Laut der neuen Studie „Digital Trust Insights 2027“ von PwC steigen die Budgets für Cybersecurity in deutschen Unternehmen. KI-Agenten gewinnen schneller an Autonomie als Governance definiert wird. Außerdem legen deutsche Unternehmen Wert auf digitale Souveränität.
Führungskräfte in Deutschland erwarten bis 2027 steigende Budget für Cybersecurity: 47 Prozent der deutschen Befragten rechnen mit einem Budgetplus von sechs bis zehn Prozent (Vorjahr: 36 Prozent; global: 36 Prozent). Als Prioritäten nennen sie KI (57 Prozent), Cloud Security (54 Prozent), Cyber Managed Services (40 Prozent) und Connected Products (31 Prozent). Data Protection und Data Trust werden in Deutschland (28 Prozent) deutlich seltener priorisiert als weltweit (39 Prozent). Das sind die zentralen Erkenntnisse der diesjährigen Studie „Digital Trust Insights“ der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC.
„Steigende Cyberbudgets sind ein wichtiges Signal. Für Cyberresilienz ist allerdings nicht nur die Höhe des Budgets ausschlaggebend, sondern wie gut Unternehmen mit ihren Abhängigkeiten umgehen und neue Technologien kontrolliert einsetzen“, kommentiert Moritz Anders, Partner und Leiter des Bereichs Cyber Security, Data & Tech Risk bei PwC Deutschland.
KI-Agenten übernehmen genau abgegrenzte Aufgaben
KI wird zunehmend zum operativen Akteur: Vor einem Jahr nutzten 54 Prozent der deutschen Unternehmen KI- und Machine-Learning-Tools in der Cyberabwehr, vor allem angesichts des Fachkräftemangels. Jetzt öffnen sie sich für autonome Agenten: Nur zwei Prozent schließen deren Autorisierung in jedem Bereich aus (global: 4 Prozent). 29 Prozent würden KI-Agenten vollkommen eigenständig handeln lassen. 42 Prozent würden zumindest risikoarme Aktionen ohne menschliche Freigabe zulassen, bei mittleren und hohen Auswirkungen soll der Mensch am Ende entscheiden.
Neben der Malware-Entfernung und Systemwiederherstellung (51 Prozent) planen die Unternehmen, KI-Agenten für das Erkennen und Löschen von Phishing-Mails einzusetzen (49 Prozent). Je 46 Prozent wollen Agenten Incident-Tickets erstellen und eskalieren sowie Lücken schließen und Konfigurationen ändern lassen. Bei 45 Prozent sollen Agenten betroffene Endgeräte isolieren und bei 39 Prozent Nutzerkonten sperren und Zugriffsrechte entziehen. Zurückhaltender als der globale Durchschnitt sind deutsche Unternehmen beim Anreichern und Verknüpfen von Bedrohungsdaten in der Threat Intelligence (39 Prozent; global: 49 Prozent) sowie beim Blockieren und Segmentieren von Netzwerkverkehr (34 Prozent; global: 39 Prozent).
Prioritäten bei Cybersecurity verschieben sich
Moritz Anders ist Partner und Leiter des Bereichs Cyber Security, Data & Tech Risk bei PwC Deutschland.
(Bild: PwC Deutschland)
Bei KI-bezogenen Investitionen in die Cybersecurity verschieben sich die Prioritäten zugunsten operativer Fähigkeiten. Verantwortungsvolle KI-Governance und Compliance nennen nur 30 Prozent (global: 42 Prozent), die Absicherung von KI-Modellen 27 Prozent (global: 33 Prozent) und Guardrails für LLM und GenAI 25 Prozent (global: 31 Prozent). Gleichzeitig legen deutsche Unternehmen mehr Gewicht auf den Schutz von Trainingsdaten als der weltweite Durchschnitt (35 Prozent; global: 30 Prozent) und die kontinuierliche Kontrolle von Risiken und Compliance (26 Prozent; global: 20 Prozent).
Anteil der Unternehmen, die KI-Agenten für autonome Tätigkeiten autorisieren wollen.
(Bild: PwC)
Die Erkennung und Steuerung von KI-Tools ohne Freigabe der IT-Abteilung (Schatten-KI) priorisieren 40 Prozent, SOC und Incident Response 37 Prozent und offensive Sicherheit 31 Prozent. „KI-Agenten gewinnen in der Cybersecurity schneller an Autonomie, als Unternehmen ihre Governance weiterentwickeln. Wer KI-Agenten eigenständig handeln lässt, muss explizit klären, wer verantwortlich ist, wo menschliche Kontrolle erforderlich bleibt und wie sich jede Aktion nachvollziehen lässt“, ist Moritz Anders überzeugt.
Lieferketten und Souveränität im Fokus vieler Unternehmen
Anteil der Unternehmen, die auf geopolitische Risiken mit Maßnahmen reagieren.
(Bild: PwC)
Im Vorjahr befürchteten 51 Prozent Angriffe auf Lieferketten. Jetzt handeln die Unternehmen: 47 Prozent wollen die Sicherheit ihrer Softwareentwicklungs- und Delivery-Pipelines stärken. Ebenso viele wollen Lieferanten diversifizieren und Notfallpläne für Lieferantenausfälle aufbauen. 45 Prozent wollen Sichtbarkeit und Risikomanagement bei Softwareabhängigkeiten verbessern. 41 Prozent beziehen Lieferanten in Incident-Response- und Krisenübungen ein (global: 29 Prozent), 42 Prozent tauschen Informationen mit Schlüssellieferanten aus (global: 37 Prozent). Ein kontinuierliches Supplier-Cyber-Risk-Monitoring planen 45 Prozent der deutschen Unternehmen.
Stand: 16.12.2025
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Cyberresilienz wird zur Aufgabe des IT-Ökosystems.
(Bild: PwC)
Bei der digitalen Souveränität reagieren deutsche Unternehmen stärker auf geopolitische Risiken als der globale Durchschnitt: 61 Prozent setzen auf Multi- oder Hybrid-Cloud (global: 54 Prozent), um Anbieterabhängigkeiten zu vermeiden. 50 Prozent bauen regionale Daten- und Technologie-Redundanzen auf und 46 Prozent verlagern Workloads zu souveränen oder regionsspezifischen Cloud-Anbietern, während 45 Prozent ihre technologische Infrastruktur in bestimmten Rechtsräumen lokalisieren (global: 37 Prozent). Lediglich 1 Prozent der deutschen Unternehmen passt den Tech-Stack nicht an die geopolitische Lage an (global: 6 Prozent). „Digitale Souveränität wird zunehmend zu einem Bestandteil von Cyberresilienz. Der erste Schritt zu mehr Cyberresilienz ist, die eigenen kritischen Abhängigkeiten zu kennen. Deutsche Unternehmen sind hier bereits aktiver als der internationale Durchschnitt“, sagt Moritz Anders.
Cybersecurity: Lücken bei Notfallplanung und OT-Sicherheit
Dass Resilienz in deutschen Unternehmen ernst genommen wird, zeigt sich ebenfalls im Bereich Notfallplanung: 29 Prozent haben vollständig formalisierte, integrierte Operational-Continuity-Pläne, die Cyberbedrohungen einschließen (global: 39 Prozent). Bei weiteren 44 Prozent sind solche Pläne in Entwicklung (global: 38 Prozent), zusammen sind es 73 Prozent (global: 77 Prozent).
Die Bedeutung der OT-Strukturen bei der Cyberabwehr.
(Bild: KI-generiert)
In der Betriebstechnik (OT) fehlt es allerdings an Personal und an Spielraum bei Altsystemen: 42 Prozent nennen Lücken bei OT-Fachkräften und Ressourcen (global: 38 Prozent), 40 Prozent Legacy-Systeme, die sich nicht patchen lassen (global: 33 Prozent). Weitere Herausforderungen sind die Absicherung KI-fähiger Zugänge zu OT- und IIoT-Geräten (38 Prozent), unzureichende Finanzierung oder Management-Unterstützung (37 Prozent) sowie Lieferketten- und Drittparteirisiken (36 Prozent). „Kompromittierbare Betriebstechnik ist ein großer Risikofaktor, der noch stärker in den Blick der Unternehmen rücken sollte. Vor dem Hintergrund hybrider Bedrohungen gibt es hier dringenden Aufholbedarf“, sagt Moritz Anders.
Zur Methodik der Studie: Für die Studie „Digital Trust Insights 2027“ befragte PwC zwischen Mai und Juli 2026 3.934 Führungskräfte der Bereiche Business und Technologie in 71 Ländern und Territorien, 74 Prozent davon auf C-Level. In Deutschland nahmen 277 Personen teil, davon rund 65 Prozent aus Technologie- und rund 35 Prozent aus Business-Funktionen. 48 Prozent arbeiten in Unternehmen mit mehr als 5 Mrd. US-Dollar Jahresumsatz, 25 Prozent in Unternehmen mit 1 bis 5 Mrd. US-Dollar und 26 Prozent in Unternehmen mit weniger als eine Milliarde US-Dollar. Da einzelne Fragen nur bestimmten Funktionsgruppen gestellt wurden, variiert die Zahl der Antworten je Frage. Angaben wie „unsicher“ sind nicht ausgewiesen. Summen können rundungsbedingt von 100 Prozent abweichen.