DB Podcast

Resiliente Lieferketten

Supply Chain Management: Wie KI die Lieferkette stabilisieren kann

< zurück

Seite: 2/2

Anbieter zum Thema

Supply Chain Management: Warum viele KI-Projekte nicht skalieren

So groß das Potenzial ist, so häufig bleiben KI-Initiativen im Pilotstatus stecken. Der Grund liegt selten allein in der Technologie, meist liegt es an fehlenden Voraussetzungen: Erstens braucht KI belastbare Daten. Sind Stammdaten uneinheitlich oder Bestandsdaten ungenau, macht ein Algorithmus die Schwächen nur schneller sichtbar, kann aber keine Lösung anbieten. Zweitens braucht KI integrierte Prozesse, weil Supply Chain Management Einkauf, Produktion, Lager, Logistik, Vertrieb und Finanzen verbindet. Drittens braucht KI Governance: Unternehmen müssen klären, welche Entscheidungen unterstützt werden, wer Empfehlungen prüft und welche Anforderungen gelten.

Viele Unternehmen beginnen mit der Frage, welche KI-Lösung sie brauchen. Sinnvoller ist die Frage nach dem strategischen Mehrwert für das Unternehmen. Statt also mit der Frage nach einer technologischen Lösung zu starten, ist die bessere Einstiegsfrage: Welche konkreten Entscheidungen beim Supply Chain Management sollen besser werden? Das kann eine geringere Forecast-Abweichung in einer bestimmten Produktgruppe sein, weniger Stockouts bei kritischen Artikeln, eine stabilere Produktionsplanung oder mehr Transparenz über Lieferantenrisiken. Je konkreter der Use Case, desto leichter lassen sich Datenlage, Nutzen und Skalierbarkeit bewerten. Ein guter Startpunkt ist deshalb selten das große unternehmensweite Transformationsprogramm, sondern ein abgegrenzter Anwendungsfall mit messbarem Ziel in Sichtweite.

Warum SAP-Landschaften beim Supply Chain Management relevant sind

In vielen Industrie- und Handelsunternehmen laufen zentrale Supply-Chain-Daten in SAP-Systemen zusammen: Bestellungen, Materialstämme, Lagerbewegungen, Produktionsaufträge, Lieferanteninformationen, Kundenaufträge und Finanzdaten. Deshalb sind SAP-geprägte Landschaften für KI besonders relevant. Mit SAP S/4HANA lassen sich operative Daten aus zentralen Geschäftsprozessen konsolidieren. SAP Integrated Business Planning kann Demand, Supply und Inventory Planning unterstützen. Über die SAP Business Technology Platform können zusätzliche Datenquellen angebunden und KI-Services integriert werden. Entscheidend ist, dass die Technologie konkrete Prozessfragen beantwortet: Welche Kundenaufträge sind durch einen Materialengpass gefährdet? Welche Alternativen gibt es im Bestand?

Welche Maßnahmen jetzt erforderlich sind

Für den Einstieg empfiehlt sich ein praxisorientiertes Vorgehen. Erstens sollte das Geschäftsproblem konkret benannt werden, also nicht „Wir wollen KI einsetzen“, sondern „Wir wollen Forecast-Abweichungen in Produktgruppe X reduzieren“. Zweitens muss die Datenlage geprüft werden: Sind Bestandsdaten, Auftragsdaten, Lieferzeiten und Stammdaten vollständig, aktuell und verknüpfbar? Drittens sollte der Use Case bewusst begrenzt werden, damit Wirkung und Aufwand bewertbar bleiben.

Ebenso wichtig ist die organisatorische Seite. Fachbereiche müssen früh eingebunden werden, weil Planungsteams, Einkauf, Produktion und Logistik die operativen Ausnahmen kennen. Skalierung sollte dennoch von Beginn an mitgedacht werden, damit ein Pilot später in die System- und Prozesslandschaft passt.

Supply Chain Management: Resilienz entsteht vor der Störung

KI ersetzt keine Expertise im Supply Chain Management. Sie erhöht deren Wirkung, indem sie Muster erkennt, Szenarien simuliert und Vorschläge macht, während Menschen weiterhin bewerten, priorisieren, Verantwortung tragen und Entscheidungen treffen. Gerade in kritischen Situationen ist dieses Zusammenwirken von Künstlicher Intelligenz und menschlicher Erfahrung enorm wertvoll, weil sie die menschliche Expertise mit Transparenz über mögliche Konsequenzen von Entscheidungen ergänzt.

Fest steht: KI wird Lieferketten nicht komplett störungsfrei machen. Sie verhindert keine geopolitischen Konflikte, keine Extremwetterereignisse und keine Lieferantenausfälle. Aber sie kann Unternehmen helfen, früher zu erkennen, was passiert, schneller Alternativen zu bewerten und Entscheidungen konsistenter umzusetzen. Damit wird KI im Supply Chain Management zum Resilienzfaktor, weil sie die Zeit zwischen Signal, Bewertung und Handlung verkürzt.

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

Heiko Schmidt Convista Supply Chain ManagementHeiko Schmidt
ist Geschäftsbereichsleiter der Business Unit Industry und Vorstandsmitglied der Convista Consulting AG. Er verantwortet die strategische Entwicklung und das Beratungsgeschäft für Industrieunternehmen im Kontext der digitalen Transformation und der Implementierung von IT- und SAP-Lösungen.

Bildquelle: Convista Consulting AG