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Strompreisentlastung Rechenzentren – die kritische Infrastruktur der digitalen Wirtschaft

Ein Gastbeitrag von Jerome Evans 4 min Lesedauer

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Laut einem Gutachten im Auftrag des Bitkom ist eine Strompreisentlastung für Rechenzentren rechtlich möglich. Jerome Evans, Geschäftsführer von firstcolo, erklärt, warum diese entscheidend ist für Wettbewerbsfähigkeit, Innovation und digitale Souveränität in Europa.

(Bild:  © nurionstudio/stock.adobe.com - generiert mit KI)
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Als Betreiber von Rechenzentren begrüßen wir das  von Prof. Dr. Christian Koenig erstellte Rechtsgutachten im Auftrag des Bitkom ausdrücklich. Die darin dargestellten rechtlichen und wirtschaftlichen Bewertungen unterstreichen die zentrale Rolle von Rechenzentren für die digitale und industrielle Zukunft Deutschlands und Europas, denn sie bilden das Fundament moderner Wertschöpfungsketten. Anwendungen aus den Bereichen Industrie 4.0, künstliche Intelligenz, Cloud-Computing, vernetzte Produktion und digitale Verwaltung sind ohne leistungsfähige und lokal verfügbare Rechenzentrums-Infrastruktur nicht denkbar. Sie fungieren damit nicht nur als Teil der Digitalwirtschaft, sondern als eine Voraussetzung für die Wettbewerbsfähigkeit nahezu aller Branchen.

Rechtsgutachten zur Beihilfefähigkeit von Rechenzentren im Bitkom-Auftrag

Rechenzentren sind die Fabriken der digitalen Wirtschaft – sie produzieren digitale Dienste und Infrastrukturen, auf denen moderne Geschäftsmodelle basieren. Dennoch werden sie im Gegensatz zur klassischen Industrie nicht als produzierendes Gewerbe anerkannt und von Entlastungen bei Strompreisen ausgeschlossen. Das führt zu einem erheblichen Wettbewerbsnachteil gegenüber dem EU-Ausland, wo niedrigere Energiekosten digitale Wertschöpfung gezielt fördern. Daher müssen Rechenzentren auch in die Entlastungsmaßnahmen für energieintensive Industrien einbezogen werden.

Das Rechtsgutachten stellt klar: Die europäischen Beihilferahmen sind Verwaltungsvorgaben und müssen so angewendet werden, dass die formulierten Ziele tatsächlich erreicht werden. Wenn eine Branchenliste digitale Infrastrukturen wie Rechenzentren ausschließt, obwohl sie für die geschützten Industrien unverzichtbar sind, entsteht ein Widerspruch. Zudem sind Rechenzentren vorgelagerte Basisinfrastruktur. Ihre Ausklammerung unterläuft die Wirksamkeit der Entlastungsinstrumente und führt in den einzelnen Endmärkten zu diskriminierenden sowie wettbewerbsverzerrenden Effekten. Genau deshalb sei die Einbeziehung von Rechenzentren aus Gründen der Verhältnismäßigkeit und Kohärenz geboten. Eine rechtssichere Einbeziehung kann durch eine funktionale Auslegung der bestehenden Regeln oder durch sachgerechte Ergänzungen erfolgen. Alternativ kann eine Förderung auf Basis des EU-Vertragsrechts begründet werden.

Strompreis – größter Kostenblock für Betrieb von Rechenzentren

Wenn energieintensive Industrien aus Gründen der internationalen Wettbewerbsfähigkeit entlastet werden, muss dies auch für die digitale Infrastruktur gelten, die diese Industrien überhaupt erst ermöglicht. Zudem bleibt der Betrieb moderner Rechenzentren energieintensiv. Strom stellt daher einen der größten Kostenblöcke dar und entscheidet maßgeblich über Investitions- und Standortentscheidungen. Deutschland und Europa stehen im globalen Wettbewerb mit Regionen, in denen Energie deutlich günstiger verfügbar ist. Eine gezielte Strompreisentlastung für Rechenzentren sichert aus diesem Grund Investitionen in digitale Infrastruktur am Standort Deutschland, schafft Planungssicherheit für langfristige Infrastrukturprojekte und stärkt die internationale Wettbewerbsfähigkeit des europäischen Digitalökosystems.

Die Verfügbarkeit leistungsfähiger Rechenzentren in Europa erweist sich jedoch auch als eine Frage der digitalen Souveränität: Datenverarbeitung, KI-Training und -Inference sowie kritische digitale Dienste sollten möglichst innerhalb europäischer Rechts- und Sicherheitsrahmen erfolgen. Eine Verlagerung von Rechenzentrumsleistungen in andere Weltregionen hätte langfristige Folgen für die Kontrolle über sensible Daten, die Resilienz digitaler Infrastrukturen und die technologische Unabhängigkeit Europas.

Firstcolo auf dem CloudFest 2026

Die firstcolo Datacenters GmbH wird auch dieses Jahr auf dem CloudFest vom 23. bis 26. März am Stand D01 ihre Portfolio im Bereich Cloud und Colocation präsentieren. Mitaussteller Asperitas präsentiert mit der Lösung DFCX1 eine Immersion-Cooling-Technologie zum Anfassen. Unter dem Leitthema „Where the future of internet is created” adressiert das CloudFest in diesem Jahr Nachhaltigkeit und über ökologische Fragen hinausgehend im Hinblick auf Technologie, Geschäftsmodelle und Arbeitswelten. firstcolo ist auch Teil der vom Cloudfest organisierten thematischen Führung zum Thema „Sovereign Cloud & Trusted Compute Tour“ und wird eine Keynote am 24. März um 17:05 Uhr auf der .COM Stage halten.

In der Panel-Diskussion "Digitale Souveränität trifft auf Fusionsenergie: Ein Dialog über die Infrastruktur von morgen" am 24. März um 17:05 Uhr sprechen Nicolaj Kamensek und Prof. Dr. Florian Wasser von Focused Energy unter der Moderation von Simon Büscher (Chief of Staff, firstcolo) über die aktuellen Herausforderungen der Rechenzentrums-Infrastruktur und den massiven Energiebedarf der KI-Ära. Prof. Dr. Wasser wird zudem das Potenzial der laserbasierten Kernfusion als perspektivischer Gamechanger ins Spiel bringen.

Wichtiges Signal für den Ausbau moderner Infrastruktur

Das Gutachten des Bitkom stellt klar, dass eine Strompreisentlastung für Rechenzentren europarechtlich nicht nur möglich, sondern im Sinne von Gleichbehandlung, Kohärenz und Wettbewerbsneutralität sogar geboten sein kann. Diese Bewertung schafft eine wichtige Grundlage für die politische Diskussion. Wir unterstützen daher den Ansatz, Rechenzentren bei bestehenden oder geplanten Maßnahmen zur Strompreisentlastung ausdrücklich zu berücksichtigen. Vor dem Hintergrund der strategischen Bedeutung digitaler Infrastruktur appellieren wir an die Bundesregierung, die angekündigten Strompreisentlastungen konsequent auch auf Rechenzentren auszuweiten. Eine solche Entscheidung wäre ein wichtiges Signal für Investitionen, Innovation und den Ausbau moderner Infrastruktur in Deutschland und Europa.

Deutschland hat so die Chance, ein führender Standort für sichere, nachhaltige und leistungsfähige Rechenzentren zu bleiben. Dafür braucht es jedoch international wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen – insbesondere bei den Energiekosten. Das Rechtsgutachten liefert daher einen wichtigen Impuls für eine faktenbasierte und zukunftsorientierte Debatte. Eine Strompreisentlastung für Rechenzentren erweist sich nicht nur industriepolitisch als sinnvoll, sondern auch als ein entscheidender Baustein für die digitale Transformation und die technologische Souveränität Europas.

Jerome Evans  firstcolo Datacenters GmbH RechenzentrenJerome Evans
ist Gründer und Geschäftsführer der firstcolo Datacenters GmbH. Seit über 20 Jahren befasst er sich mit IT-Dienstleistungen und speziell Datacentern. Er kümmert sich um den Aufbau und Betrieb von Rechenzentren, zunehmend aber auch um Cloud-basierte Serverinfrastrukturen. Zudem ist Jerome Evans Experte für Blockchain-Technologien und trägt mit seinen Management-Skills aktiv zur Zukunftsgestaltung der bei.

Bildquelle: firstcolo Datacenters GmbH

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