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Digitale Transformation WINe o'clock: Ski-Magie am Smart Mountain

Das Gespräch führte Heiner Sieger 6 min Lesedauer

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WINe o’clock in Kitzbühel: In den Hahnenkamm-Stubn über der legendären Streif sprechen wir mit Christian Wörister, Vorstand der Bergbahn AG Kitzbühel (KitzSki), über die Balance aus Tradition, Digitalisierung und Nachhaltigkeit, die ein Weltklasse-Skigebiet heute leisten muss.

(Bild:  WIN-Verlag/Heiner Sieger)
(Bild: WIN-Verlag/Heiner Sieger)

DARUM GEHT'S

Wie KitzSki Digitalisierung ganzheitlich einsetzt – vom Ticketkauf bis zur Pistenpräparierung.

Warum KI-gestütztes Dynamic Pricing Gästen und Betreibern Vorteile bringt.

Wie digitale Systeme Effizienz, Nachhaltigkeit und Gästeerlebnis verbinden.

Christian, wir sind ja hier über 1000 Höhenmetern und dürfen uns daher duzen. Starten wir mal mit der unumgänglichen Einstiegsfrage: Kitzbühel gilt als „Champions League“ des Skifahrens. Was ist für Dich der Kern dieser Magie – und wie bewahrt die traditionsreiche Kitzbüheler Bergbahn diese auch im digitalen Zeitalter?

Christian Wörister: Die Magie beginnt heute hier oben am Start der Streif und in der Geschichte des Hahnenkammrennens. Die Pionierzeit liegt am Kitzbüheler Horn, wo Franz Reisch vor mehr als 100 Jahren erstmals hinunterfuhr. Dieses Zusammenspiel aus Spitzensport, Abenteuer und Natur, verbunden mit dem urbanen Flair der Stadt, prägt Kitzbühel. Digitalisierung hilft uns als Bergbahn, dieses Erlebnis verlässlich und hochwertig zu inszenieren – ohne den Charakter zu verändern.

Dann lass‘ uns diese digitale Magie des Skigebietes ein wenig tiefer ergründen. Wie sieht zum Beispiel die Ende-zu-Ende-Verzahnung, der „rote Faden“, wie Du es nennst, konkret aus – vom Parkplatz bis zur letzten Abfahrt?

Christian Wörister: Wir verknüpfen Beschneiung und Schneetiefenmessung in den Pistenmaschinen mit Pisten- und Fuhrparkmanagement, E Commerce, Ticketing und CRM. Hinzu kommt die Energie- und Gebäudesteuerung. Unzähligen Daten daraus laufen zentral zusammen und steuern Planung, Disposition und Gästeinformation – vom Anfahrts-Hinweis bis zur Pistenfreigabe. So vermeiden wir Insellösungen und schaffen ein stimmiges Gesamterlebnis.

Welche Technologie arbeitet im Hintergrund, die der Gast nicht sieht – und welchen Qualitätseffekt hat sie auf der Piste?

Christian Wörister: Der Einfluss auf die Qualität ist enorm. Wir überwachen in Echtzeit, welche Schneeerzeuger laufen, wie hoch die Schnee-Auflage ist und wann eine Piste sicher öffnet. 40 Pistenraupen sind auf 540 Hektar vernetzt, kennen Positionen und Schneetiefen und koordinieren ihre Fahrten. Das Ergebnis sind homogene Pisten, stabile Betriebsfenster und weniger Energie- und Treibstoffverbrauch – die komplexe Steuerung bleibt unsichtbar.

Bevor der Gast durchs Drehkreuz geht: Wie lenkt KitzSki Ströme schon bei der Anreise – und was bringt das an Hahnenkamm- und Fleckalmbahn?

Christian Wörister: Gemeinsam mit Swarm Analytics erfassen wir Verkehrs- und Personenaufkommen an zentralen Talstationen. In der App sehen Gäste live Wartezeiten und bekommen Empfehlungen für den schnellsten Einstieg. Manchmal sind es 12 Minuten hier, 4 Minuten dort, 17 Minuten an einer dritten Bahn – diese Transparenz entspannt die Anreise. Im Gebiet informieren mehr als 60 digitale Überkopf-Displays an 58 Anlagen zu Auslastung, Routen, Sperren und Sicherheit. Das reduziert Staus, verteilt Ströme und erhöht den Komfort für die Skifahrerinnen und Skifahrer.

Viele Regionen bieten erst Teilmodule im Rahmen der Digitalisierung. Worin liegt der Vorsprung in der ganzheitlichen Integration entlang der Customer Journey?

Christian Wörister: Wir denken den Ski-Tag als Ganzes: Navigation zur passenden Talstation, reibungsloser Zutritt mit Mobile Ticket, klare Hinweise im Gebiet, verlässliche Pistenqualität. Dahinter greifen Daten und Steuerung ineinander. Erst diese Kette erzeugt Wirkung – für Gäste spürbar, für uns effizient.

DER GESPRÄCHSPARTNER

Mag. Christian Wörister ist seit Oktober 2020 Vorstandsmitglied der Bergbahn AG Kitzbühel (KitzSki). Er verantwortet unter anderen Marketing/Vertrieb, IT, Kundenservice, Online Ticketing und Digitalisierung sowie Nachhaltigkeit und Sicherheit. Zuvor leitete er die Salzburg AG Tourismus Management.

WINe o'clock: Ski-Magie am Smart Mountain – Digitalisierung im Skigebiet
(Bild: WIN-Verlag/Heiner Sieger)

Welche Rolle spielen Mobile Ticketing und Webshop über den Kauf hinaus?

Christian Wörister: Sie sind das Frontend unserer Steuerung. Aus Buchungen, Ferienkalendern, Wetter und Auslastung planen wir Kapazitäten, Personal und Beschneiung noch präziser. Gäste profitieren von schnellen Zugängen und weniger Wartezeit. Wir sehen zugleich, wo Engpässe entstehen, und können gegensteuern – etwa mit geöffneter Zusatzkasse oder geänderter Pistenführung.

Ein heikles Thema ist Dynamic Pricing im Zusammenspiel mit KI. Wie funktioniert das Modell, dass Ihr mit der TU Graz entwickelt habt – und wie sichert die Bergbahn AG Fairness und Transparenz an der Kasse?

Christian Wörister: Wir unterscheiden Vor- und Nachsaison, Hauptsaison sowie frühe und späte Vorteile. In der Hochsaison garantieren wir an der Kasse einen Fixpreis – kein spontaner Schönwetter-Aufschlag. Im Webshop erhalten Gäste abhängig von Vorlauf, Wetter, Ferien und regionaler Auslastung Rabatte bis 20 Prozent. Die KI aktualisiert laufend ihre Datenbasis und berechnet tagesaktuelle Bestpreise – nachvollziehbar und klar kommuniziert.

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