholt. Und wir haben einiges gelernt, was wir in diesem Beitrags teilen möchten.
Mögliche Strategien gegen Probleme bei der Lieferkette
Zunächst ist es von Bedeutung, das eigene Wachstum besser zu antizipieren und Vorbestellungen zu erhöhen. Nach Möglichkeit werden außerdem die Lagerkapazitäten ausgebaut. Gerade die besonders begehrten Artikel sollte das Unternehmen auf Vorrat kaufen, um Just-in-time-Beschaffungen weitestgehend zu minimieren. Wichtig ist zudem die Diversifikation von Bezugsquellen und Lieferwegen. Für einige Unternehmen kommt es in Betracht, wieder eher regional produzieren zu lassen. Oder zumindest nicht auf der anderen Seite der Welt.
In diesem Kontext ist das Nearshoring interessant. Hierbei werden nur die Rohstoffe weit entfernt beschafft. Die Produktion erfolgt jedoch lokal oder zumindest auf demselben Kontinent, wie in Südosteuropa. Aufträge lassen sich darüber hinaus auf mehrere Hersteller aufteilen, sodass die Lieferungen aus unterschiedlichen Regionen der Welt kommen und einzelne Ausfälle besser zu kompensieren sind. Was das Transportmedium betrifft, so ist ein Splitting ebenfalls sinnvoll: hochwertige Artikel auf dem Luftweg, die restlichen Waren per Schiff.
Mit ERP-System kompatible Planungssoftware verwenden
Außerdem empfiehlt sich der Einsatz einer Planungssoftware, die mit MRP- und ERP-Systemen kompatibel ist. Denn sie erleichtert die Prognose der zukünftigen Bedarfe. Hilfreich ist zudem eine Beschaffungssoftware, welche die Einkaufsprozesse digitalisiert. Dass all diese Maßnahmen gewisse Zusatzaufwände verursachen, liegt auf der Hand. Es ist jedoch durchaus legitim, die entstehenden Mehrkosten an die Kunden weiterzugeben. Aufgrund der Rohstoffknappheit ist es für Konsumenten keine Überraschung, wenn hochwertige Produkte im Preis steigen.
Stand: 16.12.2025
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Gerät das Unternehmen trotz aller Lieferkettenoptimierung in eine Notlage, so sollte es bereit sein, Werbemaßnahmen oder Influencer-Kampagnen auszusetzen. Als Ultima Ratio kommt darüber hinaus eine vollständige Neukonfiguration der Supply Chain mittels entsprechender Wirkungskonzepte, Backup-Strategien und Redundanz-Systeme infrage. Unser Start-up hat viele der oben skizzierten Optimierungen bereits durchgeführt. Das Resultat spricht für sich: Während Mitbewerber immer noch unter Lieferkettenproblemen leiden, haben wir diese bereits hinter uns gelassen.
Lieferkette: Reduzierung von Abhängigkeiten
Beim Supply-Chain-Management geht es heute vor allem darum, Abhängigkeiten von Lieferanten, Lieferregionen und Lieferwegen möglichst weit zu reduzieren und so eine stabile Lieferkette zu gewährleisten. Dazu gehört nicht nur die Erschließung neuer Bezugsquellen. Langfristig sollte die gesamte Unternehmensstrategie an die Volatilität und Unsicherheit der globalen Märkte angepasst werden. Das heißt: Auch das eigene Sortiment und die eigene Distributionslogistik müssen im Hinblick auf ihre Resilienz auf den Prüfstand gestellt werden.
(Benjamin Rettinger ist Co-Gründer und Co-CEO bei WLDOHO. (Bild: WLDOHO))
Über den Autor: Benjamin Rettinger ist Co-Gründer und Co-CEO bei WLDOHO. Gestartet ist das E-Commerce-Unternehmen 2017 mit Amazon FBA, das inzwischen 22 Mitarbeiter zählt. Mit nachhaltigen Rasierhobeln und Rasur-Zubehör, die mittlerweile zu über 75 Prozent über den eigenen Onlineshop vertrieben werden, hat WLDOHO im Jahr 2021 mehrere Millionen Euro umgesetzt ist damit in Deutschland Marktführer in diesem Segment. (sg)