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Digitale Transformation

WINe o'clock: Ski-Magie am Smart Mountain

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Preisdiskriminierung, Datenethik und Nachhaltigkeit

Wie vermeidest Du den Eindruck von Preisdiskriminierung – und welche Kennzahlen steuerst Du?

Christian Wörister: Klare Regeln und Garantien sind zentral. Wir messen Webshop-Anteil, Vorlaufzeiten, Auslastungskurven, Wartezeiten und Zufriedenheit. Unser Ziel ist es, Nachfrage zu glätten, Spitzen zu entschärfen und Vorteile transparent zu machen. So entsteht ein faires, steuerndes System.

Sprechen wir über Datenethik: Es sind Kameras, Sensorik und KI im Einsatz – wie balanciert die Bergbahn AG Sicherheit, Effizienz und Datenschutz in Zeiten knapper Personalkapazitäten?

Christian Wörister: DSGVO-Konformität ist Pflicht. Systeme zur Besucherlenkung oder Anlagenüberwachung anonymisieren Bilddaten, Personen sind nicht identifizierbar; es gibt keine nachträgliche Verfolgung. KI-gestützte Assistenz in Stationen steigert die Sicherheit, ersetzt aber nicht Verantwortung und Aufsicht. Im Marketing arbeiten wir mit Einwilligung, zweckgebunden und datensparsam – etwa für Service-Erinnerungen an den nächsten KitzSki-Tag.

(Bild:  WIN-Verlag/Heiner Sieger)
(Bild: WIN-Verlag/Heiner Sieger)

Nachhaltigkeit ist auch in Kitzbühel ein Standortfaktor: Wie machen digitale Systeme Fortschritte in dem Bereich messbar – von HVO bis Photovoltaik?

Christian Wörister: Wir stellen Pistenraupen, Skidoos und Servicefahrzeuge auf HVO um; Verbräuche und Betankungen erfassen wir digital und steuern so Beschaffung und Einsatz. Auf Berg- und Betriebsgebäuden erzeugen wir PV-Strom. Eine Energiegemeinschaft optimiert Eigenverbrauch und Einspeisung. Dashboards zeigen in Echtzeit, wo wir ökologisch und ökonomisch stehen.

Die größte Emission entsteht bei der An- und Abreise. Welche Lösungen verfolgt KitzSki über den regionalen Skibus hinaus?

Christian Wörister: Wir fördern öffentliche Mobilität, etwa den KitzSki‑Express zwischen München und Kitzbühel. Und die ÖBB hält direkt an der Talstation. Perspektivisch denken wir an bedarfsorientierte, digital gesteuerte Shuttle-Konzepte aus Kernmärkten. Algorithmen passen Frequenzen und Routen an Nachfrage und Tageszeit an. Das entspricht dem Verhalten vieler junger Gäste ohne eigenes Auto und entlastet die Talstationen.

Innovation braucht auch weiterhin Kultur. Wie bindet Ihr Belegschaft und Partner ein – und was hat sich bewährt?

Christian Wörister: Der Eco‑Kitz‑Ideenwettbewerb bringt jährlich viele Vorschläge – von Mülltrennung und Lampentausch bis zu Digitalprojekten. Wir priorisieren, testen schnell und skalieren, wenn der Nutzen sichtbar ist. Transparenz, Schulungen und spürbare Entlastungen im Alltag schaffen bei allen Beteiligten Akzeptanz und Lust auf Neues.

GLOSSAR

Dynamic Pricing: Dynamische Preisbildung nach Nachfrage, Saison, Wetter und Auslastung; bei KitzSki mit der TU Graz entwickelt.

KI (Künstliche Intelligenz): Systeme, die Muster in Daten erkennen und Entscheidungen unterstützen – zum Beispiel Preisempfehlungen oder Disposition.

Swarm Analytics: Computer‑Vision aus Innsbruck zur anonymisierten Erfassung und Auswertung von Verkehrs- und Personenströmen.

Schneetiefenmessung: Sensorik in Pistenmaschinen, die Schneehöhen punktgenau erfasst und Präparation/Beschneiung steuert.

HVO: Hydriertes Pflanzenöl – synthetischer Dieselkraftstoff aus biogenen Reststoffen; reduziert CO2‑ und Schadstoffemissionen.

Energiegemeinschaft/Photovoltaik: Verbund zur gemeinsamen Nutzung selbst erzeugten Solarstroms; digital gesteuert für optimalen Eigenverbrauch.

FIS‑Regeln: Internationale Verhaltensregeln zur Erhöhung der Sicherheit auf Pisten.

Wo liegen die nächsten Potenziale am Berg – insbesondere in Gastronomie und Verleih?

Christian Wörister: In der Gastronomie sehen wir große Hebel: digitale Bestellung, Bezahlung, Lager- und Nachschubsteuerung verbessern Service und Planbarkeit. Im Verleih personalisiert KI die Ausrüstung – bis zum vorbereiteten Set im Hotel, passend zu Größe, Können und Vorlieben. Das spart Wege, reduziert Wartezeiten und erhöht Zufriedenheit.

Dann nochmal zum Wohl und Schluss die ebenfalls obligatorische Frage: Genuss und Sicherheit – wie passt Skifahren mit einem Glas Wein zusammen?

Christian Wörister: Kulinarik gehört für viele Gäste zum Skitag. Ein guter Wein am Nachmittag auf der Sonnenterasse ist pure Lebensqualität. Wir setzen auf die Eigenverantwortung der Gäste, aber auch der Gastwirte. Zudem müssen die FIS‑Regeln ebenso beachtet werden, wie klare Zeiten: Ab etwa 17 Uhr präparieren Pistenraupen – dann ist das Befahren lebensgefährlich. Wer dennoch ausgiebiger genießen will, nimmt die Bahn ins Tal. So bleibt der Skitag sicher und schön.

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